{"id":1171,"date":"2019-06-22T15:54:29","date_gmt":"2019-06-22T13:54:29","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=1171"},"modified":"2019-06-22T15:54:29","modified_gmt":"2019-06-22T13:54:29","slug":"die-seltsamen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/die-seltsamen\/","title":{"rendered":"Die Seltsamen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Stefan Bachmann: Die Seltsamen, Aus dem Amerikanischen von Hannes Riffel, Diogenes Verlag, Z\u00fcrich 2013, 368 Seiten, \u20ac16,90, 978-3-257-06888-7<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eGentlemen aus Westminster verfolgten keine mechanischen V\u00f6gel durch die Stra\u00dfen der Stadt. Sie machten nicht Jagd auf M\u00f6rder oder halfen fremden Leuten. Mr. Jelliby hatte all das getan. F\u00fcr ihn gab es jetzt kein Zur\u00fcck mehr.\u201c<\/em><\/p>\n<p>London im Qualmzeitalters: Kutschen fahren durch die d\u00fcsteren Stra\u00dfen, Gaslaternen werden angez\u00fcndet, es herrscht eine K\u00f6nigin. Allerdings wandeln nicht nur Menschen auf den Stra\u00dfen von London oder Bath, denn nach dem<em> \u201eHeiteren Krieg\u201c<\/em> zwischen dem Verborgenen Volk, den S\u00eddhe, und den Menschen leben nun auch Gnome, Kobolde, Satyre, Feen und andere Gestalten auf der Erde. Sie und ihre Magie werden jedoch mit schlagenden Glocken oder Eisen in Bann gehalten.<\/p>\n<p>In den Feenslums von Bath leben die Kinder Bartholomew und Hettie zwar besch\u00fctzt von ihrer Mutter, aber unter unw\u00fcrdigen Bedingungen. Die beiden Mischlinge, der Vater ist ein Hochelf und die Mutter ein Mensch, auch genannt die Seltsamen, darf niemand sehen. Sie sind verhasst bei Menschen und den S\u00eddhe. H\u00e4\u00dflich sollen sie sein, mit ihrer hellen Haut und den Zweigen, die aus ihrem Kopf, speziell bei Hettie, sprie\u00dfen. Barthy jedoch beobachtet wie eine fein gekleidete junge Dame im pr\u00e4chtigen pflaumenblauen Kleid den Jungen vom Haus gegen\u00fcber mit sich nimmt.<\/p>\n<p>Inzwischen wird im Staatsrat bekanntgegeben, dass bereits neun Kinder, sogenannte Mischlinge, tot aus der Themse gezogen wurden. Ihre K\u00f6rper waren innen hohl und mit einer seltsamen Feinschrift beschrieben. Verwerfen die einen Parlamentarier diese Morde an den Teufelskindern als Nebensache, so regt sich der einzige S\u00eddhe in der Regierung, Mrs. Lickerish, ein Hochelf und Justizminister, \u00fcber die Gleichg\u00fcltigkeit der Politiker auf. Arthur Jelliby, ebenfalls Parlamentsabgeordneter, konnte sich geradeso aus dem Bett qu\u00e4len, um der wichtigen Sitzung beizuwohnen. Am liebsten w\u00fcrde er vor den Horrorbildern Augen und Ohren verschlie\u00dfen und weiterhin dem M\u00fc\u00dfiggang fr\u00f6hnen.<\/p>\n<p>Als Jelliby bei Lickerish zu Hause mit anderen Politikern eingeladen wird, verd\u00e4chtigt man ihn pl\u00f6tzlich als Spion, dabei wollte er in dem riesigen Haus nur die Toilette finden. Jelliby versucht sich nun unsichtbar zu machen, denn nichts nervt ihn so sehr wie falsche Nachrede. Durch Zufall h\u00f6rt er dann auch noch im Parlamentsgeb\u00e4ude ein Gespr\u00e4ch zwischen der geheimnisvollen Dame im sch\u00f6nen Kleid und dem Justizminister, aus dem hervorgeht, dass niemand anderes als der hinterh\u00e4ltige Lickerish die Morde in Auftrag gegeben hatte. Die junge Dame, Melusine, sieht Mr. Jelliby und bittet ihn versteckt, ihr zu helfen.<\/p>\n<p>Jetzt kann der labile Jelliby, immerhin Gentleman, nicht mehr tatenlos zusehen, er muss herausfinden, was vor sich geht. Als er beobachtet, wie der Justizminister einen mechanischen Vogel auf die Reise schickt, verfolgt er dessen Spuren und gelangt nach einigen Umwegen zu Bartholomew in Bath. Inzwischen jedoch ist Hettie mit der r\u00e4tselhaften Dame, in der offenbar ein D\u00e4mon steckt, verschwunden. Barthy gibt sich an dieser Entf\u00fchrung selbst die Schuld, denn offenbar hat sich ein Geist ins Haus eingeschlichen, der Hettie aufgesucht hat. Barthy denkt, er habe diesen Hausgeist beschworen, um der Mutter zu helfen. Doch hinter der heimlichen Aktion versteckt sich die Sehnsucht des einsamen Kindes nach einem Freund.<\/p>\n<p>Auf der Suche nach Hettie verb\u00fcnden sich Barthy und Mr. Jelliby, dem inzwischen der scheinheilige Justizminister nach dem Leben trachtet.<br \/>\nEine alte, ziemlich verschlagene Gr\u00fcnhexe verr\u00e4t den Komplott, den der Justizminister schmiedet. Ein neues Portal f\u00fcr das Verborgene Volk soll ge\u00f6ffnet werden, um die Feenwesen zu befreien.<\/p>\n<p>Ein Sechzehnj\u00e4hriger, der in der Schweiz lebt, schreibt seinen ersten Fantasy-Mehrteiler und mixt alle bekannten Ingredenzien aus klassischen Fantasyromanen mit etwas Steampunk. Dabei steht f\u00fcr die Entwicklung des Plots wie so oft das verlockende, dunkle London des 19. Jahrhunderts Pate, sowie die Autoren J.K.Rowling, Jonathan Stroud oder C.S. Lewis. Doch keine Frage, Stefan Bachmann kann schreiben und versteht es, seinen Figuren Lebendigkeit und Charakter zu verleihen. Ab und zu verliert sich der junge Autor im ersten Band in viel zu viele Details und langatmige Beschreibungen anstelle einer strafferen Handlung. Aber immerhin muss ja ein Setting aufgebaut werden, um die Spannung anzuheizen und aufregende Ansatzpunkte f\u00fcr die Fortsetzung zu liefern. Fantasievolle, ambivalente Wesen bev\u00f6lkern die unterhaltsame, geschickt aufgebaute Geschichte zwischen Magie und Lebensalltag. Eine etwas skurrile Hauptfigur, die eher durch Zufall als Absicht in das Abenteuer hineinstolpert, verleiht der Handlung etwas schr\u00e4gen Humor.<\/p>\n<p>Auf den zweiten Band, der im Herbst erscheinen soll, darf man jedenfalls gespannt sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stefan Bachmann: Die Seltsamen, Aus dem Amerikanischen von Hannes Riffel, Diogenes Verlag, Z\u00fcrich 2013, 368 Seiten, \u20ac16,90, 978-3-257-06888-7 \u201eGentlemen aus Westminster verfolgten keine mechanischen V\u00f6gel durch die Stra\u00dfen der Stadt. 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