{"id":1275,"date":"2019-06-22T20:05:21","date_gmt":"2019-06-22T18:05:21","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=1275"},"modified":"2019-06-22T20:05:21","modified_gmt":"2019-06-22T18:05:21","slug":"koenigin-des-sprungturms-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/koenigin-des-sprungturms-2\/","title":{"rendered":"K\u00f6nigin des Sprungturms"},"content":{"rendered":"<p><strong>Martina Wildner: K\u00f6nigin des Sprungturms, Beltz &amp; Gelberg Verlag, Weinheim 2013, 211 Seiten, \u20ac12,95, 978-3-407-82027-3<\/strong><\/p>\n<p><em> \u201e Manchmal fragte ich mich allerdings, ob sie so richtig mit mir befreundet war. Also, ob ich ihr wichtig war. Sie war mir wichtig;&#8230;\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die Schwimmhalle und das Turmspringen sind ihr Leben. Nadja, sie ist die Erz\u00e4hlerin, und Karla kennen sich seit dem sechsten Lebensjahr, da wurden sie Wohnungsnachbarinnen und Freundinnen. Gemeinsam sind sie zum Schnupperkurs gegangen, gemeinsam besuchen sie nun seit zwei Jahren die Sportschule. Sie teilen sich ein Spind in der Halle und da Karla nie Geld hat, sucht Nadja, wenn sie den S\u00fc\u00dfigkeitenautomat f\u00fcttert auch immer etwas, das sie teilen kann. Enge, unzertrennliche Freundinnen \u2013 so w\u00fcrde Nadja es beschreiben, doch wie die blasse, ja fast farblose und oftmals wortkarge Karla diese Beziehung sieht, wei\u00df der Leser nicht.<\/p>\n<p>Karla jedenfalls ist die unanfechtbare<em> \u201eG\u00f6ttin des Sprungturms\u201c<\/em>. Sie scheint vom Leistungsdruck, den die Trainer unter den M\u00e4dchen forcieren, dem heftigen Konkurrenzkampf, den \u00c4ngsten und all dem Stress wenig zu sp\u00fcren. Fr\u00fch offenbar sehr schnell auf sich gestellt, die alleinerziehende Mutter arbeitet als Krankenschwester, hat Karla ihren Anker gesucht und gefunden, das Turmspringen.<\/p>\n<p>Nadja erz\u00e4hlt mit dem Wissen, dass Karla und sie nicht mehr zusammen sind und auch nicht mehr befreundet. Sie ruft sich Szenen dieser ja fast symbiotische Freundschaft in Erinnerung, die offensichtlich von beiden M\u00e4dchen auf unterschiedliche Weise empfunden wurden. <em>\u201e Es war nicht wirklich lustig mit ihr. Aber wir machten alles zusammen, und obwohl sie alles immer ein bisschen besser konnte als ich, hatte ich das Gef\u00fchl, dass sie mich brauchte und dass sie nur so gut war, weil ich da war.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Manchmal stachelt Nadjas emsige und empfindsame, russische Mutter ihre Tochter an, doch mehr Ehrgeiz zu zeigen, Distanz einzunehmen, einfach mal besser als Karla zu sein. Wenn es nach der Mutter gegangen w\u00e4re, h\u00e4tte ihre Tochter nat\u00fcrlich eine Karriere als Eiskunstl\u00e4uferin begonnen. Aber f\u00fcr Nadja ist alles so wie es ist in Ordnung, Karla bleibt f\u00fcr sie die <em>\u201eK\u00f6nigin\u201c<\/em> in der Schwimmhalle. Ihre Spr\u00fcnge sind elegant, schwerelos und vollkommen.<\/p>\n<p>Als Karla bemerkt, dass sich ihre Mutter heimlich mit einem Mann trifft, ger\u00e4t ihr Leben in eine Schieflage. Dieser Mann, so glaubt Karla tr\u00e4gt Schuld am fr\u00fchen Tod ihres Vaters. Sie vernachl\u00e4ssigt den Unterricht, verkriecht sich und verpatzt sogar den Sichtungswettkampf, den Nadja \u00fcberraschend gewinnt. Aber so seltsam es klingt, Nadja kann sich nicht freuen. Sogar beim Interview redet Nadja immer nur von Karla, als sei sie selbst gar nicht vorhanden.<\/p>\n<p>Nadja wird sich aus dem Schatten Karlas und ihren gewohnten Verhaltensmustern l\u00f6sen und erkennen, welche Bedeutung der Sprung an sich in Nadjas Leben einnimmt, sie traumatisiert hat und letztendlich auch befreien wird.<br \/>\nDie Berliner Autorin Martina Wildner l\u00e4sst dem Leser viel Raum f\u00fcr eigene Gedanken. Sie schreibt psychologisch packend, ohne den Leser zu Wertungen, ob nun \u00fcber die ungleiche Freundschaft, die komplizierten Familienverh\u00e4ltnisse oder den pr\u00e4genden Leistungssport zu dr\u00e4ngen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Martina Wildner: K\u00f6nigin des Sprungturms, Beltz &amp; Gelberg Verlag, Weinheim 2013, 211 Seiten, \u20ac12,95, 978-3-407-82027-3 \u201e Manchmal fragte ich mich allerdings, ob sie so richtig mit mir befreundet war. Also, ob ich ihr wichtig war. 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