{"id":1290,"date":"2019-06-22T15:33:32","date_gmt":"2019-06-22T13:33:32","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=1290"},"modified":"2019-06-22T15:33:32","modified_gmt":"2019-06-22T13:33:32","slug":"der-marsianer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/der-marsianer\/","title":{"rendered":"Der Marsianer"},"content":{"rendered":"<p><strong>Andy Weir: Der Marsianer, Aus dem Amerikanischen von J\u00fcrgen Langowski, Heyne Verlag, M\u00fcnchen 2014, 512 Seiten, \u20ac14,99, 978-3-453-31583-9<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eDer Mars ist eine kahle W\u00fcste, und ich bin hier v\u00f6llig allein. Das wusste ich nat\u00fcrlich schon vorher, aber zwischen dem Wissen und der direkten Erfahrung besteht ein gro\u00dfer Unterschied. Ringsum nichts als Staub, Steine und eine unendliche leere W\u00fcste. \u2026 Es ist eine uralte W\u00fcste, die langsam verrostet.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Eines verliert der einsame Mann auf dem Mars nie und das ist sein Humor. Mark Walney, immerhin der f\u00fcnfzehnte Mensch auf dem Mars, ist im Sandsturm zur\u00fcckgeblieben als die Crew der Ares 3, nachdem sie ihn verzweifelt gesucht hatte, nach nur sechs Tagen Marsmission sich wieder auf den R\u00fcckweg begeben musste. M\u00f6glicherweise ist ein neues Raumschiff in vier Jahren zu erwarten oder auch keines, wenn die NASA ihre Experimente auf dem Mars einstellt. Mark Walney wei\u00df, dass die NASA ihn f\u00fcr tot erkl\u00e4ren wird. Als Botaniker und Mechaniker jedoch nutzt er all seine Kenntnisse, um zu \u00fcberleben. Die Geschichte vom Robinson Crusoe allerdings im intergalaktischen Universum beginnt mit seinen eigenen Logbuch-Aufzeichnungen. Der Astronaut \u00fcberlegt, wie er aus den Kartoffeln, die f\u00fcr Thanksgiving gedacht waren, eine Zucht in der gro\u00dfz\u00fcgig gebauten Wohnkuppel anlegen kann. Vieles ist vorhanden, Strom, eine Wasseraufbereitungsanlage, die aber nicht genug Wasser produzieren wird, Proviant und eine Menge Plastikt\u00fcten.<\/p>\n<p>Ohne R\u00fccksicht auf die zarten Nerven des Lesers geht es um den nat\u00fcrlich D\u00fcnger, den Mark selbst produziert und viele technische Details, die erkennen lassen, dass der Autor als Softwareentwickler seine Br\u00f6tchen verdient.<\/p>\n<p>Fiktiv und gut durchdacht vermittelt Andy Weir eine Welt, in der es mit der Raumfahrt, bei allen R\u00fcckschritten, jedoch technologisch exorbitant vorw\u00e4rts geht. Kein Gerede \u00fcber Klimakatastrophen oder sonstige dystopische Themen \u2013 Mark Walney t\u00fcftelt, repariert, probiert aus und schafft somit, durch seine geistige Wendigkeit und seinen umwerfenden Humor, eine positive Grundstimmung. Auf den Sticks seiner Crewmitglieder findet er zwar nur alte Fernsehserien oder schreckliche Diskomusik, aber auch Agatha Christie Romane, mit denen er ganz gern seine Zeit verbringt. Walneys Erz\u00e4hlton ist locker leicht und vor allem gespickt mit laxen Kommentaren voller Galgenhumor, denn immerhin besteht die Gefahr, dass er verhungern k\u00f6nnte bevor Rettung naht.<\/p>\n<p><em>\u201eWohin ich auch gehe, ich bin der Erste. Ich steige aus dem Rover und bin der erste Mensch, der diese Stelle je betreten hat. Ich steige auf einen H\u00fcgel, den noch niemand vor mit bestiegen hat. Ich trete gegen einen Stein, der sich Millionen Jahre nicht ger\u00fchrt hat.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Doch dann wechselt die Perspektive hin zu den Verantwortlichen der Marsmission auf der Erde. Die leicht frustrierte Mindy Park entdeckt bei der \u00dcberwachung der rund um den Mars stationierten Satelliten nicht Marks Leiche, sondern seine Aktivit\u00e4ten an der Wohnkuppel. Kurzentschlossen weckt sie den ziemlich gebeutelten und v\u00f6llig \u00fcbern\u00e4chtigten Dr. Kapoor, den Direktor der Marsoperation. Und nun beginnt in heller Aufregung die Rettungsaktion f\u00fcr den <em>\u201eExperten f\u00fcr intergalaktische Reisen\u201c<\/em> und <em>\u201eK\u00f6nig vom Mars\u201c<\/em>, wie er sich selbst bezeichnet. Als nach langen, schwierigen Aktionen dann eine Kommunikationsform zwischen Erde und Mars gefunden wird, legt sich der Hauptheld auch noch bei den Problemen mit dem Wasseraufbereiter mit den Fachleuten auf der Erde an.<br \/>\n<em>\u201e Ich: &#8218;Offensichtlich ist da etwas verstopft. Wie w\u00e4re es, wenn ich das Ding zerlege und die Schl\u00e4uche im Inneren \u00fcberpr\u00fcfe?&#8216; NASA ( nach f\u00fcnfst\u00fcndiger Beratung): &#8218;Nein. Sie machen blo\u00df etwas kaputt und sterben.&#8217;Also nahm ich das Ding auseinander.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Marks Crew wird noch nicht informiert, denn sie befindet sich immer noch auf dem nicht ganz ungef\u00e4hrlichen R\u00fcckweg und soll nicht aus dem Gleichgewicht gebracht werden. Letztendlich jedoch wird seine Mannschaft sich nach technisch komplizierten Vorg\u00e4ngen auf den Weg begeben, um den verlorenen Marsianer zu retten, dem wieder ein Staubsturm einen Strich durch die Rechnung machen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Keine Frage, Andy Weir hat einen spannenden, utopischen Roman geschrieben, der sicher eine inspirierende Lekt\u00fcre f\u00fcr Technikfreaks ist. Dabei durchleuchtet er nicht die Psyche seiner einsamen Hauptfigur, sondern konzentriert sich auf deren Erfindungsreichtum. Mark Walney investiert all seine Kr\u00e4fte, er geht Risiken ein und gibt nie auf. Dieser Unterhaltungsroman ist eine Ode an den menschlichen \u00dcberlebenswillen, an seinen Entdeckergeist und letztendlich seiner Freude am Leben, ob auf dem Mars oder auf der Erde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andy Weir: Der Marsianer, Aus dem Amerikanischen von J\u00fcrgen Langowski, Heyne Verlag, M\u00fcnchen 2014, 512 Seiten, \u20ac14,99, 978-3-453-31583-9 \u201eDer Mars ist eine kahle W\u00fcste, und ich bin hier v\u00f6llig allein. 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