{"id":1390,"date":"2019-06-22T15:12:26","date_gmt":"2019-06-22T13:12:26","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=1390"},"modified":"2019-06-22T15:12:26","modified_gmt":"2019-06-22T13:12:26","slug":"stimmen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/stimmen\/","title":{"rendered":"Stimmen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ursula Poznanski: Stimmen, Wunderlich Verlag, Reinbek bei Hamburg 2015, 448 Seiten, \u20ac14,95, 978-3-8052-5062-7 <\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eStatt endlich deutlichere Konturen zu entwickeln, wurden die Geschehnisse in der Klinik immer undurchsichtiger. Allm\u00e4hlich begann Beatrice zu glauben, dass wirklich ein v\u00f6llig verwirrter Geist hinter den Taten steckte. Ein Mensch mit Wahnvorstellungen, jemand, der sich bedroht f\u00fchlte \u2026\u201c<\/em><\/p>\n<p>Traumata, tiefe Verletzungen der Seele, entstehen oftmals in der fr\u00fchesten Kindheit. Aber auch im sp\u00e4teren Leben kann diese psychische Erkrankung durch schwere \u00e4u\u00dfere oder inneren St\u00f6rungen, Gewalteinwirkungen oder Unf\u00e4lle einsetzen. \\r\\nAls die Ermittler vom LKA Salzburg Beatrice Kaspary und Florin Wenniger ins Psychiatrische Therapiezentrum des Klinikums Salzburg-Nord gerufen werden, ahnen sie, dieser Fall wird extrem schwierig. Dabei h\u00e4tte Beatrice beruflich mal etwas ruhigere Zeiten ohne st\u00e4ndige \u00dcberstunden n\u00f6tig, denn Achim, ihr Ex-Mann, l\u00e4sst sich keine Gelegenheit entgehen, um sie f\u00fcr ihren beruflichen Einsatz zu kritisieren. Wieder hat sie die Kinder zu sp\u00e4t abgeholt und wieder ist keine Zeit zum Kochen oder Spielen. \\r\\n\\r\\nUnd nun dieser Tote in der Psychiatrie: Dr. Max Schlager, ein ehrgeiziger angehender Facharzt. Seltsamerweise wurde seine Leiche mit bunten Plastikmessern dekoriert und mit einer Schiene in der Kehle postum verletzt. Gefunden hat die Leiche ein paranoid schizophrener Patient der Klinik, Walter Trimmel. Ihm hatten seine Stimmen im Kopf befohlen, das Blut des Toten aufzulecken. \\r\\nMit Feingef\u00fchl und vor allem Vorsicht m\u00fcssen die Ermittler nun vorgehen, denn die Patienten dieser Klinik leben in anderen Wahrnehmungswelten. Au\u00dferdem herrscht zwischen den \u00c4rzten kein gutes Klima, zumal den Kommissaren zugetragen wurde, dass der korrekte Dr. Schlager ziemlich viel Kritik besonders gegen seinen Vorgesetzten Professor Klement vorgetragen hatte. Dies geschah allerdings au\u00dferhalb der Klinik, denn ein Mediziner kratzt dem anderen kein Auge aus.<\/p>\n<p>Und dann gibt es auch noch einen besondere Patientin, deren wahre Identit\u00e4t um jeden Preis geheimgehalten werden muss: Jasmin Matheis. Wochenlang schrieb die Presse \u00fcber das Schicksal dieser jungen Frau, die von ihrem Vater in einem Kellerloch seit ihrem vierten Lebensjahr wie ein Hund gefangen gehalten und missbraucht wurde. Zwei Kinder hatte sie zur Welt gebracht, die der Vater t\u00f6tete.<br \/>\nUnterern\u00e4hrt und v\u00f6llig verst\u00f6rt wurde Jasmin gefunden. Jetzt ist sie bedingt durch die Pharmaka eine gro\u00dfe, \u00fcbergewichtige Frau, die nicht spricht und sich auch durch keine Regung in irgendeiner Form \u00e4u\u00dfert.<br \/>\nKlar wird, dass der M\u00f6rder von Dr. Schlager \u00fcber medizinische Kenntnisse verf\u00fcgen muss, denn die Todesursache ist eine \u00dcberdosis Propofol.<br \/>\nImmer mehr gewinnt Beatrice den Eindruck, wenn sie die Patientengeschichten liest, dass sie zur Voyeurin des menschlichen Leides wird. Da ist der gest\u00f6rte Walter Trimmel, den seine Mutter als Kind unmenschlich gedem\u00fctigt hat oder Maja Brem, die durch ihre anz\u00fcgliche sexistische Sprache jeden verst\u00f6rt, aber offensichtlich von ihrem Stiefvater schwer missbraucht wurde. Seltsamerweise stammen alle Fingerabdr\u00fccke an den Messern auf Dr. Schlagers K\u00f6rper von Jasmin. Beatrice beobachtet die junge Frau intensiv und versucht, auch wenn die Chance mehr als gering ist, zu ihr Kontakt aufzunehmen. Hat sie etwas gesehen und der T\u00e4ter wei\u00df genau, dass sie dar\u00fcber nicht sprechen wird? Durch die Hilfe der jungen \u00c4rztin,<br \/>\nDr. Plank, die ebenfalls alleinerziehend ist, gewinnt Beatrice einen Einblick in die unterschiedlichen Therapien f\u00fcr die Patienten, die sich u.a. auch mit Tarotkarten besch\u00e4ftigen. \u00dcber die mystische Symbolik der Karten und die einf\u00fchlsame Art der Ermittlerin Jasmin gegen\u00fcber, scheint sich eine Spur zu ergeben.<\/p>\n<p><em>\u201e Ja, alles logisch. Aber trotzdem stimmt etwas daran nicht. Die F\u00fcnfzehn, der Teufel \u2013 wieso? Worauf wollte Jasmin damit hinweisen? Oder war das alles Quatsch, nur ein wirres Ideengeb\u00e4ude, das Beatrice sich zusammenbastelte?\u201c<\/em><\/p>\n<p>Doch dann wird Maja Brem aus dem Dienstzimmerfenster gesto\u00dfen, Walter Trimmel st\u00fcrzt die Treppe hinunter und ein Pfleger der Klinik \u00fcberf\u00e4llt Beatrice in ihrem Hausflur und wird kurze Zeit sp\u00e4ter ermordet aufgefunden.<br \/>\nK\u00f6nnte es sein, dass Jasmin alle t\u00e4uscht und sich trotz Medikamenten, die sie gegen ihr autoaggressives Verhalten nehmen muss, verstellt und die T\u00e4terin ist? Und welche zerst\u00f6rerischen Auswirkungen hat eine zerst\u00f6rte Kindheit?<\/p>\n<p>Die Ermittler tappen lange im Dunkeln, zumal Jasmin dann auch noch verschwindet und sie an die \u00d6ffentlichkeit gehen m\u00fcssen. Die Psychiatrie ist f\u00fcr die Ermittler ein undurchsichtiges Terrain, um einen M\u00f6rder zu finden oder zeigt die Spur eher doch in Richtung Personal? Die Profilierungssucht und das Konkurrenzdenken der Mediziner k\u00f6nnte ein Motiv sein, aber sollten diese sich nicht eher um die Patienten sorgen?\\r\\nBeatrice Kaspary hat im Gegensatz zu ihren Kollegen ein besonderes Feingef\u00fchl gerade f\u00fcr gequ\u00e4lte Frauen. Erlebt sie doch gerade in ihrem Privatleben gr\u00f6\u00dftes Gl\u00fcck mit Florin und extreme Feindschaft mit ihrem Ex-Mann Achim.<\/p>\n<p>Ursula Poznanski arbeitete \u00fcber l\u00e4ngere Zeit als Medizinjournalistin und konnte sicher aus ihrem Erfahrungsschatz sch\u00f6pfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ursula Poznanski: Stimmen, Wunderlich Verlag, Reinbek bei Hamburg 2015, 448 Seiten, \u20ac14,95, 978-3-8052-5062-7 \u201eStatt endlich deutlichere Konturen zu entwickeln, wurden die Geschehnisse in der Klinik immer undurchsichtiger. 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