Wir drei verzweigt

Robin Benway: Wir drei verzweigt, Aus dem Englischen von Jessika Komina und Sandra Knuffinke, Magellan Verlag, Bamberg 2018, 368 Seiten, €18,00, 978-3-7348-5032-5



„Da hatte sie Grace erst einmal gesehen, Joaquin noch nie, und schon gingen ihre Geschwister ihr auf den Keks. War ja klar.“

Weder die fünfzehnjährige Maya, noch Grace und Joaquin, beide sind siebzehn und achtzehn Jahre alt, haben gewusst, dass sie Geschwister sind. Dabei wohnen sie nicht mal weit auseinander. Grace und Maya wurden bereits als Kleinkinder in liebevollen Familien aufgenommen, nur Joaquin, dessen Vater offenbar Mexikaner ist, durchlebte achtzehn verschiedene Familien, in denen er als Pflegekind aufgenommen wurde. Jetzt wohnt er seit zwei Jahren bei Mark und Linda, die ihn unbedingt adoptieren möchten. Doch Joaquins Seele ist zu verletzt, er kann anderen Menschen nicht mehr hundertprozentig vertrauen. Für ihn sind Schläge nicht so schrecklich, wie das Verletzen mit Worten. Wenn ein Kind erlebt, dass Eltern, die ihn angeblich lieben, ihn adoptieren wollen und dann selbst ein eigenes Kind bekommen und ihn wieder fortgeben, dann gräbt sich diese Enttäuschung tief ein. Joaquin ist auch nicht erstaunt, dass seine beiden Schwestern weiß sind und in guten Familien erzogen wurden. Als Mayas Eltern nach der Adoption dann doch ihr leibliches Kind, Lauren, bekamen, blieb das Mädchen in der Familie. Doch klar ist, beim Anblick all der vielen Fotos im Haus, dass Maya völlig aus dem Rahmen fällt. Seit längerer Zeit funktioniert die Ehe von Mayas Eltern nicht mehr, die Mutter beginnt zu trinken, der Vater ist nicht oft zu Hause. Grace ist Einzelkind und mit siebzehn schwanger. Sie gibt ihr Kind zur Adoption frei und von diesem Moment an, bewegt sie der Gedanke, ihre Geschwister zu treffen und die leibliche Mutter, Melissa Taylor, zu finden.
Doch nur Grace, die gedanklich immer mit ihrem eigenen Kind verbunden ist, verspürt diese Sehnsucht, mit der Mutter zu sprechen. Sie hat, wie die anderen auch, einfach zu viele Fragen.

Aus der Perspektive von Maya, Grace und Joaquin wird diese gefühlvolle Geschichte erzählt. Alle drei werden sich zum Ende dann doch für einen Besuch bei der Mutter entscheiden und eine traurige Überraschung erleben.