{"id":1043,"date":"2019-06-22T16:21:26","date_gmt":"2019-06-22T14:21:26","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=1043"},"modified":"2019-06-22T16:21:26","modified_gmt":"2019-06-22T14:21:26","slug":"in-einem-boot","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/in-einem-boot\/","title":{"rendered":"In einem Boot"},"content":{"rendered":"<p><strong>Charlotte Rogan: In einem Boot, Aus dem Englischen von Alexandra Ernst, script 5, Bindlach 2013, 334 Seiten, \u20ac18,95, 978-3-8390-0150-9<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201e Aber mein Gehirn war taub vor Angst, und erst jetzt, wo das alles hinter mir liegt und ich mich einer anderen Art von Autorit\u00e4t gegen\u00fcbersehe, entsteht in mir der Eindruck, dass in dem Rettungsboot von Anfang an ein Netz aus Einflussnahme und Verrat gewoben wurde.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Grace Winter, Hannah West und Ursula Grant haben den Untergang der <em>Zarin Alexandra<\/em> 1914 \u00fcberlebt und nicht nur einmal dem Tod in die Augen gesehen. 21 lange Tage sind sie anf\u00e4nglich mit 39 Passagieren im Rettungsboot Nr. 14 \u00fcber den grauen Ozean geschippert. Sie haben alles durchgestanden, die Angst um die Angeh\u00f6rigen, die Unwetter, den Hunger, den Durst, die zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen und die Hysterie ihrer Leidensgenossen.<\/p>\n<p>Nun stehen sie vor Gericht, denn sie werden des Mordes angeklagt.<\/p>\n<p>Die 21-j\u00e4hrige Grace ist die Erz\u00e4hlerin dieser aufw\u00fchlenden Rettungs- wie Mordgeschichte. Sie hofft bis zuletzt, dass ihr Mann Henry sich in eines der Boote fl\u00fcchten konnte. Umsonst. Auf dem Weg von Liverpool nach New York ereignete sich an Bord der <em>Zarin Alexandra <\/em>eine Explosion und ein heilloses Chaos folgte. Schnell stellt sich heraus, dass die Rettungsboote viel zu klein sind f\u00fcr die angebliche Anzahl der Insassen, die sie aufnehmen k\u00f6nnen. Henry sorgt daf\u00fcr, das Grace in eines der sieben Meter langen Boote gesetzt wird. Das Kommando \u00fcber Graces Boot \u00fcbernimmt der erfahrene, grobschl\u00e4chtige Seemann John Hardie. Noch in der N\u00e4he des untergehenden Bootes bemerken die geretteten Insassen Menschen, die ums  \u00dcberleben k\u00e4mpfen, sogar ein Kind. Hardie verweigert jegliches Mitleid und fordert seine Leute nur auf zu rudern, damit sie nicht in den Sog der <em>Zarin Alexandra<\/em> gelangen.<\/p>\n<p>Grace ist aber nicht nur die Beobachterin des Geschehens, sie erinnert sich auch an ihr zur\u00fcckliegendes Leben. Sie wei\u00df nicht, ob ihr Ehemann wirklich seiner Mutter ein Telegramm geschickt hat, um ihr die Neuigkeit zu \u00fcbermitteln. Grace und Henry hatten in London geheiratet, dabei war Henry eigentlich bereits verlobt. Nicht uneigenn\u00fctzig hatte Grace sich ihren k\u00fcnftigen, wohlhabenden Ehemann ausgesucht, denn ihr Vater musste Konkurs anmelden. Sein Selbstmord brachte die Mutter und die beiden T\u00f6chter in eine schwierige, finanzielle Lage.<\/p>\n<p>Nun sitzt Grace im Rettungsboot und f\u00fchlt sich eigentlich mit den Entscheidungen Hardies einverstanden. Er versucht, die Passagiere zu beruhigen, ihnen einzureden, dass bald Hilfe k\u00e4me, da sie sich auf einer befahrenen Schiffsroute befinden w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Er behauptet, es seien noch Notsignale abgesendet worden. Grace bezweifelt dies.<\/p>\n<p>Mrs Grant, eine \u00e4u\u00dferst nicht nur k\u00f6rperlich starke Frau, k\u00fcmmert sich um die depressiven Passagiere. Hannah, eine j\u00fcngere Frau, verbreitet ebenfalls Optimismus und ein Gef\u00fchl von etwas Sicherheit. Die Debatte dar\u00fcber, dass das Boot zu tief liegt, weil zu viele Leute mitfahren, kocht immer wieder hoch. Als ein Sturm sich ank\u00fcndigt, besteht die Gefahr, dass das Boot sinken k\u00f6nnte. Jemand muss ausgew\u00e4hlt werden, der freiwillig das Boot mitten auf dem Ozean verl\u00e4sst. Eine schwierige, wie unaussprechlich unmenschliche Entscheidung. John Hardie verteilt Streichh\u00f6lzer und manipuliert in gewisser Weise nach Alter und Durchhaltekraft diese Todeslotterie.<\/p>\n<p>Drei M\u00e4nner m\u00fcssen sterben.<\/p>\n<p>Langsam sinkt der Mut der Insassen, von denen bereits acht durch Wahnsinn oder wissentlicher Entscheidung verstorben sind. Immer wird gefragt, mussten die M\u00e4nner sterben, warum haben wir nicht das Kind aufgenommen? An Bord beginnt ein Machtkampf  zwischen einerseits Hardie und andererseits Mrs Grant und Hannah.<\/p>\n<p>Nun wird abgestimmt, ob Hardie das Boot erleichtern soll. Als die Reihe an Grace kommt, ist bereits klar, dass die Mehrzahl daf\u00fcr ist. Aber Hardie, der offenbar im Boot etwas in einem K\u00e4stchen mitschmuggelt, hat jegliche Autorit\u00e4t verloren. Grace hilft bei seiner Beseitigung und kann sich ihre <em>\u201eEnergie des Wahnsinns\u201c<\/em> im Nachhinein gar nicht mehr erkl\u00e4ren. Sie ist Mrs Grants Anweisungen gefolgt.<\/p>\n<p>An Land wird die junge Frau vor Gericht gestellt. Es besteht der Verdacht, dass die drei Frauen John Hardie vors\u00e4tzlich und geplant get\u00f6tet haben.<\/p>\n<p>Atmosph\u00e4risch dicht und vor allem immer auch den Zeitgeist zu Beginn des 20. Jahrhunderts gerade f\u00fcr Frauen im Hinterkopf erz\u00e4hlt die amerikanische Autorin Charlotte Rogan von einem Ausnahmezustand und verkn\u00fcpft diesen unterschwellig mit moralisch-ethischen Fragen. Bereits zwei Jahre vor diesem Ungl\u00fcck sank die Titanic. Aus diesem Grund wurde auch die Reiseroute umgestellt. Doch dies half den Menschen an Bord wenig, denn es stellt sich heraus, dass ihr Schiff sich mehrmals verkauft in schlechtem Zustand befand.<\/p>\n<p>Grace f\u00e4ngt die Stimmungen an Bord des Rettungsschiffes ein, beschreibt die Meereslandschaft, durchleuchtet mehrere Personen an Bord und ihr Schicksal und entpuppt sich als starke, aber auch ambivalente, wie beeinflussbare Figur, die ihren Glauben an einen Gott verloren hat.<\/p>\n<p>Das eigene \u00dcberleben vor Augen ist sie keine stille Heldin, aber auch kein Opfer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Charlotte Rogan: In einem Boot, Aus dem Englischen von Alexandra Ernst, script 5, Bindlach 2013, 334 Seiten, \u20ac18,95, 978-3-8390-0150-9 \u201e Aber mein Gehirn war taub vor Angst, und erst jetzt, wo das alles hinter mir liegt und ich mich einer&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/in-einem-boot\/\">Weiterlesen &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[],"class_list":["post-1043","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-jugendbuch"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1043","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1043"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1043\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1542,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1043\/revisions\/1542"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1043"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1043"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1043"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}