Das Haus der Malerin

Judith Lennox: Das Haus der Malerin, Aus dem Englischen von Mechthild Ciletti, Pendo Verlag in der Piper Verlag GmbH, München 2018, 477 Seiten, €20,00, 978-3-86612-405-9



„Rose fühlte sich tief angerührt bei der Betrachtung der Gemälde. Sie hatte das Gefühl, zum ersten Mal die wahre Sadie Lawless zu sehen.“

Erst nach dem Tod der Mutter Edith erfährt Rose von der Existenz ihrer Großtante Sadie Lawless, die einst ihrer Mutter ein Haus mit dem Namen „The Egg“ vererbt hatte. Rose weiß nicht, dass Edith, die zehn Jahre ältere Schwester immer auf Sadie, die jüngere, begabtere, eloquentere eifersüchtig war. Ediths Eltern, besonders der Vater hat Sadie mehr geliebt als sie und nach dem Unfalltod der Eltern vermacht er auch seiner Lieblingstochter seine zwei von ihm als Architekten gebauten Häuser, das große Haus „Gull’s Wing“ und das kleinere „The Egg“ in Sussex.

Judith Lennox erzählt nun auf zwei Zeitebenen, den 1930er Jahren und den 1970er Jahren, die Geschichten der beiden Frauen Rose und Sadie.

Jetzt erbt Rose das Haus „The Egg“ und beginnt langsam mit den Recherchen über ihre Tante, die als Malerin eine Karriere begonnen hatte. Als Rose ihre einstige Galerie entdeckt und sogar zwei Bilder von ihr, erfährt sie, dass Sadie zu ihren zweiten großen Ausstellungseröffnung nicht erschienen ist. Rose hofft, dass sie im geerbten Haus, dass durch die klaren wie modernen Linien auffällt, mit ihrer Familie, sie ist mit Robert verheiratet und hat zwei kleine Mädchen, die Sommer verbringen kann. Zwar langweilt sie sich als Hausfrau mit Physikstudium, aber die gut situierte Familie von Robert erwartet schon, dass sie ganz traditionell ihrem Mann den Rücken freihält. Als dieser jedoch zugeben muss, dass er ein Verhältnis zu einer Edelprostituierten hat, die die Namen ihrer Freier an die Presse verkauft hat, zerbricht die Ehe.
Rose entschließt sich, immerhin hatte Robert sein Luftfahrtunternehmen auf ihren Namen eingetragen, die Firma zu übernehmen. An welche Grenzen sie als Frau stoßen wird, wenn sie die Chefin wird, ist ihr zu Beginn noch nicht ganz klar.

Auch Sadie strebt als alleinstehende Frau, nach einer gewissen Form der Unabhängigkeit. Allerdings hat sie ihr Verlobter kurz vor der Hochzeit verlassen und nach einem Nervenzusammenbruch zieht sie nach Sussex. Inzwischen hatte sie das größere Haus, auch aus finanziellen Erwägungen, verkaufen müssen. Edith ist darüber extrem verärgert. Im Haus „Gull’s Wing“ lebt nun das Londoner Künstlerpaar Diana und Tom Chiverton. Er ist der gefeierte Poet und sie die Muse, die ihn über alles liebt.
Als Rose zum ersten Mal das kleine Haus aufsucht, erfährt sie, dass im großen Haus Diana Chiverton noch lebt, aber verbittert alle Besuche ablehnt.
Sadie wird nun als Künstlerin in den erlauchten Kreis der gehobenen Gesellschaft geladen und schnell wieder von der Gästeliste gestrichen, als Diana klar wird, dass ihr lieber Tom ein Verhältnis mit der schönen und aufregenden Nachbarin begonnen hat. Dabei ist Sadie ziemlich schnell von Toms Liebesbekundungen genervt, zumal er sich als Schürzenjäger und Blender enttarnt.
Wie der Kreis sich am Ende schließen wird, wenn Rose endlich die Gelegenheit hat mit Diana zu reden, ist nicht schwer zu erraten.

In epischer Breite und sehr konventionell erzählt Judith Lennox von den Emanzipationsbestrebungen zweier Frauen in unterschiedlichen Zeiten. Kann Sadie weder ihren Frieden mit ihrer Schwester noch ihrer Umwelt finden, die ihre Anwesenheit als Bedrohung und nicht als Bereicherung ansehen, so setzt sich Rose mit Hilfe ihres Vaters und ihres Mitarbeiters Dan, in den sie sich auch noch verliebt, durch.
Leider kann man bei diesem Roman nicht von Unterhaltungsliteratur im besten Sinne sprechen, denn zu vorhersehbar sind die Handlungsstränge, zu überlastet mit Klischees die fiktiven Frauen- wie Männerfiguren. Alle sind von Anfang an rudimentäre Sprachpuppen, die von einem einzigen Gefühl beseelt sind, mal ist es nur Groll, dann wieder nur Liebe. Und so sind die handelnden Personen eher oberflächlich im Umriss erkennbar und nicht in der Charaktertiefe. Die sicher ausschließlich weiblichen Konsumenten dieses Buches, allein das Cover sagt alles, werden sich möglicherweise von der Atmosphäre gefangen nehmen lassen, von den Naturbeschreibungen und den englischen Häusern, in denen ein Großteil der Geschichte spielt.