{"id":1222,"date":"2019-06-22T15:58:59","date_gmt":"2019-06-22T13:58:59","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=1222"},"modified":"2019-06-22T15:58:59","modified_gmt":"2019-06-22T13:58:59","slug":"zertrennlich","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/zertrennlich\/","title":{"rendered":"Zertrennlich"},"content":{"rendered":"<p><strong>Saskia Sarginson: Zertrennlich, Aus dem Englischen von Jessika Komina und Sandra Knuffinke, script5, Loewe Verlag, Bindlach 2014, 415 Seiten, \u20ac18,95, 978-3-8390-0152-3<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eEs ist so lange her. Sie waren Kinder. Es sollte keine Rolle spielen, aber das tut es. Nach diesem Kuss fing alles an schiefzugehen. Violas Sturz aus dem Turm, die Verlobung der Mutter, die katastrophale Nacht im Wald. Alles fiel in sich zusammen, alles war zerst\u00f6rt.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Die Zwillinge Viola und Isolte Love sind in ihrer Kindheit unzertrennlich. Als Jugendliche und Erwachsene jedoch gehen ihre Wege schmerzlich auseinander und niemand wei\u00df genau, warum die beiden Schwestern sich innerlich so entzweit haben.<br \/>\nZeitversetzt erz\u00e4hlt die englische Autorin Saskia Sarginson die tragische Geschichte der beiden Frauen. Sie blickt in das Jahr als die beiden Zw\u00f6lfj\u00e4hrige sind und dann beschreibt sie ihr Leben gute 15 Jahre sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Wild und ohne Angst sollen die M\u00e4dchen aufwachsen und das unterst\u00fctzt Rose, ihre freiheitsliebende Mutter, indem sie mit den Kindern von Wales aus in den S\u00fcdosten Englands zieht, fort von der Kommune. Nur sie drei sollen zusammenleben. Mit ein bisschen Geld ausgestattet und als Selbstversorgerin bringt die Hippie-Mutter die Kinder durch.<\/p>\n<p>Genauso ungest\u00fcm und verwegen wie die M\u00e4dchen sind die Zwillinge John und Michael Cathpole, die im Ort leben. Oft vom Vater verpr\u00fcgelt, suchen die gleichaltrigen Jungen eher Zuflucht in der Natur und bei den M\u00e4dchen. Etwas Animalisches geht von Michael aus, er riecht nach einer Mischung aus Baumrinde, Erde und Schwei\u00df. John und Viola, die eher die stilleren Kinder sind, f\u00fchlen sich zueinander hingezogen und halten ihre tiefe Zuneigung geheim. Als Frank und seine siebenj\u00e4hrige Tochter Polly in das Leben von Rose treten, sind die Zwillinge mehr als nur ablehnend, sie sind eifers\u00fcchtig, boshaft und wie Kinder oft sind, egoistisch. Frank, von Beruf Mathelehrer, kritisiert die Freundschaft der M\u00e4dchen mit den Catchpoles, die einfach einen schlechten Ruf haben. Viola und Isolte k\u00f6nnen die pausenlos plappernde Polly nicht ausstehen. Zu gern m\u00f6chten sie die Heirat ihrer Mutter, die finanziell am Ende ist und einsam, mit dem langweiligen, wabbeligen Frank verhindern.<\/p>\n<p>Immer wieder zwischen den Zeiten wechselnd, sieht man Isolte dann als erfolgreiche Moderedakteurin in London ihrem Beruf nachgehen. Sie lebt in einer schicken Wohnung in einer angesehenen Gegend, liebt den wohlhabenden Fotografen Ben und ist doch irgendwie verschlossen, nicht zug\u00e4nglich, nicht gl\u00fccklich. Viola hingegen liegt wiedermal im Krankenhaus. Sie ist dabei sich aufzul\u00f6sen, sich zu Tode zu hungern, einfach zu verschwinden. Isolte sorgt sich, besucht sie zwar, aber sie findet keinen Zugang mehr zu ihrer Schwester. Ihre gemeinsame Vergangenheit und das, was geschehen ist, lastet auf beiden schwer. Isolte hat jedoch alles Erlebte durch Anpassung, Flei\u00df und Aktionismus verdr\u00e4ngt, Viola hingegen versucht sich selbst zu zerst\u00f6ren, weil sie sich nicht lieben kann. Geliebt hat sie immer nur John, dem sie sogar nach der Trennung Briefe schrieb und nie abschickte. Nachdem Rose sich nach der abgesagten Hochzeit volltrunken das Leben nimmt, verlassen Viola und Isolte ihre Waldidylle am Meer. Ihre Kindheit endet abrupt, denn sie haben sich schuldig gemacht, obwohl sie als Kinder nicht ahnen konnten, dass soetwas geschehen k\u00f6nnte. Fortan wohnen sie bei der um zehn Jahre \u00e4lteren Schwester von Rose, Hetty. Mit dem Umzug in die Stadt \u00e4ndert sich vieles. Die<em> \u201eunerbittliche Gleichung der Zweisamkeit\u201c<\/em> zwischen den M\u00e4dchen l\u00f6st sich auf, denn Isolte sucht sich ihren eigenen Weg.<\/p>\n<p>Als Isolte aus ihrem perfekten Berufsleben pl\u00f6tzlich <em>\u201efreigesetzt\u201c<\/em> wird, sp\u00fcrt sie, dass es an der Zeit ist, endlich zur\u00fcckzuschauen. Sie sucht im Ort ihrer Kindheit nach John und Michael und sie wird eine best\u00fcrzende, aber auch befreiende Entdeckung f\u00fcr sich und Viola machen.<\/p>\n<p>Saskia Sarginson hat einen aufregenden Roman, der nach dem Lesen noch lang nachwirkt, geschrieben. Gekonnt f\u00fchrt sie sehr unterschiedliche Themen zusammen. Es geht um das Verh\u00e4ltnis von Zwillingen, zwischen denen eine ungeheure Anziehung, Konkurrenz, Vertrautheit, aber auch Abh\u00e4ngigkeit besteht. Und es geht um Schuld und vor allem darum, sich selbst zu verzeihen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Saskia Sarginson: Zertrennlich, Aus dem Englischen von Jessika Komina und Sandra Knuffinke, script5, Loewe Verlag, Bindlach 2014, 415 Seiten, \u20ac18,95, 978-3-8390-0152-3 \u201eEs ist so lange her. Sie waren Kinder. Es sollte keine Rolle spielen, aber das tut es. 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