Invisible

Ursula Poznanski, Arno Strohgelb: Invisible, Wunderlich Verlag bei Rowohlt Verlag, Reinbek 2018, 366 Seiten, €14,99, 978-3-499-27092-5


„Aber es muss jemanden geben, der sie alle kennt. Die Opfer, die er tot sehen möchte. Und die Täter, bei denen er genau weiß, wie er sie anpacken muss, um sie zur Weißglut zu bringen.“

Die Hamburger Ermittler Daniel Buchholz und Nina Salomon stehen vor einem Rätsel. In mehreren Fällen tötet ein Mensch einen anderen, auf den er unsäglich wütend ist. Der Täter verspürt kein Unrechtsbewusstsein und ist der Meinung, er habe das Recht den anderen umzubringen oder handele in Notwehr, da dieser ihn bis aufs Blut gemobbt, gestalkt und geärgert hat. Die Täter fliehen auch nicht, sondern warten auf die Polizei. Als ihnen jedoch vor Augen geführt wird, dass das Opfer ihnen nie etwas getan hat, sondern Hassmails von den Tätern selbst geschrieben wurden, versteht niemand mehr, was eigentlich los ist. Buchholz und Salomon suchen verzweifelt nach einem logischen Zusammenhang zwischen den unerklärlichen Taten, zumal die Gefahr besteht, dass diese Tötungsform immer wieder stattfinden kann. Die Stimmung zwischen beiden Kommissaren ist angespannt. Nina Salomon versucht ständig, ihren Partner zum Reden zu bringen. Als Daniel Buchholz sein Schweigen bricht, ist Nina skeptisch. Daniels neue Freundin Isabell, die er kaum kennt, ist schwanger. Angeblich hat sie die Pille genommen, hatte aber dann einen Magen-Darm-Infektion. Daniel weiß nicht, wie er sich verhalten soll. Als Nina Isabell kennenlernt, hat sie ein ungutes Gefühl. Schnell stellt sich heraus, dass Isabell Daniel angelogen hat. Ihre Schwangerschaft war nur vorgetäuscht. Nach diesem Vertrauensbruch will Daniel keinen Kontakt mehr zu Isabell, die nun Daniel und Nina mit fiesen SMS Nachrichten attakiert.
Innerhalb der Abteilung wurde ein neuer Kommissar, Philipp Hanke, eingestellt, der sich augenscheinlich für Nina interessiert. Daniel mag den neuen Kollegen überhaupt nicht. Jetzt ist es Daniels Bauchgefühl, dass richtig ist. Hanke soll insbesondere Nina überwachen, was er ihr auch irgendwann frech ins Gesicht sagt.

Die Themen dieses Thrillers sind gesetzt. Es geht um Manipulation und Kontrolle, aber auch um Lügen und vor allem um Rache. Wer steckt hinter den fiesen Morden? Ein Arzt tötet seinen Patienten, Leute werden auf dem Zebrastreifen einfach umgefahren, Menschen erschlagen andere auf brutalste Weise. Wie schnell kann ein Mensch wirklich Mordfantasien haben und diese dann auch in die Tat umsetzen? Immer greift doch auch ein Tötungshemmung. Diese scheint, wie auch immer außer Kraft gesetzt worden zu sein. Steckt ein Psychologie hinter all den Taten? Wie kann es sein, dass Menschen sich gegenseitig umbringen und ein Dritter sitzt irgendwo und schaut nur zu.
Ist es ein Mentalist, der seine „Zaubertricks“ auf zynische Weise testet? Doch wie gelangt man an die persönlichen Daten von ganz normalen Bürgern, wie kommt man dermaßen nah an seine Täter und Opfer heran?

Facebook und der muntere Datenhandel lassen grüßen!
Ziemlich aktuell inszeniert das bewährte Autorenduo Arno Strobel, selbst IT-Fachmann, und Ursula Poznanski ein Horrorszenario, dass nicht nur die Ermittler erschauern lässt. Lange wird es im Handlungsverlauf dauern, bis beide eine wahre und brauchbare Spur entdecken und erkennen, was es mit dem „Unsichtbaren“ auf sich hat. Die letztendliche Erklärung und zugleich Aufklärung der perfiden Mordfälle, die doch alle auf ein Geschehnis in der Vergangenheit zurückgehen, bleibt leider etwas dünn und schwer nachvollziehbar. Bleibt doch die Frage, wie lenkbar und gläsern Menschen wirklich sind?

Und doch ist dieses Gedankenspiel, auch im Zuge der weltweiten Manipulationen der Wahlen, nicht so abwegig, wie man vielleicht im ersten Moment glaubt.
Aus zwei Perspektiven erzählen die Autoren ihren Roman und bleiben, wenn es gerade um die privaten Geschichten geht, nah am Leben.