Wolkenschloss

Kerstin Gier: Wolkenschloss, Fischer FJB, Frankfurt a.M. 2017, 441 Seiten, €20,00, 978-3-8414-4021-1



„Das Praktikantenputtel und der Hotelprinz ( der zudem bald gar kein Hotel mehr zu erben hatte), waren nur Freunde. Freunde, die so viel zu tun hatten, dass sie einander nur gehetzt zulächeln konnten, wenn sie sich während der Arbeit begegneten.“

Die siebzehnjährige Fanny Funke hat sich entschlossen kein Abitur zu machen, sondern ein Jahrespraktikum in einem Hotel, das alle das Wolkenschloss nennen. Tief verschneit in der Schweiz gelegen, bietet das Château Jauvier ein wunderbares Setting für eine Kriminalgeschichte mit romantischem Flair in der Weihnachtszeit. Allerdings ahnt Fanny noch nichts von den Abenteuern, die ihr bevorstehen. Als Ich-Erzählerin berichtet sie vorerst von einem tyrannischen Neunjährigen namens Don, der ihr das Leben schwer macht. Die kleine Rotznase ist der Sohn eines reichen Mannes, der offenbar ein Freund von einem der Brüder Montfort ist, dem das leicht angestaubte, altmodische Hotel gehört. Heimlich belauscht Fanny ein Gespräch und erfährt, dass ein Bruder, Roman, das Hotel so schnell wie möglich verkaufen möchte. Rudi dagegen pocht auf die Traditionen und die lange Geschichte des Hotels und will es trotz schlechter Auslastung der 35 Zimmer unbedingt behalten, so wie der Sohn von Roman, Ben. Ihn hatte Fanny kennengelernt, als Don ihr gerade wieder einen Streich gespielt hatte.

Zu Weihnachten und Silvester jedoch ist das Haus wieder voller Gäste. Alle arbeiten entgegen tariflicher Bestimmungen fast rund um die Uhr. Der stets schreiende Roman verbreitet genug Angst unter den Bediensteten. Fanny ist nicht nur Kindermädchen, sondern für viele weitere Dienste zuständig. Sie muss sich von Saisonkräften mobben lassen, die jedoch von der Hotelfachschule kommen und sie nur mit Verachtung strafen. Da tut es Fanny gut, dass sie die guten Geister des Hauses auf ihrer Seite hat, wie Monsieur Rocher, den Concierge des Wolkenschlosses und oder Pavel, der für die Wäsche zuständig ist.
Diverse illustre Gäste bevölkern nun das Hotel. Da ist das liebenswerte alte Ehepaar, die Ludwigs, deren Traum es war, einmal den Walzer auf dem Silvesterball zu tanzen. Oder das russische, extrem reiche Paar mit der kleinen Dascha, die offenbar inkognito abgestiegen sind oder Onkel und Neffe Tristan, der gleich mal ein Auge auf Fanny geworfen hat. Für Tristan interessieren sich natürlich auch die Mädchen der kinderreichen Familie Barnbrooke.

Auf den Gängen werden nun viele Sprache gesprochen und alles könnte besinnlich und friedlich sein, wäre da nicht der böse Don, der Fanny bei ihrer Tätigkeit als Kindermädchen heftig in die Parade fährt. Da die Kinder nicht mehr in den Schnee nach draußen können, spielen sie mit Begeisterung im Hotel verstecken. Als Dascha, die ausnahmsweise mal mit den anderen Kindern spielen durfte und Don auch noch verschwinden, fühlst sich Fanny zum ersten Mal richtig unwohl.
Die beiden kreuzen wieder auf. Kurzzeitig dachte Fanny, dass die Kinder vielleicht entführt wurden.
Doch wer sollte wissen, dass die Oligarchenfamilie ausgerechnet im Wolkenschloss abgestiegen ist und nicht in St. Moritz? Einige jedoch wissen es und sie tummeln sich unter den Gästen.
Fanny wird sich um Dascha kümmern müssen und dann geschieht das Unglück.
Zum Glück jedoch hat sie Tristan und auch den eifersüchtigen Ben, der ganz klar in Fanny verknallt ist.

Kerstin Gier hat ein romantisches Märchen geschrieben, das in einem vom Schnee eingeschlossenen Hotel hoch in den Bergen spielt. Fanny als Aschenputtel darf nicht zum Ball, sondern muss auf die vierjährige Dascha aufpassen und diese gleichzeitig beschützen. Als Prinzen gibt es gleich zwei Anwärter und die bösen Stiefschwestern lauern in der Lobby. Neben einigen Slapstickszenen, in denen Fanny keine so gute Figur macht, folgen Momenten, in denen gezeigt wird, dieses Mädchen hat das Herz auf dem richtigen Fleck. Und so liest sich dieser dicke Roman wie einm klebriger und kitschiger deutscher schwarz-weiß Spielfilm aus den 1960er Jahren, in denen die Figurenkonstellationen zwischen gut und böse von Anfang an klar sind und die Handlung auf ein schmalzige Happy End zusteuert.
Diese Art Romane kann man mögen und dabei viel Schokolade oder Lebkuchen vertilgen oder einfach nur doof finden, denn die eindimensionale Handlung lädt zwar zum Träumen ein, aber nicht zum Denken.