Romantherapie für Kinder

Ella Berthoud & Susan Elderkin mit Traudl Bünger: Die Romantherapie für Kinder, Aus dem Englischen von Katja Bendels und Kirsten Riesselmann, Insel Verlag, Berlin 2017, 369 Seiten, €16,99, 978-3-458-17704-3

„Auch als Bücherwurm kann ein Kind umgeben sein von Seelenverwandten. Und eines Tages schlüpft es mit neuen Flügeln aus seinem Konkon – bereichert mit einem großen Wissen übers Geschichtenerzählen, über Psychologie und die Welt.“

Jahr für Jahr erscheinen im Frühjahr und im Herbst allein in Deutschland hunderte neue Bilderbücher, Kinderbücher, Pappbilderbücher, Sachbücher und Jugendbücher. Da ist es nicht leicht, das wirklich gute Buch zu finden, zumal die regionalen und überregionalen Zeitschriften ihre aktuellen Rezensionen über lesenswerte Kinder- oder gar Jugendbücher stark eingeschränkt haben und Websites, die sich mit neuer Lektüre beschäftigten oftmals nur den Waschzetteln vom Verlag und einen Amazon-Link veröffentlichen. Nun gibt es auch Bestenlisten, u.a. „Die Besten 7“ vom Deutschlandfunk, wo Fachexperten monatlich aus den aktuellen Titeln die interessantesten sieben Bücher auswählen. Aber so schnell wie die Bücher erscheinen und wenig Zeit haben, auf sich aufmerksam zu machen, verschwinden sie auch wieder aus den Läden. Orientierungen sind für alle wichtig für diejenigen, die nach Literatur für Kinder oder Enkelkinder suchen und nicht nur auf die gängigen Bestseller oder Klassiker für alle Altersgruppen zurückgreifen wollen. Sicher gibt es auch Versuche von sogenannten Kinderbuch-Experten Literaturkanons für Kinder und Jugendliche zu veröffentlichen, aber die einzige, wirklich ernstzunehmende Expertin ist und bleibt Monika Osberghaus mit ihren Veröffentlichungen „Was soll ich lesen? 50 beste Kinderbücher“ (Deutscher Taschenbuch Verlag) oder „Schau mal! 50 beste Bilderbücher“. Und hier liegt auch die Schwierigkeit, was ist denn das wirklich „beste“ Buch für Kleinkinder, Kinder, Jugendliche?

Die „Romantherapie“ soll helfen! Die Autorinnen Ella Berthoud, Susan Elderkin und Traudl Bünger stellen 233 Bücher, vom Pappbilderbuch bis zum Jugendbuch, vor, die Kinder glücklich, gesund und schlau machen sollen. Wenn Kinder und Jugendliche an Schmerzen, welcher Art auch immer, leiden, Bücher sollen anstelle von Pillen, Umschlägen, langen Reden oder sinnlosen Behandlungen helfen. Und zu allen möglichen Themen, von Abenteuerlust bis Zwilling sein, warten die Autorinnen mit ebenfalls den zehn besten Büchern auf, ob es nun um Dystopien, Schulwechsel, Abenteuerbüchern oder Bücher für Pubertierende geht. Ganz nah an den Lesenden bleiben die Autorinnen mit ihren gut lesbaren Rezensionen und empfehlen zum größten Teil aktuelle Bücher der letzten Jahre aus dem englischen- und deutschsprachigen Raum. Natürlich sind die Skandinavier auch dabei. Wichtig sind die „Hilfe für Erwachsene“. In diesen Texten wenden sich die Autorinnen mit ihren Empfehlungen an erwachsene Leser, die auf manche Lektüren vielleicht doch anders schauen sollten als ihre Kinder.

Mit Freude blättert der Fachmann oder die Fachfrau durch dieses Buch, in dem zum Glück nicht allzu viele Klassiker auftauchen, und freut sich, wenn Jugendbücher, die in den letzten Jahren erschienen sind, endlich mal eine ordentliche Besprechung und Einordnung erfahren, z.B. „Vierzehn“ von Tamara Bach, „abends um zehn“ von Kate de Goldi oder “Eleanor & Park“ von Rainbow Rowell. Sicher sollte man mit der Formulierung, das sind die „besten“ zehn Bücher, vorsichtig sein, denn sie sind es garantiert nicht. Viele gute Titel fehlen, z.B. bei „Die zehn besten Bücher für unter Zwölfjährige, um den zweiten Weltkrieg zu verstehen“ vermisst man einen Titel von Klaus Kordon oder von Peter Härtling „Krücke“ oder „Oma“.
Bei „Die zehn besten dystopischen Lektüren“ fehlt von Susan Beth Pfeffer „Das Leben, das uns bleibt“ und vor allem Ursula Posnanszkis Mehrteiler „Die Verratenen – Eleria Trilogie“.
Aber trotzdem, Hut ab vor diesem Band, der sich wirklich der aktuellen Literatur widmet und nicht den üblichen Verdächtigen. Wie die Zusammenarbeit und der Austausch unter den Autorinnen verlief wird leider nicht mitgeteilt.

So sagte Susan Elderkin in einem Interview: „Unser Buch ist für alle gedacht, die Kinder beim Aufwachsen begleiten: Eltern, Großeltern, Paten, Lehrer.“
Und für sie ist „Die Romantherapie für Kinder“ eine wahre Fundgrube.