Ehemänner

Jami Attenberg: Ehemänner, Aus dem Englischen von Barbara Christ, Schöffling & Co. Verlag, Frankfurt a.M. 2017, 321 Seiten, €24,00 , 978-3-89561-204-6

„Aber Alice weiß alles. Und ich vermute mal, Davis auch, so wild, wie er darauf war, diese Fotos in die Finger zu kriegen. Niemand von uns sollte mehr als die anderen über Martin wissen und dadurch mächtiger sein. Auf keinen Fall darf ich die Abgehängte sein, die wartet, vertrauensvoll, unwissend, für immer.“

Jarvis Miller, die Ich-Erzählerin, lebt in einem Loft in Williamsburg mit Blick auf die Skyline von Manhattan. Seit dem Unfall ihres Ehemannes Martin vor sechs Jahren verbringt sie die Tage irgendwie. Nur der Mittwoch ist ein strukturierter Tag, denn dann fährt sie mit ihrer Lieblingstaxifahrerin Missy nach Beverly Home in Queens, um ihn zu besuchen. In Rückblenden erinnert sich Jarvis, wie sie Martin, der aus einer religösen Familie aus Seattle stammt, einst kennenlernte. Als mittlerweile anerkannter Maler steigen die Preise für seine Bilder in die Höhe. Geld spielt somit keine Rolle. Als Jarvis und Martin sich begegneten, hängt die Erzählerin dieser Geschichte zwischen verschiedenen künstlerischen Projekten profillos fest und nimmt ziemlich viel Drogen. Mit Martin, der ihr koksen nicht duldet, erhält ihr Leben einen Sinn, auch wenn sie sich auf seine Eigenarten einstellen muss.

Als Jarvis in einem Waschsalon, ihre Waschmaschine hat den Geist aufgegeben und sie wartet immer noch auf den Scheck von Alice, Martins Galeristin, drei Ehemänner kennenlernt, verändert sich ihr Leben. Sie schaut wieder über ihren Tellerrand hinaus, beendet ihre Tagträume, ergibt sich nicht ihrer Trauer und handelt. Die Ehemänner sind Immobilienhändler, Autor und Hausmann mit Baby und alle verbindet, dass sie finanziell von ihren Frauen abhängig sind.
Martins Galeristin hatte ihr ein Angebot gemacht, sie möchte gern Martins Kunst im MOMA ausstellen. Aber Jarvis zögert noch, beeinflusst von Davis, der ebenfalls im Besitz von Martins Bildern ist. Wie kleine Kinder streiten sich die Galeristen um die Bilder ihres wertvollsten Künstlers. Jarvis mag die zupackende, zielorientierte Alice nicht mal, aber der Kummer schweißt sie zusammen. Schon lange wurde von Martins Fotos gesprochen, die in Alice’ Archiven verschwunden sind. Fast eifersüchtig versucht Jarvis, alles von Martin zu sichten. Als Alice nicht in New York ist, holt sich Jarvis die Fotos aus der Galerie und ist schockiert.

Stinksauer betrachtet sie die pornografischen Fotografien, und scheint eine andere Seite ihres Mannes zu entdecken.
Der Leser begleitet Jarvis und ihre Gedankenströme, er taucht mit ihr in die Künstlerszene ein, die vielleicht gar nicht so spektakulär ist. Beim Lesen fällt auf, dass Jarvis selbst so wenig Kontur hat. Auch wenn sie sagt, dass sie jederzeit gehen könnte, ist nie klar, was sie eigentlich selbst beschäftigt, wer sie eigentlich ist.
Auch wenn sie eine treue Ehefrau bis zur Entdeckung der Fotos ist, so bleibt sie als Figur beim Erzählen der am Ende tragischen Ereignisse doch seltsam blass.