Verletzlich

Liza Marklund: Verletzlich, Aus dem Schwedischen von Dagmar Lendt, Ullstein Verlag, Berlin 2018, 345 Seiten, €14,99, 978-3-550-08062-3

„Die Reporterin umgab eine Verletzlichkeit, die sie wiedererkannte, sie rieb sich an der Realität wund, auch das hatten sie vermutlich gemein.“

Das sind die Gedanken von Nina Hoffmann, die als operative Analytikerin bei der Reichskriminalpolizei in Stockholm arbeitet und gemeinsam mit der Reporterin des Boulevardblattes „Abendblatt“ Annika Bengtzon vieles erlebt hat. Und so konzentriert sich dieser neue und letzte Annika Bengtzon – Roman auch auf die Vergangenheit in vielerlei Hinsicht. Immerhin erlaubt sich Liza Marklund viele Anspielungen auf die Vorgängerbände, ohne den Erstleser zu verprellen. Die journalistische stressige Arbeit und Annikas lang von sich weg geschobenen schrecklichen Erlebnisse kulminieren nun in Panikattacken, die sie zu einer Psychologin führen. Natürlich fragt diese nach Annikas Kindheit, ihrer Familie, aber auch nach Sven, den Mann, den Annika aus Notwehr getötet hat. Die Dämonen der Vergangenheit lassen die Reporterin, die im Laufe der Jahre immer mehr Felder bearbeiten muss, nicht los.

Auch der Fall der neunzehnjährigen Josefin Liljeberg gehört dazu. Sie wurde vor gut fünfzehn Jahren von ihrem Freund Joachim ermordet, da ist sich die Reporterin und nicht nur sie sicher, aber die Freunde von Joachim haben ihm ein Alibi gegeben. Auf ihrer Tour in die Vergangenheit dreht Annika viele Steine um. Sie denkt an ihren Ex-Mann Thomas, der immer noch in der Regierungskanzlei arbeitet und nun an einem Papier arbeitet, um etwas gegen die Hasstiraden und Beleidigungen im Internet zu unternehmen. Die Kommunikation mit ihm ist so schlecht wie eh und je, besonders seit Annika mit seinem Chef, dem Staatsekretär Jimmy Halenius, zusammen ist. Neben ihren Recherchen verfolgt Annika auch den Prozess gegen Ivar Berglund, der seine Opfer, einen Obdachlosen, aber auch einen Politiker, nicht nur gequält und gefoltert, sondern auch bestialisch ermordet hat. Nur ein Indiz kann man Berglund nachweisen und auch hier ist die Anklage nicht sicher. Der Gedanke, Berglund gehen zu lassen, belasten Annika und Nina Hoffmann. Die Polizistin entdeckt, dass der Zwillingsbruder von Ivar Berglund nicht in Spanien bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist und offenbar weiterhin Verbrechen begeht.

Über fünf Tage zieht sich die Handlung, in der Liza Marklund wie immer auch die Entwicklung des Journalismus ins Visier nimmt. Wie banal die Themen geworden sind, weiß jeder, der sich in die Abgründe des Boulevards begibt. Der Chefredakteur des „Abendblattes“ Anders Schyman wird seiner Mannschaft am letzten Tag sagen müssen, dass die Zeitung eingestellt wird, d.h. viele Arbeitsplätze fallen weg und die Inhalte verlagern sich ins Internet. Den Ausputzer will Schyman nicht machen und verweigert sich der Geschäftsleitung.

Neben all diesen Baustellen wird sich Annika aber auch an die Orte ihrer Kindheit begeben, denn ihre Schwester Brigitta, die jetzt mit ihrer Familie in Malmö lebt und mit der sie über lange Jahre keinen Kontakt mehr hatte, ist verschwunden. Erneut überschüttet Annikas alkoholkranke Mutter sie mit Vorwürfen.

Mit dem aktuell erschienenen Krimi “Verletzlich” ist nun der elfte Band um Annika Bengtzon erschienen. Liza Marklund hatte bereits erklärt, dass dieser nun unwiderruflich den Abschluss der Reihe bilden werde. Man darf gespannt sein, ob das zutrifft und vor allem darf man auf die neuen Bücher der bekannten schwedischen Autorin hoffen, die es immer geschafft hat, überzeugende und authentische Figuren in einem spannungsreichen Umfeld zu erfinden.