Wovon wir nicht sprechen

Joanne Fedler: Wovon wir nicht sprechen, Aus dem Englischen von Susanne Dahmann, Droemer Verlag, München 2017, 448 Seiten, €19,99, 978-3-426-28181-9


„Ich frage mich, ob Christina Bryant oder Rania oder irgendeine unserer Klientinnen, die in ihren individuellen Krisen verhaftet sind, kommen wird, um sich Priscillas Geschichte, wie ihre Schwester abgeschlachtet wurde, anzuhören.“

Faith Ava Robert arbeitet als juristische Beraterin bei SISTAA, einer Organisation, die Frauen und Mädchen helfen soll, die jeglicher Form von Gewalt ausgesetzt waren. Etwas einsam, wissend um ihren Null-Karriere-Job leidet die Vierunddreißigjährige unter Asthma. Ihre Fingernägel sind heruntergekaut und sie hört Tag für Tag vom Elend der Frauen, die vergewaltigt wurden, geschlagen, gedemütigt oder einfach nur von ihren Männern ohne einen Cent aber mit einer Kinderschar zurückgelassen wurden.

Joanne Felder lässt Faith mit einer seltsamen Art von Humor von diesen Frauenschicksalen erzählen, sie erinnert sich aber auch an ihren Jugendfreund Josh, der viel zu früh verstorben ist und an ihre Familiengeschichte, an die Großmutter aus Italien. Immer öfter passiert es Faith, dass sie sich persönlich einbringt und doch weiß, dass sie gegen die Regeln der Organisation verstößt. Sie gibt den Frauen Geld, sie behält einen Hund bei sich und wehrt sich vehement gegen das Gespräch mit einer Therapeutin. Gleich zu Beginn erfährt der Leser, dass Faith eine Klientin nicht schützen konnte.
Faith regt sich auf, wenn das Frauenhaus keine lesbischen Frauen aufnimmt und begleitet ihre Freundin und Kollegin Carol zum Bauchtanzkurs.

Stellenweise ist es hart, den Schilderungen der Ich-Erzählerin, deren Perspektive durchaus interessant ist, zu folgen, zumal viele Einzelheiten von gewalttätigen Übergriffen geschildert werden. Leidet Faith an einer sogenannten „Mitleidsermüdung“? Am Ende wird Faith ihre Arbeit bei SISTAA aufgeben und das wird viele verschiedene Gründe haben.