{"id":1197,"date":"2019-06-22T15:48:56","date_gmt":"2019-06-22T13:48:56","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=1197"},"modified":"2019-06-22T15:48:56","modified_gmt":"2019-06-22T13:48:56","slug":"sommer-in-maine","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/sommer-in-maine\/","title":{"rendered":"Sommer in Maine"},"content":{"rendered":"<p><strong>J. Courtney Sullivan: Sommer in Maine, Aus dem Amerikanischen von Henriette Heinse, Berlin Verlag Taschenbuch, Berlin 2014, 509 Seiten, \u20ac9,99, 978-3-8333-0951-9<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eDas Problem mit ihren Kindern und Enkeln war einfach, dass sie alle unbedingt gl\u00fccklich sein wollten. Sie waren st\u00e4ndig auf der Suche nach dem Gl\u00fcck und m\u00fchten sich ab, um sich und ihre Lebenssituation zu verbessern und Schmerz zu vermeiden. Sie glaubten wirklich, dass alle Probleme dieser Welt durch Selbstkenntnis gel\u00f6st werden konnten.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Zwietracht, Antipathien, Fehleinsch\u00e4tzungen und fast alle erdenklichen zwischenmenschlichen Konflikte, so wie Alkoholprobleme und der Glaube und Zweifel an Gott durchziehen die Geschichten dreier Frauen irischer Herkunft, die zur Familie Kelleher geh\u00f6ren. Die \u00fcber 80-j\u00e4hrige Alice, niemand kennt ihr genaues Alter, ihr Mann Daniel ist seit zehn Jahren tot, ist Eigent\u00fcmerin eines traumhaften Grundst\u00fccks mit zwei H\u00e4usern am Strand von Cape Neddick. Jahr f\u00fcr Jahr durchstr\u00f6mten einst das Haus zahlreiche Familienmitglieder. Nachdem Alice&#8217;s \u00e4ltester, beruflich erfolgreicher Sohn Patrick und seine pflichtbewusste und durchorganisierte Frau Ann Marie den Sommer genauestens zeitlich f\u00fcr jedes Familienmitglied durchgetacktet haben, leidet die Geselligkeit. Dabei sollten doch alle f\u00fcr Alice da sein, die eher erbost als erfreut ist \u00fcber so viel Sorge. Sie sieht sich nicht als gebrechliche Alte.<\/p>\n<p>Einiges in dieser Familie liegt im Argen, ziemlich vergiftet ist die gesamte Familienatmosph\u00e4re seit Daniel, den alle geliebt haben, tot ist. Kathleen, die \u00e4lteste Tochter von Alice, verachtet ihre sich immer in Szene setzende, unberechenbare, zynische Mutter und ist weit fort nach Kalifornien gezogen. Maggie, ihre sehr brave, aber begabte Tochter, lebt in einer kleinen Wohnung in New York, trennt sich schmerzhaft von ihrem unzuverl\u00e4ssigen Freund und muss feststellen, dass sie schwanger ist. Die selbstgef\u00e4llige Ann Marie, die typisch amerikanische Hausfrau, benimmt sich Alice gegen\u00fcber eher devot als selbstgewusst, beginnt sich in ihrem biederen Dasein zu langweilen, widmet sich der Gestaltung von Puppenh\u00e4usern und sehnt sich nach einem Bekannten ihres Mannes. Nie war den Kindern von Alice klar, warum ihre Mutter sie nicht lieben konnte, im Alkohol versank bis ein Ungl\u00fcck sie vor die Wahl stellte, ob sie noch zur Familie geh\u00f6ren wollte oder nicht. Kathleen trat, was die Alkoholsucht betraf, fast schicksalhaft in die Fu\u00dfstapfen ihrer Mutter. Auch Ann Maries heile Welt und so sorgsam geh\u00fctete Familienfassade bekommt Risse, denn ihre Kinder sind nicht so erfolgreich und repr\u00e4sentabel wie Ann Marie es gerne h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Aus der Sicht all dieser vier Frauen bl\u00e4ttert J. Courtney Sullivan immer im Wechsel ihre Lebensgeschichten auf und erleichtert dem Leser die Identifizierung mit den Figuren, da die gleichen Erlebnisse von den Frauen ganz unterschiedlich dargestellt werden So erf\u00e4hrt der Leser, wie jede \u00fcber die Familie und ihre Konflikte denkt, wie die Vergangenheit jeder Figur mit ihren Br\u00fcchen verlaufen ist und \u00fcber welche Schw\u00e4chen und St\u00e4rken jede Frau verf\u00fcgt.<br \/>\nGleich zu Beginn wird klar, Alice, immer noch attraktiv, manipulativ, egoistisch und ungl\u00fccklich mit ihrem Leben, wird der katholischen Kirche das gesamte Anwesen, dass ihr von allen geliebter Mann einst durch eine Wette erhalten hat, vererben. Sie hat mit niemandem in der Familie gesprochen, denn sie ist der Meinung, dass sie allein das Entscheidungsrecht habe. Alice tr\u00e4gt seit 60 Jahren eine vermeintliche Schuld, die sie durch die Schenkung an die Kirche tilgen m\u00f6chte. Im Brand des ber\u00fchmten Bostoner Nachtclubs \u201eCocoanut Grove\u201c im Jahre 1942 ist Mary umgekommen, Alices Schwester, auf deren m\u00f6gliches Lebensgl\u00fcck Alice eifers\u00fcchtig war.<\/p>\n<p>Die Sommeridylle in Maine aufzugeben, die der Familie doch so viel bedeutet hat, versandet am Ende des Romanes. Letztendlich gab es nie den Zusammenhalt der Kellehers, die Idylle hat letztendlich jeder allein genossen und so kehrt am Ende jede Figur in ihr Leben zur\u00fcck und wird auf ihre Art gl\u00fccklich.<\/p>\n<p>Eins ist der amerikanischen Autorin, die eine Entdeckung ist, trotz diesem doch sehr schalen Ende gelungen, sie entwickelt \u00e4u\u00dferst \u00fcberzeugende Charaktere, die in ihrer Widerspr\u00fcchlichkeit und psychologischen Verfassung durchaus glaubhaft sind. Lebendige Dialoge und atmosph\u00e4rische Beschreibungen ziehen den Leser in diese Lebensgeschichten hinein und fesseln ihn bis zur letzten Seite.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>J. 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