Die Sterntaler – Verschwörung

Jan Seghers: Die Sterntaler – Verschwörung, Kindler Verlag, München 2014, 496 Seiten, €19,95, 978-3-463-40315-1

„… Man spricht seitdem vom Chicago-Effekt. Über jemanden, der auf diese Weise umgekommen ist, sagt man, er sei den Schnüfflertod gestorben.“

Der Ministerpräsident von Hessen, Rolf-Peter Becker, ist wohlbeleibt und verköstigt am liebsten Süßkram. In seinem Büro schaut er klammheimlich Disney Filme und weiß, dass seine Umfragewerte in den Keller sinken. Seine politischen Mitstreiter sehen sich genötigt, in Anbetracht dessen, dass die Linken mit ins Regierungsboot steigen könnten, zu drastischen Mitteln zu greifen. So versuchen sie dem abdrüngigen Freiherrn Johann von Münzenberg als Landtagsabgeordneten kinderpornografische Fotos unterzujubeln. Aber irgendwie lief die Sache schief und nun hat der junge Süleyman die Fotos gefunden. Dass hinter dieser abgefeimten Tat auch noch ein Bulle steckt, macht alles noch komplizierter. Frisch im Dienst wird der Polizist Daniel Fichtner vom Bullen Axel Rotteck, der jetzt beim LKA arbeitet, gleich in die Arbeit eingeführt. Ein Bulle ist derjenige, der mit den reichen Wölfen heult, hier und da mal Geld oder Drogen bei Festnahmen abzweigt und diese dann mit den anderen in einen Fond für die Witwen und Waisen einzahlt. Diese moderne Robín-Hood-Geschichte scheint Fichtner zu beeindrucken, denn Rotteck fotografiert den jungen Kollegen gleich mal mit einem Bündel Geldscheinen.

Parallel zu dieser Geschichte spannt Hauptkommissar Robert Marthaler zum ersten Mal nach Wochen endlich aus. Er will seiner tschechischen Freundin Tereza endlich einen Heiratsantrag machen. Aber dann ruft Anna, eine Journalistin aus Hamburg an, die Marthaler aus früheren Zeiten kennt und bittet ihn nach der 68-jährigen Herlinde Scherer, einer investigativ arbeitenden, ziemlich bekannten Journalistin zu suchen. Sie recherchiert in Frankfurt und Anna macht sich seit dem letzten Telefonat mit ihr Sorgen.
Als Marthaler nach seinem missglückten Antrag, Tereza will für ein Jahr nach Prag gehen und hat auch noch einen anderen Mann kennengelernt, etwas mürrisch im ziemlich heruntergekommene Hotel nach Herlinde Scherer fragt, findet er nur noch eine brutal ermordete Leiche. Der Mörder hat der Journalistin ins Auge geschossen. War sie auf einer Spur, die nicht verfolgt werden sollte und deren Informationsgehalt schon gar nicht in die Öffentlichkeit dringen sollte?
Marthaler jedenfalls holt seine Leute und wird dann von Axel Rotteck, den er nie ausstehen konnte, ziemlich aggressiv des Ortes verwiesen. Es übernehme das LKA Wiesbaden, heißt es. Sogar der Spurensicherung nimmt Rotteck die Tütchen ab. Natürlich weiß Rotteck, dass Marthaler nun Feuer gefangen hat und nicht die Hände in den Schoß legt. Er beginnt klammheimlich gemeinsam mit Anna zu ermitteln. Robert Marthaler beißt sich in seine Fälle fest und findet keine Ruhe, bis nicht klar ist, wer der Schuldige war. Bei einem längst zu den Akten gelegten Vergewaltigungsfall mit Todesfolge konnte Marthaler herausfinden, dass die Spuren des Täters sich über Europa verteilen. Drei ähnliche Fälle hatte Marthaler aus den Aktenbergen herausgefiltert. Und dann kommt seine Kollegin Elvira auf den entscheidenden Gedanken und der Täter ist enttarnt. Marthaler schaut sich zwar nie im Spiegel an, aber wenn er es mal tut, muss er sich nicht schämen, auch wenn er wiedermal abgearbeitet aussieht.

Auch der junge Fichtner, der bald Vater wird, will seine Berufsehre nicht verlieren und meldet sich zuerst anonym bei Marthaler, um ihm Informationen über den Fall Scherer hinter dem Rücken von Rotteck zukommen zu lassen. Alle Fäden führen in den Club Sterntaler, in dem sich entscheidende Leute getroffen haben, um die mögliche politische Wende in Hessen zu verhindern. Es sind Politschergen, Industrielle und ein bestimmter Bulle.

Jan Seghers alias Matthias Altenburger liefert gut recherchiert ein getreues Soziogramm auf die Politszene in Hessen und undurchsichtige Machtstrukturen. Immerhin spielt der Krimi im Jahre 2008 und wer will, kann hinter der fiktiv angelegten Handlung die realen Akteure erkennen. In dieser “gesellschaftlichen Komödie” wird vertuscht, gefälscht, korrumpiert und gemordet. Nicht sonderlich spektakulär, aber doch spannend erzählt, laufen schicksalhaft alle Fäden zusammen.

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