Wie ein springender Delfin

Mark Lowery: Wie ein springender Delfin, Aus dem Englischen von Uwe-Michael Gutzschhahn, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 2017, 219 Seiten, €12,99, 978-3-499-21775-3

„Das ganze ist ein totales Desaster. Ich hab bloß versucht, das Richtige zu tun, und jetzt ist alles kaputt. Was hab ich getan? Meine Schultern zittern, meine Finger graben sich in meine Augen, und ich fang an zu schluchzen.“

Charlie ist das Sorgenkind der Familie, das Frühchen, das fünfzehn Wochen eher auf die Welt gekommen ist. Immer wieder hing sein Leben an einem seidenen Faden, immer wieder hat er sich wie durch ein Wunder durchgekämpft und nun sorgen sich alle um ihn. Aber Charlie ist trotz Lernproblemen und Hyperaktivität eine Frohnatur, voller Charme und Witz. Martin, sein drei Jahre älterer Bruder, liebt ihn sehr und wenn Charlie froh ist, dann ist er es auch. Am glücklichsten war Charlie als er während eines Urlaubes einen Delfin in der Bucht von St. Bernards in Cornwall gesehen hat. Lang hatte die Familie für diesen Urlaub gespart.

Und nun, gute vierzehn Monate später, sind Charlie und der dreizehnjährige Marty erneut auf dem Weg zum Delfin, allerdings ohne Wissen der Eltern. Weit ist der Weg bis nach Cornwall, mehrmals müssen die Jungen umsteigen und dabei kann Marty nur eine Fahrkarte für sich selbst kaufen, da er wie seine Familie nicht viel Geld hat. Aber noch einmal soll Charlie seinen Delfin sehen und dieses Gefühl von Freiheit spüren.
Doch im Laufe der Reise geht so einiges schief und immer wenn Charlie um einen Keks aus der Dose bittet, vertröstet Marty ihn auf die Ankunft. Zwischendurch schreibt er sehr persönliche Gedichte in sein grünes Heft, das ein Lehrer ihm geschenkt hat.
Und dann trifft Marty ein Mädchen mit seltsamen Utensilien und blauen Haaren. Sie, die eigentlich niemandem mehr vertrauen wollte, schließt sich Marty an und bemerkt, dass er ein Geheimnis hütet. Bereits mehrmals wurde Martys Namen über den Bordfunk des Zuges ausgerufen, doch warum nur sein Name? Und was befindet sich wirklich in der Keksdose?

Marty hat sich zu dieser Abschiedstour mit seinem Bruder, dessen Stimme er in seinem Inneren immer noch hört, entschieden.
Während der Lektüre fragt man sich, warum Marty sich auf diese elend lange Fahrt mit dem hippeligen Bruder, der manchmal nicht zu bändigen ist, überhaupt einlässt. Er liebt ihn und er ist nie eine Last für ihn, das spricht für Marty, der mit seiner Reise auch ein Ziel verfolgt. Er hofft, dass die Eltern ihm nachreisen und einiges geklärt wird.
Dieser Roman vermittelt dem Leser Geheimnisse, aber auch wie es ist, um einen Menschen zu trauern.

Mark Lowry hat einen berührenden Roman geschrieben, dessen Geschichte den Leser lang nicht löslässt.