{"id":1239,"date":"2019-06-22T15:40:00","date_gmt":"2019-06-22T13:40:00","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=1239"},"modified":"2019-06-22T15:40:00","modified_gmt":"2019-06-22T13:40:00","slug":"die-gefangene-von-goeteborg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/die-gefangene-von-goeteborg\/","title":{"rendered":"Die Gefangene von G\u00f6teborg"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ann Rosman: Die Gefangene von G\u00f6teborg, Aus dem Schwedischen von Wibke Kuhn, R\u00fctten &amp; Loening im Aufbau Verlag, Berlin 2014, 456 Seiten, \u20ac14,99, 978-3-352-00877-1<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eSie war f\u00fcr kein Verbrechen verurteilt worden, aber man war der Meinung, dass mehr als die H\u00e4lfte der notwendigen Beweise vorlag, und man sie als Gefahr f\u00fcr die Allgemeinheit betrachtete, sollte sie jetzt auf der Festung Carlsten in Beugehaft sitzen, bis sie gestand.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Erneut verbindet die schwedische Autorin Ann Rosman in ihrem neuen Buch einen gegenw\u00e4rtigen mit einem historischen Kriminalfall. 2011 ereignet sich ein Familienstreit um das Erbe eines riesigen Arsenals. Die alteingesessene Familie Ekeblad wohnt auf ihrem ungeteilten Grund und Boden seit 1723. Laut Testament des Vaters jedoch soll das Erbe unter den drei Geschwistern Carl-Henrik, Hugo und Maud aufgeteilt werden. Ein Gesetz aus dem Jahre 1964 gibt den Erben das Recht das sogenannte Fideikomiss aufzul\u00f6sen. Nach dem Tod des alten Ekeblad fechtet jedoch der \u00e4lteste Sohn, Carl-Henrik, das Testament an und will durch eine Kommission entscheiden lassen, dass das Fideikommiss unter seiner Verwaltung ungeteilt bleibt. F\u00fcr die Geschwister und deren Kinder w\u00fcrde diese Entscheidung bedeuten, dass sie nichts erben und eventuell sogar den Hof verlassen m\u00fcssten.<\/p>\n<p>Doch ein Riss ging schon lang vor diesem eklatanten Vertrauensbruch durch die Familie.<\/p>\n<p>Szenenwechsel ins Jahr 1801: Die adlige Metta Ridderbielke heiratet, durch die Vermittlung ihres Stiefvaters, Henrik Fock, den alle nur Focken nennen. F\u00fcr die gebildete und sch\u00f6ne Frau ist es ein Absturz in die Armut. Um alles muss sie sich selbst k\u00fcmmern, um die Erziehung der vier Kinder, den Haushalt und den Hof. Focken, der offenbar geistig nicht auf der H\u00f6he ist, l\u00e4sst sie entm\u00fcdigen und setzt ihren Bruder als Vormund ein. Aber zu diesem Zeitpunkt hat Focken bereits die Familie mit seinen un\u00fcberlegten Gesch\u00e4ften ruiniert. Als Metta den verheirateten Forstmeister F\u00e4gercrantz kennen und lieben lernt, scheint ihr Ungl\u00fcck besiegelt. Die Nachbarn beobachten die beiden und Focken erz\u00e4hlt in seiner Eifersucht, dass Metta ihn vergiften will. Dabei hat die Frau nur Arsen gekauft, um die Ratten aus dem Haus zu verjagen. Als dann ihr \u00e4ltester Sohn qualvoll stirbt, kurz darauf ihre taubstumme Tochter und dann auch noch Focken sorgt die Ger\u00fcchtek\u00fcche f\u00fcr einen ersten Termin beim Gericht. Eine Kette von Falschaussagen, erkauften falschen Gutachten und Verleumdungen bringen die junge Frau, die schwanger ist, vor eine Reihe von Gerichten. Selbstbewusst leugnet sie ihre Familie get\u00f6tet zu haben, um mit dem Forstmeister zusammenleben zu k\u00f6nnen. Jeder jedoch will in ihr die Giftm\u00f6rderin sehen. Metta verteidigt sich sprachlich gewandt selbst und auch das ist ein Dorn im Auge der M\u00e4nnergesellschaft. Aufrecht l\u00e4uft sie nach l\u00e4ngerer Haft in die Festung Carlsten, in der eigentlich nur M\u00e4nner einsitzen. Hier soll sie bleiben, bis sie endlich gesteht.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck in die Gegenwart: Auf der Festung Carlsten findet zur Weihnachtszeit ein Kost\u00fcmfest statt. Eine gute Gelegenheit, so meinen die Geschwister Hugo und Maud, um ihren Bruder zur Rede zu stellen. Grund f\u00fcr diese Aussprache ist zum einen das Thema Fideikommiss, zum anderen der tragische Tod des jungen Andreas, der kurzfristig nach Deutschland geschickt wurde und dort verstarb. Seine Mutter Gunnel arbeitet seit ihrem sechzehnten Lebensjahr f\u00fcr die Ekeblads. Andreas starb nicht an der Influenza, sondern an den Erregern von Milzbrand als er ein Tiergrab aushub. Carl-Henrik konnte sich vor der Kommission keinen Skandal leisten und schickte den Jungen wissend um die Krankheit einfach in den sicheren Tod.<br \/>\nUnd hier kommt Karin Adler, die Kriminalinspektorin mit dem Hausboot, ins Spiel.<\/p>\n<p>Auf dem gro\u00dfen Fest der oberen Gesellschaftsschicht, hier sind offensichtlich alle irgendwie verwandt und verschw\u00e4gert, tauchen pl\u00f6tzlich zwei Leichen auf.<\/p>\n<p>Ann Rosman konstruiert den Fall der rechtlosen Metta Fock akribisch genau nach und gibt der unschuldig letztendlich hingerichteten jungen Frau durch die Nacherz\u00e4hlung aller Umst\u00e4nde ihre W\u00fcrde zur\u00fcck. Der gegenw\u00e4rtige Doppelmord-Fall l\u00e4sst f\u00fcr die Polizei viele Fragen offen. Doch dann entdecken sie einen Tunnel, der in das ehemalige Gef\u00e4ngnis f\u00fchrt und es wird klar, es ist kein Verbrechen unter Geschwistern.<\/p>\n<p>\u00c4u\u00dferst spannend lesen sich beide Kriminalgeschichten, die zeitlos von Habgier, Besitzanspruch und Gef\u00fchllosigkeit erz\u00e4hlen. Und immer gibt Ann Rosman Einblicke in soziale und gesellschaftliche Zust\u00e4nde und \u00fcberl\u00e4sst dem Leser die Beurteilung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ann Rosman: Die Gefangene von G\u00f6teborg, Aus dem Schwedischen von Wibke Kuhn, R\u00fctten &amp; Loening im Aufbau Verlag, Berlin 2014, 456 Seiten, \u20ac14,99, 978-3-352-00877-1 \u201eSie war f\u00fcr kein Verbrechen verurteilt worden, aber man war der Meinung, dass mehr als die&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/die-gefangene-von-goeteborg\/\">Weiterlesen &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-1239","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-krimi"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1239","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1239"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1239\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1475,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1239\/revisions\/1475"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1239"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1239"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1239"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}