Kleine Feuer überall

Celeste Ng: Kleine Feuer überall, Aus dem amerikanischen Englisch von Brigitte Jakobeit, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2018, 384 Seiten, €22,00, 978-3-423-28156-0



“Sie hatte, kurz gefasst, alles richtig gemacht und sich ein gutes Leben aufgebaut, ein Leben, wie sie es sich wünschte, wie alles es sich wünschten. Und jetzt kam diese Mia, eine vollkommen andere Frau mit einem vollkommen anderen Lebensstil, die sich ohne Entschuldigungen ihre eigenen Regeln setzte.”

Sommer 1997, Ort: Shaker Heights / Cleveland: Einst lebten hier die Shaker, die der Meinung waren, der Schlüssel zur Harmonie seien „Ordnen und Verordnen“, kurz gesagt Regeln. Geblieben sind die Regeln, an die sich die braven Bewohner des wohlhabenden Ortes alle halten, bis ja bis etwas geschieht, womit niemand gerechnet hätte. Das große Haus der untadeligen Familie Richardson geht in Flammen auf, angezündet von der jüngsten Tochter Izzy. Aber die Richardsons haben ja noch ein Haus, das sie eigentlich vermieten. Doch ihre Mieter wurden vertrieben und damit hat nur Mrs. Richardson etwas zu tun und das ist auch der Grund, warum Izzy ihr Zuhause abgefackelt hat.

Rückblick: Mia und ihre fünfzehnjährige Tochter Pearl führen ein Vagabundenleben. Sie reisen von Ort zu Ort, wenn Mia als Fotografin und Künstlerin neue Inspirationen sucht, werden alle Sachen in den alten Golf gepackt und es geht weiter. Noch kann sie nicht von ihren Kunstobjekten leben, die sie ab und zu durch eine Galeristin in New York verkaufen lässt, aber bald wird ihre Kunst anerkannt werden, das glaubt zumindest Pearl und erträgt mit dieser Hoffnung die Ortswechsel. Doch nun wollen die beiden für immer in Shaker Heights bleiben. Sie ziehen in das Haus der großzügigen Mrs. Richardson und als diese mitbekommt, dass Mia niedrig bezahlte und zeitraubende Jobs annimmt, um die Miete zahlen zu können, bietet sie ihr einen Putzjob bei sich an. Zu diesem Zeitpunkt jedoch ist Pearl bereits mit Moody, dem Sohn der Richardsons gut befreundet und in Trip, den ältesten Sohn der Richardsons verliebt. Sie mag Lexie und Izzy, die jüngste Tochter der Richardsons. Diese fühlt sich zur unkonventionellen Mia hingezogen. Das Verhältnis zwischen Izzy und ihrer Mutter ist nicht das beste. Allen Frust lädt die als Journalistin arbeitende Mutter ohne allzu großen Stress auf die Tochter ab. Nicht nur die Mütter – Töchter – Beziehungen durchziehen wie ein roter Faden die Handlung, im Mittelpunkt steht auch die Frage: Wie will man leben? Ist Mrs. Richardson stolz darauf, eine Familie am immer gleichen Ort, ein Haus und finanzielle Sicherheit zu besitzen, so pocht Mia auf die Freiheit, das zu tun, wozu sie berufen ist. Immer skeptischer betrachtet Mia Pearls enge Bindung an die Familie Richardson, sie hingegen verbringt viel Zeit mit der neugierigen so aus der Art geschlagenen Izzy. Als Mia auf der Arbeit die unglückliche Bebe Chow und ihre Geschichte kennenlernt, versucht sie zu helfen. Sie weiß, dass die Richardson mit der Familie McCullough befreundet sind. Diese wollen ein asiatisches Baby adoptieren, dass eine unglückliche Mutter vor der Feuerwache im Ort abgelegt hat. Die traurige Frau war Bebe, die durch ihre schlechten Sprachkenntnisse und ihre missliche Lage, der Meinung war, sie könne ihr Kind nicht ernähren. Nun hat sie einen Job, lernt Mia kennen und will ihr Kind zurück. Ein heftiger Streit über diesen Fall bricht in fast jeder Familie aus, denn natürlich denkt Mrs. Richardson, das ihrer Freundin nach zehn Jahren ständiger Versuche, schwanger zu werden, das Baby zusteht.
Mia ist da völlig anderer Meinung. Mrs. Richardson fühlt sich nach und nach durch Mias Anwesenheit provoziert. Sie beginnt in der Vergangenheit ihrer Mieterin zu forschen und entdeckt ein Geheimnis.

Celeste Ng erzählt in ihrer fiktiven Geschichte psychologisch überzeugend von ganz unterschiedlichen Figuren, die glauben, alles richtig zu machen. Auch wenn sie sich fremd bleiben, verbindet die Frauen, die Liebe zu ihren Kindern, denen sie nicht immer gut tun.
Gelingt der Einstieg in diesen Roman, dann fesselt die Geschichte ungemein und wirft Fragen auf, die auch heute relevant sind.