{"id":1064,"date":"2019-06-22T16:17:18","date_gmt":"2019-06-22T14:17:18","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=1064"},"modified":"2019-06-22T16:17:18","modified_gmt":"2019-06-22T14:17:18","slug":"arthur-oder-wie-ich-lernte-den-t-bird-zu-fahren","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/arthur-oder-wie-ich-lernte-den-t-bird-zu-fahren\/","title":{"rendered":"Arthur oder Wie ich lernte, den T-Bird zu fahren"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sarah N. Harvey:<strong>Sarah N. Harvey: Arthur oder Wie ich lernte, den T-Bird zu fahren, Aus dem Englischen von Uli und Herbert G\u00fcnther, Deutscher Taschenbuch Verlag, M\u00fcnchen 2013, 240 Seiten, \u20ac12,95, 978-3-423-65001-4<\/strong><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>\u201eUngef\u00e4hr vor einem Monat, als ich ihn zusammen mit Mom besucht habe, war das Erste, was er zu mir sagte: ,Du siehst schei\u00dfe aus.\\&#8217;\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>Der 16-j\u00e4hrige Royce kann nicht fassen, dass seine Mutter Nina f\u00fcr ihren 95-j\u00e4hrigen, exaltierten, bissigen Vater, der sich angeblich nie sonderlich f\u00fcr sie interessiert hat, extra von Lunenburg, Neuschottland nach Victoria, British Columbia zieht. Ihre Schwester Marta hat eher das Gegenteil getan und ist von Kanada weit weg nach Australien geflohen. In fleckiger Kleidung und Pantoffeln mit ausgeschnittener Zehen\u00f6ffnung jedenfalls erwartet Arthur Jenkins, der auch nicht Gro\u00dfvater genannt werden m\u00f6chte, aufopfernde Zuwendung und Hilfe. Allerdings kommentiert er diese mit lauthalsem Gemecker und unfl\u00e4tigen, pers\u00f6nlichen Bemerkungen.<\/p>\n<p>Als Nina neben ihrer eigenen Arbeit die Betreuung ihres wohlhabenden Vaters nicht mehr schafft, besorgt sie ihm geschultes Personal. Arthur, ein langer, knorriger Mann, vergrault die beiden Frauen und nun bleibt als Betreuungsperson nur noch Royce \u00fcbrig. Obwohl er den grummeligen Greis nicht ausstehen kann, nimmt Royce die <em>\u201eKnechtschaft\u201c<\/em> auf sich, denn die Bezahlung stimmt.  Royce m\u00f6chte sich unbedingt ein Auto kaufen und wieder nach Lunenburg zur\u00fcckkehren. Doch mit der Zeit brechen trotz Facebook alle Kontakte von fr\u00fcher ab. Au\u00dferdem kann Royce nicht mitansehen, wie die Mutter unter ihren unbegr\u00fcndeten Schuldgef\u00fchlen leidet, wenn sie sich nicht pers\u00f6nlich um den Vater k\u00fcmmert. Er schafft es immer wieder, die Tochter zu manipulieren und seinen Willen durchzusetzen.<\/p>\n<p>Arthur schl\u00e4ft viel, sieht in seinem abgedunkelten Zimmer eine Soap nach der anderen und h\u00f6rt Rap und Hip-Hop. Dabei war er in seinen besten Zeiten ein ber\u00fchmter und gefeierter Cellist, der mit Leuten wie Yehudi Menuhin oder Pablo Casals musizierte und Ber\u00fchmtheiten, wie Pablo Picasso kannte. Ninas Mutter hat die Familie verlassen, da war die Tochter drei Jahre alt. Der Vater begab sich viel auf Reisen und Nina wurde fr\u00fch ins Internat gesteckt.<\/p>\n<p>Ohne Respekt nennt der Alte seinen Enkel <em>\u201eJunge\u201c<\/em> und versucht ihn, bedingt vielleicht auch durch die Demenz, zu dem\u00fctigen, wo er nur kann. Royce entwickelt ein dickes Fell, wenn es um Arthur geht und l\u00e4sst sich nicht aus der Ruhe bringen.<\/p>\n<p>Und dann schwenkt der Alte um und zeigt Royce seinen Schatz, den tadellosen Thunderbird, Baujahr 1956. Royce ist v\u00f6llig fasziniert von dem Oldtimer. Ohne Wissen der Mutter fahren Opa und Enkel nun durch die Gegend oder zum Haareschneiden. Zwischen den beiden entwickelt sich langsam ein Waffenstillstand und ein salopper Ton, denn Royce entdeckt, dass Arthur durchaus charmant und freundlich sein kann, wenn er will. Durch die Erz\u00e4hlungen des Gro\u00dfvaters erf\u00e4hrt Royce vieles \u00fcber ihn und die Familiengeschichte, von der sogar die Mutter nichts wusste. Keine Frage, Arthur interessiert sich durchaus f\u00fcr seinen Enkel. Und er berichtet Royce wehm\u00fctig, dass er in seinem ganzen Leben nichts anderes hatte als die Musik. Als die Karriere zu Ende ging, fiel er offensichtlich in ein tiefes Loch.<\/p>\n<p>Doch dann folgt ein Schlaganfall dem n\u00e4chsten und Arthur wird immer hinf\u00e4lliger. Royce f\u00fchlt sich f\u00fcr Arthur verantwortlich und kann doch den Lauf des Schicksals nicht aufhalten. Als Arthur ihn schriftlich bittet, seinem Leben ein Ende zu setzen, ger\u00e4t der Junge in eine schwere Krise. Er bringt es nicht \u00fcber sich mit der Mutter zu sprechen, bis Arthurs zweite, geschiedene Frau im Krankenhaus erscheint und vieles verantwortungsbewusst lenkt. Aber Royce \u00fcbernimmt auch ohne gro\u00dfe Erkl\u00e4rungen fast instinktiv dem Opa die Panik vor seinem gro\u00dfen Abend, an dem er geehrt werden soll und er stellt dem tot kranken Arthur einen CD-Player ans Bett, um ihm seine Musik vorzuspielen.<\/p>\n<p>Die Familie muss nun \u00fcber Leben und Tod entscheiden, denn es gibt keine  Patientenverf\u00fcgung und Arthur lebt nur noch durch Maschinen.<\/p>\n<p>Sarah N. Harvey hat ein durchaus bewegendes Buch \u00fcber zwei sehr unterschiedliche Menschen geschrieben, die sich in den wenigen Monaten, die sie sich kennenlernen durften, viel gewonnen haben. Die kanadische Autorin w\u00e4hlt als Erz\u00e4hlperspektive die Sicht von Royce und trifft genau den Ton, der jugendlichen Lesern vertraut ist. Komische Momente, die Arthur und Royce erleben, wechseln im Laufe der Geschichte eher zu tragischen Augenblicken und auch hier sp\u00fcrt der Leser wie wichtig die beiden f\u00fcreinander geworden sind. Auf vieles, was Royce mit Arthur erlebt, muss er sich einen eigenen Reim machen und er erkennt, wie verfahren Familienbeziehungen und verdr\u00e4ngte Erinnerungen sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><\/strong><strong><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sarah N. Harvey:Sarah N. 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