{"id":1118,"date":"2019-06-22T16:07:14","date_gmt":"2019-06-22T14:07:14","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=1118"},"modified":"2019-06-22T16:07:14","modified_gmt":"2019-06-22T14:07:14","slug":"astrids-plan-vom-grossen-glueck","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/astrids-plan-vom-grossen-glueck\/","title":{"rendered":"Astrids Plan vom gro\u00dfen Gl\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p>Levi Henriksen: Astrids Plan vom gro\u00dfen Gl\u00fcck, Aus dem Norwegischen von Angelika Kutsch, Deutscher Taschenbuch Verlag, M\u00fcnchen 2014, 253 Seiten, \u20ac12,95, 978-3-423-76090-4<\/p>\n<p><em>\u201eIch haue ab zur Teufelsinsel und werde Einsiedler. Versucht nicht, mich zu finden. Ich will euch nie wiedersehen, schreibe ich. Dann schalte ich das Handy aus.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Es ist eine alte Geschichte: Kinder w\u00fcnschen sich immer, dass ihre getrennten Eltern doch wieder zusammenkommen und alles wieder so friedlich und harmonisch wird wie fr\u00fcher. Ein Wunschtraum, denn, er erf\u00fcllt sich fast nie.<br \/>\nAstrid ist da optimistischer und klaut erstmal w\u00e4hrend der Theatervorstellung einen Bolzenschneider beim Hausmeister. Sie hat es satt, wie ein P\u00e4ckchen alle zwei Wochen zwischen Mama und Papa hin- und hergeschickt zu werden. Ihre Mutter stammt aus Norwegen, wo die Familie auch lebt. Der Vater jedoch kam als Kind mit seinen Eltern aus der Tschechoslowakei und auch die, das wei\u00df ja jeder, ist jetzt getrennt, in Tschechien und die Slowakei. Ein schlechtes Zeichen. Doch was hat die politische Geschichte Europas schon mit Astrids Problemen zu tun? Die Ich-Erz\u00e4hlerin kann nicht mehr l\u00e4nger zusehen, sie heckt ihren Plan vom ganz pers\u00f6nlichen Gl\u00fcck aus.<\/p>\n<p><em>\u201eAls ich zehn Jahre alt wurde, habe ich beschlossen, nicht mehr zu wachsen. In den K\u00f6pfen der Menschen ist so wenig Platz, wenn sie gro\u00df sind. Zuerst hatte Papa keinen Platz mehr f\u00fcr Mama. Dann hatte Mama keinen Platz mehr f\u00fcr Papa, w\u00e4hrend ich pl\u00f6tzlich f\u00fcr beide Platz haben musste, f\u00fcr Mama und Papa, und auch noch f\u00fcr ihre neuen Liebsten.\u201c <\/em><br \/>\nAstrid \u00fcbt jeden Tag Kopfstand, denn sie hofft, dadurch wird sie kaum wachsen. Sie merkt sich die unm\u00f6glichsten Sachen und redet wie ein Wasserfall. Keine Frage, Astrid ist etwas Besonderes, aber man sollte es ihr bitte nicht sagen.<\/p>\n<p>Die Sommerferien stehen vor der T\u00fcr und Astrid muss mit den Eltern und ihren besten neuen H\u00e4lften nach Kreta und Nordnorwegen reisen. Aber das M\u00e4dchen, das eigentlich ein Junge sein m\u00f6chte, hat nicht die geringste Lust auf fr\u00f6hliche Familie zu machen. Und nun verkaufen die Eltern auch noch die Ferienh\u00fctte in Schweden. Das m\u00fcssen sie allerdings zusammen erledigen und hier ergibt sich f\u00fcr Astrid die Gelegenheit, nocheinmal mit Mama und Papa ganz allein Zeit zu verbringen. In der N\u00e4he der H\u00fctte befindet sich die Teufelsinsel, auf der alle drei in guten Zeiten gezeltet haben. Hierhin wird Astrid ihre Eltern nach einem ausgekl\u00fcgelten Plan locken. Zuerst aber muss sie die neuen Liebsten von Mama und Papa kaltstellen. Das Handy von Papas Freundin zu sperren, ist nicht allzu schwer, doch Mamas Freund von seinem Handy zu trennen, ist \u00e4u\u00dferst kompliziert. Superkleber, der ihn unweigerlich an ein Handtuch fesselt und ins Krankenhaus bef\u00f6rdert und ein kurzer einsamer Moment mit seinem Handy, in dem die SIM-Karte in die Toilette plumst, kann da schon hilfreich sein.<br \/>\nKurzum, Astrid sendet eine Mail an die Eltern und k\u00fcndigt ihre Flucht auf die Insel an. Sie k\u00f6nnen sich nicht mehr mit ihren Liebsten kurzschlie\u00dfen und m\u00fcssen ihrer Tochter folgen. Die Bahnfahrt klappt und die Aktion mit dem Bolzenschneider, um ein Boot mal kurz auszuleihen, auch. Aber dann wird es wirklich schwierig. Astrids erleichterte und zugleich \u00e4rgerliche Eltern finden das entflohene Kind, aber nicht mehr ihre Boote. Astrid hat nat\u00fcrlich das Boot ihrer Eltern vom Ufer losgemacht. Als dann ihr Vater, die Mutter kann nicht schwimmen, das Boot zur\u00fcckholen will, verletzt er sich schwer am Fu\u00df.<br \/>\nPech, aber auch. Aber dann findet Astrid ihr eigenes ausgeborgtes Boot nicht mehr.<\/p>\n<p>Und es kommt noch schlimmer. Die drei erkennen, dass in der H\u00f6hle, in die sie den Vater und sein kaputtes Bein geschleppt haben, bewohnt scheint. Einst gab es ja diese Geschichte von dem Einsiedler auf der Insel oder war das nur ausgedacht?<\/p>\n<p>Astrid und ihre Mutter entdecken endlich ein Boot und hoffen auf Hilfe, aber die Insassen sind \u00e4u\u00dferst gef\u00e4hrliche Entf\u00fchrer und Kriminelle, die dann auch noch Astrids Papa finden. Aber irgendwie schmiedet all der Kummer und die Sorgen umeinander Astrids kleine Familie wieder zusammen. Allerdings m\u00fcsste es nicht immer so aufregend sein, aber dazu ist ja Literatur da, um die Dinge etwas zuzuspitzen.<\/p>\n<p>Nie wieder wird Astrid Pl\u00e4ne schmieden, um endlich wieder gl\u00fccklich zu sein. Immerhin wird auf sie und ihre Mutter geschossen und und und&#8230;.<\/p>\n<p>Das ist das erste Kinderbuch des norwegischen Autors Levi Henriksen und somit endet die turbulente fast filmisch aufgebaute Geschichte mit ihren dramatischen Szenen um Astrid und ihre Eltern, die irgendwie zum Ende hin an <em>\u201eDie Schatzinsel\u201c<\/em> erinnert, ziemlich gut, auch dank Astrids forscher Rettungsaktion.<\/p>\n<p>Komisch, aber auch gut beobachtet ist der Blick des leicht altklugen M\u00e4dchens auf die Verhaltensweisen der Erwachsenen und ihre kleinen Schw\u00e4chen. Ihre innere Zerrissenheit will Astrid nicht mehr hinnehmen, nicht mehr der Spielball der Eltern sein und ihren Seelenfrieden finden. Das klingt etwas pathetisch, aber letztendlich geht es vielen Kindern, die zwischen den Eltern stehen, so. Tr\u00f6stlich und fast glaubw\u00fcrdig lesen sich Astrids Abenteuer mit Happy End.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Levi Henriksen: Astrids Plan vom gro\u00dfen Gl\u00fcck, Aus dem Norwegischen von Angelika Kutsch, Deutscher Taschenbuch Verlag, M\u00fcnchen 2014, 253 Seiten, \u20ac12,95, 978-3-423-76090-4 \u201eIch haue ab zur Teufelsinsel und werde Einsiedler. Versucht nicht, mich zu finden. 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