Blutroter Sonntag

Nicci French: Blutroter Sonntag, Aus dem Englischen von Birgit Moosmüller, C.Bertelsmann in der Verlagsgruppe bei Random House, München 2017, 448 Seiten, €15,00, 978-3-570-10316-6

„Falls sie ihn überhaupt bemerkten, fanden sie ihn bestimmt nichtssagend. Wenn die wüssten! Das war Teil seiner Macht, in der Lage zu sein, das zu tun, was er getan hatte, und trotzdem nicht das Bedürfnis zu verspüren, es jemandem mitzuteilen. Er konnte ertragen, wie respektlos er in der Arbeit behandelt wurde. Nichts davon spielte für ihn eine Rolle. Er wusste, wer er war.“

Die Woche ist mit dem Sonntag um und doch schließt dieser Band nicht die Frieda Klein – Fälle ab. Ein achter Teil wird folgen und dann wird hoffentlich der Mann im Hintergrund, Dean Reeve, seiner gerechten Strafe zugeführt. Gleich zu Beginn hinterlässt er wieder seine Spuren und diese sind wir immer grausig. Im Londoner Haus der Psychotherapeutin wird unter den Bodendielen des Wohnzimmers eine Leiche gefunden. Josef, ein guter Freund von Frieda, hat den toten Mann, der vor ca. vier oder fünf Tagen ermordet wurde, gefunden. Es ist der ehemalige Polizist Bruce Springer, den Frieda auf Reeve angesetzt hatte. Der Leiche fehlen die Ohren. Für die Psychotherapeutin ist klar, dass Reeve der Mörder ist, der sich immer mal wieder für den Beschützer und Bewacher von Frieda hält. Beide verbindet eine symbiotische Beziehung, die dem neuen DCI Petra Burge unheimlich ist. Polizeipräsident Crawford muss nun endgültig gehen, denn er hatte den Fall Reeve bereits vor acht Jahren abgeschlossen und Frieda Klein nie geglaubt.

Allerdings ist Frieda schon ein seltsamer Mensch, stundenlang kann sie durch London laufen, um sich innerlich zu beruhigen und einst ist auch klar, großes Brimborium um ihre Person braucht sie nicht, andere schon. Bei der Befragung kurz nach der Entdeckung der Leiche in ihrem Haus wirkt sie derartig ruhig, dass DCI Burge sich nur wundern kann.
Altvertraut wirken die Menschen um Frieda Klein, wenn man die vorangegangenen Bände gelesen hat. Dass diesen Freunden und Bekannten nun nach und nach etwas angetan wird, ist tragisch, zumal Frieda hilflos zusehen muss.
Zuerst wird Chloé, ihre Nichte, zwei Tag lang entführt und unter Drogen gesetzt. Später werden der Presse Fotos zugesandt, die sie liegend auf einer Matratze zeigen. Sexuell missbraucht wurde sie nicht. Dann verschwindet Josefs siebenjähriger Sohn Alexei, der verstört aber gesund aufgefunden wird. In seiner Tasche befindet sich ein menschliches Ohr. Alexei hat eine Nachricht für Frieda auswendig gelernt und die kann nur von Reeves sein, der ihr mitteilen will, dass er mit Chloés Entführung nichts zu tun hat. Offenbar hat sich ein Trittbrettfahrer an den Fall angehängt, der Frieda quälen will. Nach und nach werden Freunde, Bekannte von Frieda attackiert und ein neuer Patient sogar ermordet. Frieda versucht nun über einen Privatdetektiv Informationen über die ihr nahestehenden Personen herauszufinden, die sie vielleicht zu Reeves oder diese andere Person führen. Das Foto, dass dem Journalisten Daniel Blackstock, der schon lang über Frieda Kleins Aktivitäten schreibt, zugespielt wurde, ist der Schlüssel. Blackstock zeigt es zuerst Frieda und geht damit nicht zur Polizei. Sie jedoch übergibt es DCI Burge. Im Gegenzug erhofft sich Blackstock von Frieda ein Interview und von Chloé. Frieda erkennt, dass in Blackstocks Fragen Täterwissen verborgen ist und sie ahnt, dass er hinter all den Angriffen stecken könnte. Die Polizei und vor allem DCI Petra Burge ist nicht begeistert, lernt aber Frieda jetzt erst richtig kennen.
Natürlich hat Blackstock für die Tatzeiten Alibis. Frieda läuft gegen Wände, aber diese haben sie ja eigentlich nie gestört, wenn sie ans Ziel kommen wollte.

Dieser siebte Band zieht die einst so spannend eröffnete Geschichte um Frieda Klein und Dean Reeve eigentlich noch einmal unnötig in die Länge, der Sonntag hätte zumal blutrot den gesamten Fall in all seiner Komplexität abschließen sollen. Die Fans von Frieda Klein bleiben sicher dran, die anderen, könnte ich mir vorstellen, steigen aus, denn zu schnell und psychologisch unmotiviert wurde der Täter gleich mal auf dem Serviertablett präsentiert.
Die Bitte, die Frieda am Ende äußert, reicht doch eigentlich schon: „Lassen Sie mich verschwinden.“

Der achte Band muss jetzt bald kommen, denn ansonsten verpufft die ganze Spannung.