Glückskind

Flix: Glückskind – Der Anfang einer wunderbaren Freundschaft, Carlsen Verlag, 95 Seiten, €19,99, 978-3-551-78386-8

„Bütte, Papa, ich hab dich lieb!“
„Lass das, Josi.“

Wohnen weit fort von städtischem Lärm im „naturnahen Nirgendwo“ mag ja ganz schön sein, aber es bringt auch eine Reihe Probleme und Tiere ins Haus, z.B. einen dreibeinigen Waschbären, der absolut verknallt in Josi ist. Papa kann diese Liebe zwischen seiner Tochter und dem aufdringlichen Waschbären nur rational mit Warnungen unterbinden, die da lauten: Waschbären übertragen Krankheiten und überhaupt. Aber diese Argumente sind natürlich Schall und Rauch für die kleine Göre, die immer ihren Willen durchsetzt und meint:

„ In jedem Nein wohnt ein verstecktes Ja.“

Josi, Papa und der Waschbär – das ist das Szenario für viele verschiedene witzige Alltagsepisoden und Kämpfe zwischen Vater und Tochter, in denen der Papa mit der seltsamen Nase, vom kategorischen NEIN zum NAJA VIELLEICHT und letztendlich OKAY, immer wieder wechselt. Nicht das Josi die besseren Argumente hätte, sie ist einfach hartnäckig und ein bisschen ignorant oder auch schwerhörig. Josi wäre gern zu dritt und da ihre Mama nicht mehr da ist, würde ja nun der Waschbär die Lücke füllen. Dieser tauscht alle, na fast alle seine Gedanken mit Josi aus. Und wenn er mal wie vom Erdboden verschwunden ist, dann sitzt er garantiert im Kühlschrank. Da man in der Einöde nicht allein ist, taucht ab und zu Herr Nuding, der Nachbar, auf. Mit seiner linksradikalen Ehrlichkeit und harmlosen Nacktheit amüsiert und verblüfft er Josi und zerstört vielleicht auch ein paar Kinderträume. Am liebsten spielen Josi und ihr tierischer Freund auf der Müllkippe, „um mit der Welt in Kontakt zu kommen”. Problematisch für Papa, denn Josi will partout am Abend nicht baden.
Alle paar Seiten fängt Papa mit seinem neuen Roman an, eine Qual, die auch Josi und der Waschbär, der gerade ein Buch von Tolkien liest, trocken kommentieren.

„Warum schreibt er nicht einfach los?“
„Zu wenig Fantasie.“

Egal, wie es Papa anpackt, er ist der Verlierer auf ganzer Strecke, fast immer. Er kann lieb sein, brüllen oder Argumente darlegen, Josi setzt sich mit Glück und einem selbstverfassten Song nebst Gitarrenbegleitung durch. Und wenn Josi ihre Lieblingsserie „Prinzessin Glitzerpups“ sehen will, akzeptiert sie kein Nein. Harte Zeiten für den Autor in der Krise, der so Sehnsucht nach einer Frau hat. Aber wenn jemand Papa aufbaut, dann nur seine Tochter.

„Ich glaub an dich.“

Flix spielt in seinen pointiert witzigen Zeichnungen und den zum Teil absurd überhöhten Episoden, in denen temperamentvoll gestritten und philosophiert wird, mit den gängigen aktuellen Klischees zwischen Eltern und Kindern. Er erfindet ein renitentes Haustier, das niemand domestizieren kann und fertig ist der absolut komische Comic vom Autorenhaushalt mit frecher Josi und verfressenem Waschbären.