Lockwood & Co. – Das grauenvolle Grab

Jonathan Stroud: Lockwood & Co. – Das grauenvolle Grab, Aus dem Englischen von Katharina Orgaß und Gerald Jung, cbj, München 2017, 505 Seiten, €19,99, 978-3-570-17462-3


„Wir wollten sie aus der Reserve locken, indem wir uns ein kleines bisschen verwundbar zeigten. Das war auf längere Sicht immer noch besser, als stundenlang irgendwo herumzuhocken und zu hoffen und zu bangen, dass der Geist vielleicht einfach vorbeispaziert kam.“

Im Band fünf der Reihe über die Agentur Lockwood & Co. dreht sich natürlich alles wieder um die Jugendlichen, die dank ihres Alters die Londoner Geister aufspüren und zur Strecke bringen können. Zum Glück hat die Geistersieche sie noch nicht erwischt, obwohl sie in dieser neuen Geschichte geradeso am Tod vorbeischrammen und letztendlich ihn vor Augen haben werden. Denn es muss erzählt werden, dass Lucy, das Mädchen mit dem besonderen Gehör und ihrem Begleiter dem 110 Jahre alten sarkastischen Geisterschädel, den nur sie hören kann, und Lockwood, der immer gut gekleidete Agenturinhaber auf der Anderen Seiten waren, bei den Toten. Aber dazu später mehr.

Zuerst einmal ist die Agentur mit einer höchst vertraulichen Aufgabe betraut, die übersinnlichen Ermittler sollen die Mitglieder einer Zirkusrevue von einer Geisterfrau befreien, die sich des Nachts die Männer gefügig macht. Leider ist einer bereits verstorben. La Belle Dame ist ein zorniger Geist, der seelisch angeschlagene Opfer sucht. Beinahe wäre auch Lockwood ihren Künsten erlegen gewesen, hätte ihn nicht Lucy gerettet. Aber nicht nur Lucy gehört zum Team, da ist auch George, der leicht schmuddelig der perfekte Rechercheur ist, das ist Holly, aber auch Flo Bones, eine ominöse Artefaktefägerin und Quill Kipps.
Alle zusammen gehen in einem weiteren Erzählstrang einer dubiosen Information nach, die Lucy von ihrem Geist im Glasbehälter vernommen hat. Angeblich liegt im Mausoleum nicht der Leichnam der legendären Marissa Fittes. Sie weilt noch auf Erden und nennt sich nun als Enkelin von Marissa Penelope. Alles wahr, muss das Lockwood Team mit Entsetzen feststellen. Doch wie kann es sein, dass ein Mensch über so lange Zeit überleben kann? Welches Elixier hat Marissa intus? Lucys Schädelgeist erkennt sofort Marissa an ihrem Geruch von der Anderen Seite. Hinzu kommt noch, dass die große Fittes Agentur damit beginnt, die kleinen Agenturen, also auch Lockwood & Co. beiseite zu drängen oder gar in ihr Imperium einzuverleiben. Wie brutal sie vorgehen, muss George am eigenen Leibe spüren. Der Handlanger und offizielle Vollstrecker von Marissa und seine Kumpane schlagen ihn zusammen und stehlen ihm ein wichtiges Buch, dass Marissa einst geschrieben und das George nun gefunden hatte.

Natürlich müssen die Agenten hinter Marissas Geheimnis gelangen und dabei klärt sich auch noch, das Lockwoods Eltern nicht bei einem Unfall ums Leben gekommen sind, sondern ermordet wurden.

Jonathan Stroud erzählt wieder eine wundersame Geistergeschichte mit viel Witz und neuen Erzählsträngen, die erst im kommenden Band wieder aufgenommen werden können. Komisch sind nach wie vor die Dialoge zwischen Lucy und ihrem hinterhältigen, nicht gerade vertrauenswürdigen Geist, der ständig seine Freiheit einfordert. Sich gegenüber stehen immer Erwachsene, die nicht mehr Herr der Lage sind und Jugendliche, die sie austricksen müssen. Für Stroud – Fans ist dieser Band sicher ein Muss, für alle die Geister lieben, eine unterhaltsame Lektüre mit erklärendem Glossar über alle Fachtermine der Geisterwelt.