{"id":1406,"date":"2019-06-22T13:58:37","date_gmt":"2019-06-22T11:58:37","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=1406"},"modified":"2019-06-22T13:58:37","modified_gmt":"2019-06-22T11:58:37","slug":"fuenfzehn-kopflose-tage","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/fuenfzehn-kopflose-tage\/","title":{"rendered":"F\u00fcnfzehn kopflose Tage"},"content":{"rendered":"<p><strong>Dave Cousins: F\u00fcnfzehn kopflose Tage, Aus dem Englischen von Anne Brauner, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2015, 288 Seiten, \u20ac17,99, 978-3-7725-2778-4 <\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eWenn Mum nicht nach Hause kommt, ist es aus und vorbei. Mittlerweile denke ich, dass Jay ohne Mum und mich vielleicht besser dran w\u00e4re. \u2026 Sobald ich w\u00fcsste, dass er gut versorgt ist, k\u00f6nnte ich mich aus dem Staub machen.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Als der englische Autor in einem Pub eine betrunkene Frau mit zwei S\u00f6hnen beobachtet, die mit den Leuten am Nebentisch einen Streit anf\u00e4ngt, beginnt er sich Gedanken \u00fcber das reale Leben dieser Kinder zu machen. Wie peinlich ist so eine Mutter und wie loyal verhalten sich Kinder, wenn nichts normal in ihrem Leben abl\u00e4uft und sie das ganz genau wissen?<br \/>\nMit einer einzigen Stimme erz\u00e4hlt Cousins seine Geschichte aus der Sicht des \u00e4lteren Jungen, des f\u00fcnfzehnj\u00e4hrigen Laurence Roach. Er lebt mit seiner st\u00e4ndig alkoholisierten Mutter, die auch zuschl\u00e4gt, wenn ihr etwas nicht passt, und seinem sechsj\u00e4hrigen Halbbruder in einer heruntergekommenen, kakerlakenverseuchten Wohnung. Die Mutter hat sich zwei Jobs gesucht, die, wenn sie am Morgen nicht aufstehen kann, ihr Sohn f\u00fcr sie erledigen muss. Laurence hat viele gute Erinnerungen an die Zeit als seine Oma noch lebte und an seine Mutter, die vor dem Selbstmordversuch eine v\u00f6llig andere Frau war.<br \/>\nJeden Abend schleicht sich Laurence zur Telefonzelle und versucht mit den geklauten Telefonkarten der Mutter ein Radioquiz als Erwachsener namens Daniel Roach zu gewinnen, damit die Familie endlich in den All-Inclusive-Urlaub reisen kann. Laurence hofft, dass er seine Mutter mit dieser \u00dcberraschung endlich gl\u00fccklich machen kann.<br \/>\nEines Tages jedoch verschwindet die Mutter spurlos und kehrt nicht mehr zu den S\u00f6hnen zur\u00fcck.<br \/>\n<em>\u201eIch habe mir eingeredet, es w\u00e4re nur eine ihrer \u00fcblichen Sauftouren, von denen sie nach einigen Tagen heimkommt, wenn sie kein Geld mehr hat. Aber so war es nicht.\u201c<\/em><br \/>\nLaurence \u00fcbernimmt wie gehabt die Mutterrolle bei Jay, der sich wie ein frecher Sechsj\u00e4hriger gegen den Bruder auflehnt und am liebsten wie Scooby-Doo den Leuten in die Hosenbeine bei\u00dft. Jay sitzt bereits am fr\u00fchen Morgen vor dem Fernseher und wehrt sich neuerdings gegen die faden Toastscheiben, die Laurence ihm zum Fr\u00fchst\u00fcck zubereitet. Geld zum \u00dcberleben ist das allergr\u00f6\u00dfte Problem. Auch wenn Laurence sein Sparbuch nach verzweifeltem Suchen von der Oma findet, dass die Mutter zum Gl\u00fcck noch nicht abger\u00e4umt hat, so kann er doch als Minderj\u00e4hriger ohne Eltern keinen Penny auf der Bank abheben.<br \/>\nLaurence versucht alles, um die Mutter zu finden. Ans L\u00fcgen und Notl\u00fcgen gew\u00f6hnt fragt er vorsichtig die Leute an den Arbeitsstellen der Mutter aus, denn niemand darf erfahren, dass die Jungen nun allein leben.<\/p>\n<p>Aber Laurence kann Jay nicht rund um die Uhr betreuen und so setzt Jay die Wohnung unter Wasser und die neugierige Nachbarin, Schn\u00fcffelnelly genannt, dringt in die Wohnung der Kinder ein. Sie droht mit dem Amt und Laurence handelt und schreibt ihr im Namen seiner Mutter einen Entschuldigungsbrief.<br \/>\nNichts, nicht mal die Maskerade als Frau, kann Laurence davon abhalten, seinen Bruder zu sch\u00fctzen, aber auch er ger\u00e4t an seine Grenzen. Mina, eine Mitsch\u00fclerin, beobachtet die beiden Jungen und err\u00e4t schnell ihre Situation. Sie hilft genau im richtigen Augenblick mit Geld aus und sie wei\u00df, dass Laurence nicht mehr lang das Verschwinden der Mutter auch vor Jay verheimlichen kann.<br \/>\nLaurence entdeckt die Mutter dann an der Seite eines fremden Mannes in einem Hausboot. Aber dann geschieht das Unglaubliche. Die alkoholisierte Mutter, die sich selbst am meisten leid tut, kehrt nicht mit den eigenen Kindern wieder nach Hause zur\u00fcck. Sie bleibt bei Phil, der ebenfalls trinkt und sie angeblich aus dem Wasser gezogen hat.<br \/>\nInzwischen hat Laurence mit Ruhe, Gl\u00fcck und logischen \u00dcberlegungen zu den Fragen wie durch ein Wunder das Quiz gewonnen. Aber auch hier scheitert alles daran, dass nur ein Erwachsener den Preis in Empfang nehmen kann.<\/p>\n<p>Kinder, die in Haushalten gro\u00df werden, in denen nur Geld f\u00fcr Alkohol vorhanden ist, klammern sich an die Eltern, egal wie diese sie behandeln. Sie \u00fcbernehmen wie Laurence viel zu viel Verantwortung. Die Lehrer oder die Kinderg\u00e4rtnerinnen ahnen sicher, was in den Familien vor sich geht, aber sie greifen nie ein, sie bieten Hilfe an, die die Kinder jedoch nie annehmen. Laurence k\u00e4mpft um seine Mutter und dabei hilft ihm Mina, die nicht glauben kann, dass diese wirklich ihre S\u00f6hne im Stich lassen will.<\/p>\n<p>Dave Cousins beschreibt realit\u00e4tsnah und mit erstaunlich viel Empathie f\u00fcr seine Figuren. Man glaubt Laurence jedes Wort und jedes Gef\u00fchl, das er beschreibt. Es ist keine leichte Lekt\u00fcre, doch Laurence&#8216; Geschichte ber\u00fchrt durch seinen Mut, seine Durchhaltekraft und seine sympathische Art. Mag Jay ihm noch so auf den Keks gehen, nie w\u00fcrde er, wie die Mutter, seinen Bruder allein lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dave Cousins: F\u00fcnfzehn kopflose Tage, Aus dem Englischen von Anne Brauner, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2015, 288 Seiten, \u20ac17,99, 978-3-7725-2778-4 \u201eWenn Mum nicht nach Hause kommt, ist es aus und vorbei. 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