{"id":1045,"date":"2019-06-22T16:20:56","date_gmt":"2019-06-22T14:20:56","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=1045"},"modified":"2019-06-22T16:20:56","modified_gmt":"2019-06-22T14:20:56","slug":"lockwood-co-die-seufzende-wendeltreppe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/lockwood-co-die-seufzende-wendeltreppe\/","title":{"rendered":"Lockwood &#038; Co. &#8211; Die Seufzende Wendeltreppe"},"content":{"rendered":"<p><strong>Jonathan Stroud: Lockwood &amp; Co. &#8211; Die Seufzende Wendeltreppe, Aus dem Englischen von Katharina Orga\u00df und Gerald Jung, cbj, M\u00fcnchen 2013, 413 Seiten, \u20ac18,99, 978-3-570-15617-9<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eManche Leute behaupten, das Problem habe es schon immer gegeben. Geister seien nichts Neues, meinen sie, und sie h\u00e4tten sich zu allen Zeiten gleich aufgef\u00fchrt.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Es ist schon nervig, entstellte Tote wachen gegen Mitternacht auf und bel\u00e4stigen die Bewohner der Britischen Insel und das nun schon seit Jahrzehnten. Einige sind einfach nur kleine Plagegeister, andere jedoch k\u00f6nnen extrem aggressiv und gef\u00e4hrlich werden. Das ist nicht nur schlecht f\u00fcr die Wirtschaft, sondern auch f\u00fcr die allgemeine, moralische Stimmung in der Bev\u00f6lkerung. Nur die Industrie, die sich mit der Bek\u00e4mpfung der Geister befasst, erlebt einen ungeahnten Aufschwung, denn jeder will nun unbedingt sein Haus oder seine Wohnung mit Schutzamuletten, Eisenriegel, Edelmetallen, Salzen und anderen Sicherheitsvorkehrungen ausstatten.<\/p>\n<p>Agenturen schie\u00dfen wie Pilze aus dem Boden, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, als Geisterj\u00e4ger H\u00e4user und Wohnst\u00e4tten von den eher harmlosen Geistern Typ Eins oder den gef\u00e4hrlichen Poltergeistern Typ Zwei oder den extrem seltenen Wandlern zu befreien. Interessant ist jedoch, dass die aktiven Mitarbeiter der Agenturen eher Kinder oder Jugendliche sind, denn Erwachsene verlieren im Laufe der Jahre ihr Gesp\u00fcr f\u00fcr die Aura eines Geistes. So arbeiten die Agenturen mit Kindern und erwachsenen Beratern. Aber nicht alle.<\/p>\n<p>Lucy Joan Carlyle hat ihr Handwerk von der Pike auf gelernt. Als j\u00fcngste Tochter einer kinderreichen Familie ging Lucy mit acht Jahren von der Schule ab und zu Mr Jacobs. Ihre Gabe, das Jammern, Klopfen, Fl\u00fcstern oder gar Schreien der Geister zu h\u00f6ren, hat ihr bereits in jungen Jahren geholfen. Geisterj\u00e4ger sind mit Degen und Eisenketten bewaffnet. Sie leben gef\u00e4hrlich und oftmals ereilt sie durch eine Unachtsamkeit oder Unwissenheit der fr\u00fche Tod durch die Geistersieche, die Umarmung eines Untoten. Die Ber\u00fchrung mit den \u00fcberirdischen Wesen f\u00fchrt unweigerlich zu schweren Verletzungen. Dabei geht es bei der Geistersuche hoch her. Eisensp\u00e4ne werden zu Schutzkreisen ausgelegt, es knallt und pufft, wenn die Griechischen Feuer losgehen und im ungl\u00fccklichen Fall alles abfackeln. Wabernde Schatten verwandeln sich binnen kurzem in t\u00f6dliche Plasmanebel, Geister umgeben sich mit einem Eishauch, sie hinterlassen einen Todesschein oder h\u00f6chst ungute Gef\u00fchle. Komisch ist, dass die Geister, die aus welchen Gr\u00fcnden auch immer Jahrzehnte oder Jahrhunderte sp\u00e4ter in den H\u00e4usern, B\u00e4umen, St\u00e4llen oder Wohnungen auftauchen, freundlich als Besucher bezeichnet werden. Wenn Geb\u00e4ude von Geistern heimgesucht werden, m\u00fcssen sie ausgetrieben werden und hier kommen die Agenturen ins Spiel.<\/p>\n<p>Lucy, sie ist auch die Erz\u00e4hlerin dieser unheilvollen Geschichte, geriet mit Mr Jacobs, dessen Nervenkost\u00fcm im Laufe der Jahre gelitten hat, w\u00e4hrend ihrer Arbeit in eine brenzlige Situation. Sie streicht die Segel und versucht ihr Gl\u00fcck in London, bei Lockwood &amp; Co. Anthony Lockwood und sein Mitarbeiter, der \u00e4u\u00dferlich schlamperte, aber eigentlich sehr genaue Rechercheur George Cubbins arbeiten in ihrer kleinen Firma als Jugendliche ohne erwachsenen Berater.<\/p>\n<p>Lucy kann die beiden Jungen mit ihren F\u00e4higkeiten \u00fcberzeugen und los geht die Arbeit der drei, die zu Beginn nicht gerade von Erfolg gekr\u00f6nt ist. Durch den unachtsamen Umgang mit Leuchtbomben bei einem ihrer Eins\u00e4tze haben die drei, Lockwood musste wiedermal vorpreschen, ein Haus abgebrannt. Aus unerkl\u00e4rlichen Gr\u00fcnden ist der Hausherr der Familie Hope zu Tode gekommen. Lockwood und seine Mitarbeiter entdecken im Haus eine entstellte Frau, die als boshafter Geist, Mr Hope die Treppe hinunter gesto\u00dfen haben muss. Lucy nimmt die Goldkette der Geisterfrau an sich und verursacht dadurch diverse Komplikationen. Die BEB\u00dcP \u2013 Beh\u00f6rde zur Erforschung und Bek\u00e4mpfung \u00dcbersinnlicher Ph\u00e4nomene &#8211; bedroht die Agentur Lockwood mit Schlie\u00dfung, da sie keinen erwachsenen Berater besch\u00e4ftigen und sie brummen im Namen der Familie Hope Lockwood eine hohe Entsch\u00e4digungssumme auf.<\/p>\n<p>George findet heraus, dass die Tote im Hause Hope vor gut 49 Jahren ermordet wurde und Annabel Ward hei\u00dft. Ihre Leiche wurde nie gefunden und dem damals Verd\u00e4chtigen, der sie an dem bewussten Abend nach Hause gebracht hatte, konnte nichts nachgewiesen werden. Lockwood und seine Mitarbeiter wissen, zum einen m\u00fcssen sie das Geld zusammenbringen, um die Hopes zu entsch\u00e4digen, zum anderen an ihrem guten Ruf arbeiten. Als dann einer der reichsten M\u00e4nner Englands, der Firmeninhaber Fairfax, ihnen ein lukratives Angebot unterbreitet, k\u00f6nnen sie nicht ablehnen. Lucy und auch Lockwood ahnen, dass hinter diesem Auftrag mehr steckt als nur eine gew\u00f6hnliche Geisterjagd. Und sie werden Recht behalten.<\/p>\n<p>In der Menge der Fantasyb\u00fccher, die den B\u00fcchermarkt \u00fcberschwemmen, ist es \u00e4u\u00dferst schwierig eine originelle Grundidee f\u00fcr einen Fantasy-Mehrteiler auch noch literarisch anspruchsvoll umzusetzen. Der englische Jugendbuchautor Jonathan Stroud hatte das mit seinen \u201eBartim\u00e4us\u201c-Romanen bravour\u00f6s und vor allem mit Humor gemeistert. Auch Bartim\u00e4us ist ein Geisterwesen, allerdings gut 5000 Jahre jung. Draufg\u00e4ngerisch und schnoddrig laviert sich der freche D\u00e4mon durch die in der Gegenwart angelegte Geschichte voller mieser Zauberer und noch schrecklicherer Geister. Keine Frage, es ist ein schwieriges Unterfangen und Erbe nach Bartim\u00e4us wieder eine wirklich originelle Fantasygeschichte zu schreiben.<\/p>\n<p>Jonathan Stroud spielt in seinem neuen Werk mit Gruseleffekten, den ruhelosen Seelen Verstorbener und vor allem der Tradition der englischen Hausgeister. Er versucht mit starken jungen Figuren, die alle charakterlich sehr unterschiedlich sind und sich in ungew\u00f6hnlich risikoreichen wie nervenaufreibenden Lebenssituationen beweisen m\u00fcssen, den Leser zu fesseln. Dabei erz\u00e4hlt der sympathische Autor aufw\u00fchlende Geisterj\u00e4gergeschichten und neben den Gruselmomenten, z.B. der jammernden Wendeltreppe oder den Schrecken im Roten Zimmer, wird auch gleich noch ein historischer Kriminalfall gel\u00f6st. Der Humor, der ab und zum Galgenhumor wird, kommt nicht zu kurz. Gut ist, dass die F\u00e4lle, mit denen sich die Agenturmitarbeiter befassen, im ersten Band auch gel\u00f6st werden. Dabei bleibt vieles, was ist z.B. mit Lockwoods Eltern geschehen, noch offen und man darf, wenn man gern beim Lesen eine G\u00e4nsehaut bekommt, auf den n\u00e4chsten Band gespannt sein<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jonathan Stroud: Lockwood &amp; Co. &#8211; Die Seufzende Wendeltreppe, Aus dem Englischen von Katharina Orga\u00df und Gerald Jung, cbj, M\u00fcnchen 2013, 413 Seiten, \u20ac18,99, 978-3-570-15617-9 \u201eManche Leute behaupten, das Problem habe es schon immer gegeben. 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