Die Götter sind los

Maz Evans: Die Götter sind los, Aus dem Englischen von Ilse Rothfuss, Chicken House im Carlsen Verlag, Hamburg 2017, 335 Seiten, €14,99, 978-3-551-52090-6



„ Am Montagmorgen musste Elliot zugeben, dass es sich gelohnt hatte, einen Kuhstall voller Unsterblicher auf dem Hof zu beherbergen.“

Der zwölfjährige Elliot Hooper wohnt nicht unweit von Stonehenge auf einem mittlerweile etwas heruntergekommenen Hof und ahnt nicht, was alles auf ihn zukommen wird. Allerdings hat er schon genug eigene Sorgen, immerhin steht er kurz vor einem Schulrauswurf, seine Mutter ist offensichtlich dement und wenn er nicht bis nächsten Freitag 20000 Pfund bezahlen kann, steht er samt Mutter auf der Straße. Da schwirrt aus den Himmelsgefilden, genauer gesagt dem Elysium das Sternbild Jungfrau, kurz Virgo, mit ihren 1946 Jahren auf die Erde. Völlig verbürokratisiert ist der Zodiak-Rat und Virgo hat einfach keine Lust mehr auf die langweiligen Regeln, Vorschriften und ihren Job als Hüterin des Büromittelschrankes. Flugs schnappt sie sich das Unsterblichkeitselixier und will es als kurzes Abenteuer nur mal schnell dem Gefangenen 42 bringen. Der allerdings sitzt in Stonehenge seit gut 2000 Jahren, verbannt von Zeus. Als Elliot Virgo den Ort zeigt und den Gefangenen, der Elliot die Heilung seiner Mutter verspricht, auch noch berührt, nimmt das Unheil seinen Lauf. Keinen geringeren als Thanatos, den König der Dämonen, haben die beiden nun freigelassen. Virgo ahnt, dass das großen Ärger geben wird und ihr Handbuch Was ist was? wird ihr nicht helfen.
Elliot reist nun mit Virgo und Charon, der ja eigentlich die Seelen der Toten in die Unterwelt fährt, auf seinem Boot durch die Welten der Unsterblichen.

„War ein guter Broterwerb – die Toten wurden immer mit einer Münze im Mund begraben, als Lohn für die Überfahrt. Das macht heute niemand mehr. Liegt vermutlich am bargeldlosen Zahlverkehr.“

Nachdem sich Virgo vom Zodiak-Rat in den Boden gestampft wurde, kommt sie mit Hilfe von Hermes mit seinem iGod und Apps und Elliot auf die Idee, vielleicht bei Zeus mal nachzufragen, wie sie Thanatos finden könnte. Dieser ist natürlich mit seiner x-ten Hochzeiten auf der Erde beschäftigt. Alle Unsterblichen, auch seine Töchter Aphrodite und Athene, leben unter den Menschen, die eine betreibt etwas Ähnliches wie einen Schönheitssalon und die andere lehrt an der Universität. Der gute Zeus mit seinem dicken Bauch hat wenig Einfluss auf seine Töchter, nur Elliot gelingt es mit einem Trick, die beiden für seine Sache zu entflammen. Mittlerweile hat Thanatos seinen Bruder Hypnos gefunden, der als Multimillionär auf Erden lebt und will von ihm die Chaos-Steine zurück, die er im Auftrag des Zeus verschwinden ließ. Hätte Thanatos die Steine, wäre die Macht auf seiner Seite. Elliot ist immer noch dabei, da er hofft, durch den Erdenstein zu Geld zu kommen, um wenigstens den Hof zu retten.

Am Ende sitzen die Götter bei Elliot in der Scheune und beraten sich. Inzwischen kümmert sich Demeter um den Anbau von Bananenpflanzen, eine typisch englische Frucht.

Trotz Magie, der Prophezeiungen des Orakels von Delphi, Elliot könnte den Tod des Thanatos verursachen, dem skandalösen Auftritt der Queen und den schlechten Umgangsformen der Götter, die sich dauernd streiten müssen, kommt die Geschichte zu keinem Ende, denn der Band „Die Götter sind los“ ist der erste Teil der Chaos-Geschichte.

Ein paar Dinge klären sich zum Glück am Ende zum Guten, immerhin muss Elliot mit seiner Mutter nicht den Hof verlassen. Witzig jedoch ist diese Geschichte über die unsterblichen Sternbilder und Götter mit ihren Lastern allemal, zumal ihnen alles Menschliche nicht fremd ist, wie langweilige Versammlungen, Absprachen, die nie eingehalten werden oder elend lange Streitereien.
Erwachsene Leser amüsieren sich sicherlich bei all den Anspielungen auf die moderne Welt, Kinder vielleicht auch.