{"id":1071,"date":"2019-06-22T16:18:49","date_gmt":"2019-06-22T14:18:49","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=1071"},"modified":"2019-06-22T16:18:49","modified_gmt":"2019-06-22T14:18:49","slug":"das-licht-zwischen-den-meeren","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/das-licht-zwischen-den-meeren\/","title":{"rendered":"Das Licht zwischen den Meeren"},"content":{"rendered":"<p><strong>M. L. Stedman: Das Licht zwischen den Meeren, Aus dem Englischen von Karin Dufner, Limes Verlag, M\u00fcnchen 2013, 448 Seiten \u20ac19,99, 978-3-8090-2619-8<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eEr bedauerte, was er getan hat, und versp\u00fcrte gleichzeitig eine tiefe Erleichterung, zwei Gef\u00fchle, die er nicht miteinander in Einklang bringen kann.\u201c<\/em><\/p>\n<p>1920: Einsam und v\u00f6llig abgeschieden leben Isabel und Tom Sherbourne auf der Insel Janus Rock im S\u00fcdpolarmeer. Er ist der wortkarge Leuchtturmw\u00e4rter, den sie f\u00fcr sich erobert hat. Nach dem Krieg ist die Auswahl unter den jungen M\u00e4nnern nicht gro\u00df und Tom ist ein guter, verl\u00e4sslicher Mann. Tom ringt mit sich, weil er so k\u00f6rperlich unbeschadet aus den K\u00e4mpfen zur\u00fcckgekehrt ist. Ohne die Hilfe der Familie, zum verhassten Vater und Bruder hat er keinen Kontakt mehr, arbeitet Tom an seiner beruflichen Laufbahn. Isabel und Tom richten sich ihr Leben in der Abgeschiedenheit ein und alles w\u00e4re auch gut, wenn Isabel endlich ihr Baby austragen k\u00f6nnte. Sie durchleidet mehrere Fehlgeburten und ist kurz vorm Verzweifeln, da strandet nach sechs Jahren ein Boot mit einem toten Mann und einem schreienden Baby an der Insel. Isabel, die gerade wieder eine Totgeburt zu beklagen hat, nimmt sich des M\u00e4dchens an, kann sie sogar stillen und nennt sie Lucy.<\/p>\n<p>Da im Boot eine Strickjacke von einer Frau liegt, nehmen Tom und Isabel an, dass die Mutter \u00fcber Bord gegangen ist. Gegen alle beh\u00f6rdlichen Vorschriften und sein Gewissen beerdigt Tom den Fremden und Isabel behauptet, zeitlich w\u00e4re es durchaus m\u00f6glich, dass Lucy ihr eigenes Kind ist.<br \/>\nDie neue Mutter schiebt jegliche Zweifel an ihrem Handeln rigoros beiseite, auch als sie wei\u00df, dass Lucys leibliche Mutter lebt und leidet.<\/p>\n<p>Lucy ist ein Segen f\u00fcr alle. Isabel gewinnt wieder ihre alte Lebenskraft und ihren Humor, die Gro\u00dfeltern sind gl\u00fccklich. Auch wenn Tom von der Liebe zu dem Kind \u00fcberw\u00e4ltigt wird, plagen ihn schwere innerliche Vorw\u00fcrfe. Wie konnte er mit seiner Verantwortung f\u00fcr die Belange der Insel so fahrl\u00e4ssig umgehen? Warum haben sie das Kind nicht gemeldet, um sich dann um die Adoption zu bem\u00fchen? Tom wei\u00df, dass er Isabel mit dem Kind das gr\u00f6\u00dfte Gl\u00fcck geschenkt hat, aber er ahnt auch, dass es auf keinen Fall der richtige Entschluss war.<\/p>\n<p>Lucys leibliche Mutter, Hannah Roennfeldt, wohnt im nahen Ort. Sie hatte einen \u00d6sterreicher, der zu Kriegszeiten im Internierungslager war, geheiratet. Der Hass der Bev\u00f6lkerung schl\u00e4gt diesem Mann entgegen und auch Hannahs Familie konnte sich mit der Verbindung nie abfinden. Vom Mob der Stra\u00dfe gejagt floh Hannahs Mann mit dem Baby, eingewickelt in die Jacke der Mutter, ins Boot und strandete an Janus Rock. Die Ungewissheit \u00fcber das Schicksal von Mann und Kind haben Hannah vorzeitig altern lassen. Als Tom diese Geschichte bei einem Urlaub h\u00f6rt, mehren sich die Gewissensbisse. Er schreibt Hannah anonym, dass ihr Kind lebt.<\/p>\n<p>Als Lucy vier Jahre ist kommt es sogar zu einer Begegnung zwischen dem Kind und Hannah, die ihr M\u00e4dchen nicht erkennt. Die extrem hohe Belohnung, die der wohlhabende Vater von Hannah aussetzt hat, f\u00fchrt letztendlich dazu, dass durch ein Foto der Rassel des Kindes, Tom hatte sie der Mutter zugesandt, einer der Bekannten von Tom ihn denunziert.<\/p>\n<p>Die Polizei von Albany geht der Sache nach und Lucy kehrt nun zu ihrer leiblichen Mutter zur\u00fcck. Isabel kann den Verlust der Tochter nicht verkraften. Sie verwehrt jegliche Aussage und akzeptiert, dass Tom alle Schuld auf sich nimmt. Sergeant Spragg, der den Fall seines Lebens wittert, versucht Tom als M\u00f6rder zu \u00fcberf\u00fchren und ihm zu unterstellen, dass er Hannahs Mann get\u00f6tet hat. Hannahs Hoffnungen, dass ihr Baby wieder bei ihr sein w\u00fcrde, erf\u00fcllen sich nicht. Lucy wehrt sich vehement gegen die <em>\u201eHexe\u201c<\/em>, die pl\u00f6tzlich ihre Mutter sein soll.<\/p>\n<p>Emotional aufw\u00fchlend und psychologisch nachf\u00fchlbar erz\u00e4hlt die australische Autorin M. L. Stedman in ihrem Deb\u00fctroman von zwei Menschen, die aufgrund der beruflichen Situation Toms eng aufeinander angewiesen sind. Isabels innigster Wunsch nach vielen Kindern geht nicht in Erf\u00fcllung. Im Hintergrund dieser Geschichte spielt aber auch der Krieg eine wichtige Rolle, der ganze Familien auseinandergerissen hat. So starben fast zeitgleich Isabels Br\u00fcder in der Ferne. Die Hoffnung auf Enkelkinder kann Isabel nicht erf\u00fcllen und zerbricht beinahe daran. Lucys Gegenwart lindert das Vergangene in gewisser Weise. Keine h\u00f6here Instanz kann die gemeinsame Entscheidung von Tom und Isabel rechtfertigen, verstehen kann man sie allemal. Mit der Anwesenheit Lucys und Toms inneren Qualen leidet aber auch die Beziehung des Paares. Beide k\u00f6nnen erst wieder zueinanderfinden als Isabel klar wird, in welch tiefe Schwierigkeiten sie ihren Mann mit ihrem egoistischen Verhalten man\u00f6vriert hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M. L. 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