Willkommen in der unglaublichen Welt von Frank Banning

Julia Claiborne Johnson: Willkommen in der unglaublichen Welt von Frank Banning, Aus dem amerikanischen Englisch von Teja Schwaner und Iris Hansen, Aufbau Taschenbuch, Berlin 2016, 416 Seiten, € 12,99, 978-3-7466-3266-7



„ Frank hatte die merkwürdige Art zu reden, als würde er von einem in mittlerer Entfernung aufgestellten Teleprompter ablesen. Er schob seine Hand in meine und schenkte mir das strahlend vertrauensselige Lächeln eines kleinen Kindes, ein Lächeln, das die Herzen der Zyniker in Werbespots für Grußkarten erweichen lässt und uns glauben macht: Ja, eine Grußkarte kann die Welt versöhnen, eine Familie nach der anderen.“

Aber so heil und wunderbar ist die Welt nicht. Alice Whitley, die Ich-Erzählerin, wird mit ihren 24 Jahren in einen seltsamen Haushalt von New York nach Kalifornien geschickt, um sich um die Schreibarbeit einer ziemlich bekannten Autorin zu kümmern. Sie soll und muss endlich ihren Roman schreiben. Einst in jungen Jahren als „Fräuleinwunder“ durch nur einen schmalen Roman bekannt und wohlhabend geworden, überkam M.M.Banning eine ausgewachsene Schreibblockade. Doch nun sind die angelegten Gelder im Orkus verschwunden und die Autorin muss mit ihren Mitte 50 endlich wieder etwas leisten. Im Grunde ist dem Verleger egal, ob es ein literarische Knaller wird, denn verkaufen wird sich das Buch so und so, ob es nun etwas taugt oder nicht. Alice’ Aufgabe ist es aber nicht nur, die Fortschritte der Autorin zu begutachten und dem Verleger möglichst oft Bericht zu erstatten, sie soll sich auch um den neunjährigen Sohn kümmern. Und hier beginnen die Probleme. Nein, eigentlich schon früher, denn besagte Autorin, Mimi, ist nicht gewillt, Alice als Assistentin zu akzeptieren. Ihr Sohn Frank ist da zugänglicher, auch wenn er sich nicht altersgemäß benimmt. Er liebt die Zeit zwischen 1930 und 1940 und so kleidet er sich auch wie ein Gentleman. Seine Begeisterung für die Filme mit James Cagney oder Fred Astair führen nicht dazu, dass er in der Schule oder in seiner Wohngegend Freunde gewinnt. Als Alice Frank in Ausstellungen mitnimmt, rast er nur so durch die Räume, bekommt aber vieles mit. Der Grund, Frank stiehlt alles, was ihn fasziniert. Frank redet künstlich, schreit, wenn jemand ihn oder seine Sachen berührt und ist doch so zerbrechlich liebenswert, wie jedes Kind.

Alice hat es nicht einfach, denn Mimi ignoriert sie einfach, verkriecht sich den ganzen Tag in ihrem Zimmer und scheint, laut klappernd auf der Schreibmaschine etwas zu Wege zu bringen. Da noch Ferien sind, versucht Alice mit Frank endlich mal aus dem Haus zu kommen. Doch seine Panik vor der Außenwelt ist, keine Frage, von Mimi geschürt und gepflegt. Auch Mimi verlässt nie das Haus, scheint auch keine Kontakte zu pflegen. In ihrer Beziehung zu ihrem Sohn hat sie für ihn Luftschlösser gebaut, die mit der realen Welt nicht übereinstimmen. Er denkt, er sieht aus wie der kleine Prinz und benimmt sich auch so. Als die Schule dann wieder beginnt, gewinnt Alice einen wahren Blick in Franks schrecklichen Alltag. Tausende Informationen, mehr oder weniger gehaltvoller Natur, mit denen sogar Erwachsene möglicherweise überfordert wären, spuken durch Franks Kopf.

„In seinem riesigen Gehirn war so viel Wissen, dass er von Zeit zu Zeit etwas davon rauslassen musste, weil sonst sein Kopf explodieren würde, wie der seines Großvaters.“

Und so wird der Junge in der Schule, schon seines Aussehens und Sprechens wegen, gemobbt. Franks Fantasie jedoch sprudelt ebenfalls über und so denkt er sich eine Freundin aus, mit der er Zeit verbringt. Als Alice dies erkennt, ist sie dem seltsamen Kind schon längst verfallen. Das einzige männliche Vorbild, fast kaum wird über Franks Vater gesprochen, ist ein Hüne namens Xander. In ihn verguckt sie die gute Alice und weiß doch, dass das ein Fehler ist.

Ob Mimi mit ihrem Buch fertig wird, spielt bald keine Rolle mehr, denn Alice widmet all ihre Zeit und Gedanken dem unergründlichen Frank und seinen Problemen mit der Außenwelt, die immer größer werden.

„Frank hatte zwei Mammis. Ehrlich gesagt, hätte der Junge ein ganzes Dutzend brauchen können.“

Nur mit Humor und Einfühlungsvermögen kann sie mit der Situation klarkommen und so liest sich auch dieser kurzweilige Roman, bei dem man mehr als einmal schmunzeln muss. Allerdings lacht man nicht über die fiktiven Figuren, sondern eher über die Beschreibungen der Autorin und ihrer Sichtweise.

„Immer wenn man den Kleinen am liebsten vor Wut erwürgt hätte, hatte er eine Überraschung parat, die einem den Wind aus den Segeln nahm.“

Frank passt einfach nicht in diese Welt und nicht nur er spürt dies genau. Eine wundersame Geschichte voller Kapriolen und Wendungen, unterhaltsam, originell und sicher filmreif.