Der achte Tag

Nicci French: Der achte Tag, Aus dem Englischen von Birgit Moosmüller, C. Bertelsmann Verlag, München 2018, 448 Seiten, €15,00, 978-3-570-10317-3

„Er blickte sie an, dünner, als sie ihn in Erinnerung hatte, mit sehr geschorenem Haar, aber demselben Lächeln. Ein Mann, der am Flussufer beim Angeln saß, nur wenige Meter von der Stelle entfernt, wo er seinen Zwillingsbruder umgebracht hatte. Ein Mann wie ein Schatten, ein Mann wie ein Geist.“

Acht Jahre nun spukt dieser Geist namens Dean Reeve durch die Handlungen der beiden Krimiautoren. Mit ihrem achten Band verabschieden sie sich von Frieda Klein, der unzugänglichen Psychotherapeutin, die mal der Polizei als inoffizielle Beraterin helfen darf und dann wieder von ihr geächtet wird. Diesmal muss der Leser ziemlich lang warten, ehe die Hauptfigur mit neuer Haarfarbe, Brille und Haarschnitt im Handlungsverlauf auftaucht, doch ab diesem Moment wird es wieder richtig spannend.

Clever eingefädelt stellen die beiden Autoren eine junge ziemlich redselige Studentin in den Mittelpunkt der Handlung. Lola Hayes sucht nach einem Thema für ihre Seminararbeit und der Gastdozent im Fach Kriminologie empfiehlt ihr die wechselvolle Arbeit von Frieda Klein. Parallel dazu erfährt der Leser, dass seltsame Morde in London geschehen, die die Polizei vor ein Rätsel stellen. Ein Auto rast von einem Hügel in einen Kinderbekleidungsladen. Dem Mann am Steuer, einem Vertreter für Sanitäranlagen, gehört das Auto nicht und er ist bereits beim Aufschlag tot. Ein anderer Mann wird bereits tot, aber vor Feuer geschützt in einem Scheiterhaufen verbrannt. Man soll ihn offensichtlich finden. Mehrere Mordfälle landen nun auf dem Tisch von Detektive Inspector Bill Dugdale, der über ein schlechtes Namensgedächtnis verfügt und ziemlich bullig aussieht.
Nur Frieda ahnt, dass diese spektakulären Mordfälle ihr zeigen sollen, dass Dean Reeve in London ist und Kontakt zu ihr aufnehmen will. Lola beginnt mit ihren Recherchen und kommt einfach nicht voran, denn auch Friedas Freunde wimmeln sie ab. Sie versucht die Methode der Psychogeografie, sie geht Friedas Wege ab. Per Zufall findet Lola, die ziemlich beharrlich sein kann, Frieda Klein auf dem Friedhof. Als diese jedoch mit Lola ins Gespräch kommt und die Fotos auf ihrem Handy sieht, erblickt sie plötzlich den harmlosen Angler, der eindeutig Dean Reeve ist.
Ab diesem Moment ahnt Frieda, dass sie Lola nicht mehr gehen lassen kann. Auch wenn sich die Studentin nicht erinnern kann, was sie zu Reeve gesagt hat, Lola ist in Gefahr.
Nachdem die junge Frau auch mit der Journalistin Liz Barron gesprochen hat und diese tot aufgefunden wird, ahnt sie, dass sie in ihr altes Leben nicht mehr zurückkehren kann. Allerdings versucht Frieda ihr klarzumachen, dass diese Morde, die einem für die Polizei unkontrollierbaren Muster folgen, so oder so ein Ende finden werden, denn Frieda versucht zu Reeve Kontakt aufzunehmen. Er legt die Leichen an den unterirdischen Flüssen Londons ab, ein Areal, dass die Polizei nie beobachten kann. Nur Frieda hat ein Gespür für seine Denkweise.

In der Konfrontation dieser beiden unterschiedlichen Frauen mit einem hochintelligenten Mörder liegt der Reiz des achten Bandes, der die Geschichte um Frieda Klein nun zu Ende bringen muss. Lola ist genervt von Friedas stoischer Haltung und Frida kann die ständig plallernde Lola kaum ertragen. Benimmt sich Lola zu Beginn der Begegnung noch ziemlich leutselig und naiv, so verwandelt sie sich im Laufe der Handlung in eine doch völlig verängstigte, depressive Person, die dder Leser anfänglich kaum ernst genommen hat und doch Mitleid verspürt. Frieda kann ihr wenig helfen, ahnt sie doch, dass Lola ein Geheimnis hat.

Mit diesem Band, dem fesselnden Finale, verabschieden sich die beiden Autoren von ihrer originellen Hauptfigur und der Leser atmet auf. Vielen Dank für den letzten Nervenkitzel!