Mehr Schwarz als Lila

Lena Gorelik: Mehr Schwarz als Lila, Rowohlt Verlag, Berlin 2017, 251 Seiten, €19,95, 978-3-8713-4175-5



„Ich sage verschwunden, aber eigentlich weiß ich, dass Paul gegangen ist. Wegen mir, wegen dir, wegen uns.“

Die 17-jährige Alex ist die Erzählerin dieser Geschichte, in der drei Jugendliche und ein junger Referendar die Hauptfiguren sind. Alex und Paul sind dicke Freunde, später gesellt sich Ratte mit den Rastas zu ihnen. Kompromisslos, anders, einfach nicht normal wollen sie sein. Alex trägt immer Schwarz bis hin zum Pyjama. Die drei empfinden sich als Familie, sie gehen mit der ängstlichen Ratte zum Zahnarzt, sie tauschen ihre Musik von Deep Purple, Pink Floyd, Bob Dylan, van Morrison aus, übernachten gemeinsam im Garten auch wenn es noch so kalt ist, erfinden Spiele, die „Stell dir vor“ oder „Ist mir doch egal“ heißen. Paul schenkt Alex ein Notizbuch, in die das sie ihre Oxymora schreibt, er liest Seneca und das nicht nur für den Latein Leistungskurs. Alex hat ihre Mutter früh verloren und Paul lebt mit einem behinderten Bruder und fühlt sich zeitweilig einsam in der eigenen Familie. Ratte liebt ihren fordernden und manchmal peinlichen Vater und entdeckt ihre Liebe zu F., einer Schulkameradin, die Alex einfach nur blöd findet.

Doch dann verändert sich in dieser Dreierkonstellation schleichend etwas. Ein „Du“ erscheint im Gedankenstrom der Protagonistin. Dieses Du ist der neue Referendar, Herr Spitzing, vielleicht zehn Jahre älter als die Jugendlichen, aber jung genug, um ihnen noch nah zu sein. Sie nennen ihn Johnny und verbringen Zeit mit ihm. Keine gute Idee, wie die älteren Kollegen signalisieren. Und schnell wird klar, dass Alex Hals über Kopf in den jungen Johnny verknallt ist, jedoch spürt, dass er diese Gefühle nicht erwidert.

Alles beginnt mit Pauls Verschwinden und der Andeutung eines Fotos, dass im Netz kursiert. Ein Kuss vor dem Galgen in Auschwitz.

Souverän und lebendig erzählt Lena Gorelik diese Geschichte über Freundschaft, Vergebung, Suche, Liebe und vor allem Schuld, in der Alex, Paul und Ratte Grenzen überschreiten, einander helfen und doch auch verletzen, indem sie Fragen stellen, deren Antworten zu weh tun, um sie auszusprechen.