{"id":1090,"date":"2019-06-22T16:11:30","date_gmt":"2019-06-22T14:11:30","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=1090"},"modified":"2019-06-22T16:11:30","modified_gmt":"2019-06-22T14:11:30","slug":"wie-wir-das-universum-reparierten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wie-wir-das-universum-reparierten\/","title":{"rendered":"Wie wir das Universum reparierten"},"content":{"rendered":"<p><strong>Polly Horvath: Wie wir das Universum reparierten, Aus dem Englischen von Katrin Behringer, bloomoon, Verlag ArsEdition, M\u00fcnchen 2014, 301 Seiten, \u20ac14,99, 978-3-8458-0199-5<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eDas hat man davon, wenn man mit anderen zusammenlebt. Letzten Endes l\u00e4uft alles darauf hinaus, dass man seltsame und v\u00f6llig unsinnige Dinge tut, wie zum Beispiel jemanden anzuflehen, er solle etwas tun, das offensichtlich wieder er noch man selbst m\u00f6chte, und alles nur, um die Person von der Zuneigung zu \u00fcberzeugen, die man gar nicht f\u00fcr sie empfindet und die sie sowieso nicht will, und das wiederum tut man nur, um keinen Schaden anzurichten oder um den Schaden, den man unwissentlich angerichtet hat, wiedergutzumachen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Onkel Martens Gedankeng\u00e4nge sind ab und zu etwas kompliziert und schwer nachzuvollziehen. Aber man sollte es ihm nachsehen, denn er ist es nicht gewohnt auf andere Menschen zuzugehen. Dabei ist der reiche Eigenbr\u00f6dler mit vielen Br\u00fcdern aufgewachsen und kennt auf jeden Fall ein turbulentes Familienleben. Doch nun sind zwei seiner Br\u00fcder, sie waren nicht wie Marten Privatwissenschaftler, sondern Piloten, in Simbabwe mit ihren Frauen bei einem Zugungl\u00fcck ums Leben gekommen. Die einzig \u00dcberlebende ist die sechzehnj\u00e4hrige Jocelyn. Ihre ein Jahr j\u00fcngere Cousine Meline musste zu Hause bleiben. \u00dcber Nacht muss sich nun der kinderlose Onkel Marten um seine Nichten k\u00fcmmern. Allerdings wohnt er auf einer einsamen Insel vor British Columbia in einem riesigen Haus. Die Pflegschaft stellt den Onkel, der nichts so sehr liebt wie die Stille, vor ungel\u00f6ste Probleme. Wie k\u00fcmmert man sich um zwei Waise, die man kaum kennt?<\/p>\n<p>Beide M\u00e4dchen m\u00f6gen einander nicht und jede versucht auf ihre Art, Jocelyn mit offener Trauer, Meline mit Ruppigkeit und Pragmatismus, mit dem Verlust der Eltern klarzukommen.<\/p>\n<p>Aus den Perspektiven der verschiedenen Figuren, Meline, Jocelyn, Onkel Marten und der uralten j\u00fcdischen Haush\u00e4lterin Mrs. Mendelbaum erz\u00e4hlt Polly Horvath ihre skurrile Geschichte. Die kanadische Autorin hat ja bereits in ihren bereits erschienenen Romanen eine gro\u00dfe Vorliebe f\u00fcr schr\u00e4ge Hauptfiguren. Auch in diesem Buch prallen unterschiedlichste Charaktere aufeinander. Marten stellt zwar sein Haus mit all seinen B\u00fcchersch\u00e4tzen zur Verf\u00fcgung, aber wirklich Anteil am Schicksal der Menschen um ihn herum, will oder kann er nicht nehmen. Komisch auch die Vorstellung, dass der wohlhabende Onkel sich so allerlei Dinge aus dem Internet bestellt, die der Hubschrauberpilot Sam irgendwo \u00fcber der Insel abwirft. Meistens landen die Dinge zerschlagen im Wasser oder in den B\u00e4umen.<\/p>\n<p>Mrs.Mendelbaums gesamte Familie ist verstorben. Auch sie tr\u00e4gt Trauer, allerdings unter einer harten Schale. Klar ist, sie kann die Arbeit in dem riesigen Haus nicht allein schaffen, ein Butler, der sich Sorgen um die M\u00e4dchen macht, muss her. Der umsichtige und einf\u00fchlsame Humdinger wird eingestellt, ein langgewachsener Mann, der wie ein Geist durchs Haus schwebt, Pfefferminzbonbons verteilt und immer zur rechten Zeit am rechten Ort ist.<\/p>\n<p>Als Onkel Marten ein wundervolles Weihnachtsfest ausrichten will, geht alles schief, kein Happy End. Allein die richtigen Requisiten reichen nicht aus, um die Stimmung zwischen den Menschen zu verbessern. Au\u00dferdem verbirgt die Insel ein Geheimnis, hinter das die M\u00e4dchen nach und nach gelangen. Meline hat n\u00e4mlich beschlossen, dass sie und Jocelyn endlich eine Aufgabe ben\u00f6tigen. Da auf der Insel Experimente mit Piloten und ihren Flugzeugen, die leider auch t\u00f6dlich endeten, get\u00e4tigt wurden, liegen \u00fcberall Flugzeugteile herum. Warum sollte man sich nicht, meint Meline, ein Flugzeug zusammenbauen?<\/p>\n<p>Es ist eine seltsame Schicksalsgemeinschaft, die sich da auf der pausenlos verregneten Insel trifft. Jede Person schottet sich wie ein Eiland gegen die andere ab. Das geschieht aus vielerlei Gr\u00fcnden, die einen k\u00f6nnen einfach, auch aus Kummer, keine Empathie mehr empfinden, die anderen wollen keine Beziehungen mehr eingehen aus Angst vor neuen Entt\u00e4uschungen.<\/p>\n<p>Letztendlich kl\u00e4rt sich vieles auf und auch Humdingers wahre Identit\u00e4t wird offengelegt. Ob das Universum sich f\u00fcr alle wieder in die richtige Position begeben wird, bleibt offen.<\/p>\n<p>Trauer und Komik liegen in dieser vielschichtig zu lesenden Geschichte eng beieinander und das macht sie so sympathisch trotz aller Verschrobenheit der Erwachsenen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Polly Horvath: Wie wir das Universum reparierten, Aus dem Englischen von Katrin Behringer, bloomoon, Verlag ArsEdition, M\u00fcnchen 2014, 301 Seiten, \u20ac14,99, 978-3-8458-0199-5 \u201eDas hat man davon, wenn man mit anderen zusammenlebt. 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