Die unbekannte Schwester

Theresa Prammer: Die unbekannte Schwester, List Verlag, Berlin 2017, 380 Seiten, €14,99, 978-3-471-35139-0

„Ob Anton Jäger sich wirklich freiwillig das Leben genommen hatte, wusste ich nicht. Aber Konrad hatte recht gehabt. Seine Nachbarin hatte sich die Begegnung mit der großen Frau nicht eingebildet.“

Es ist nicht einfach, eine Idee für einen Kriminalroman über drei Bücher zu strecken. Der Leser, der diesen Roman in Händen hält, braucht eine Weile, um zu verstehen, in welchen Beziehungen die einzelnen Figuren zueinanderstehen. Am 6.Todestag der immer noch berühmten Operndiva Maria Fiore erscheint im Wiener Tagblatt ein diffamierender Text über die Künstlerin. Kurze Zeit später finden die Ermittler Lotta Fiore und ihr Partner Konrad Fürst den Journalisten Anton Jäger, der sich angeblich selbst getötet hat. Lotta Fiore ist die Tochter von Maria Fiore. Die einst im Rampenlicht stehende Sängerin hatte Lotta, da hieß sie noch Julia, mit vier Jahren von einem Rummelplatz entführt. Ihre eigene Tochter Henriette erschien ihr nicht Wert genug zu sein. Aber auch Lotta war nicht die Lichtgestalt, die sie sein sollte. An diesen Erwartungen der Mutter nicht zu zerbrechen, führte zu vielen problematischen Konflikten bis hin zum Selbstmordversuch. Konrad Fürst ist der Vater von Julia. Er hatte seinen Polizeidienst aufgegeben, um sein Kind über 26 Jahre zu suchen. In den ersten beiden Romanen standen diese Themen im Vordergrund. Nun haben sich Vater und Tochter gefunden und arbeiten sogar zusammen. Lotta ist als sogenannte, nicht umstrittene Quereinsteigerin bei der Polizei gelandet. Ihr Freund Hannes ist ebenfalls bei der Polizei, beide haben ein Baby. Um dieses Baby kümmert sich Henriette, eine psychisch instabile Person. Und hier beginnen auch schon die Fragen des Lesers, der die vorangegangenen Bände nicht kennt. Warum übergibt eine Frau ihr Baby, Schwester hin oder her, einem Menschen, der selbst enorme Probleme hat? Als Lotta herausfindet, dass ihr Freund versucht, ihren aktiven Polizeidienst zu verhindern, klafft ein zweiter Konflikt weit auf.

Lotta und Konrad sind der Meinung, und finden dafür auch Beweise, dass Anton Jäger ermordet wurde. Beim Journalisten findet Lotta sogar einen Zettel mit ihrem Namen und dem bewussten Datum, 1. Mai, dem Tag an dem sie entführt wurde. Hatte er über die Entführung der Operndiva recherchiert? Wollte er diese unerhörte Tat öffentlich machen und somit Schmutz über eine berühmte Tote auskippen? Nur Lotta und Konrad kennen die Wahrheit. Und dann taucht auch noch ein Fernsehjournalist auf und versucht mit einen Film über den Polizeichef Krump an Lotta heranzukommen.
Thematisiert werden in diesem Krimi allzu viele Konflikte, es geht um falsche Erwartungen, Alkoholsucht, öffentliche Reputation, üble Nachreden und verschmähte Liebe und Leidenschaft.

Theresa Prammer tischt dem Leser einen ziemlich überkonstruierten in sich unglaubwürdigen Krimiplot auf. Vielleicht kann man sich auf die Auflösung all der Ungereimtheiten einlassen, wenn man die beiden Vorgängerromane kennt.