Hunde muss man gar nicht mögen

Martha Heesen: Hunde muss man gar nicht mögen, Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf, Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2014, 112 Seiten, €10,95, 978-3-8369-5733-5

„Nene reicht es auf einmal, dieses klebrige Getue mit dem neuen Hund. Sie war doch nicht umsonst hier? Jetzt musste endlich alles wieder normal werden. Sie wollte mit Coppe spielen, so wie früher. … Und dann konnten sie endlich mit ihrem Baumhaus anfangen.“

Kinder sind einerseits ehrlich, aber andererseits wollen sie Menschen, die sie mögen nicht wehtun. Hoch im Apfelbaum sitzt die neunjährige Nene und schaut auf die Welt. Aber alles hat sich verändert, seit ihr bester Freund Coppe diesen schweren Unfall hatte. Ein Motorrad hat den Jungen erwischt als er für das geplante Baumhaus etwas besorgen wollte. Nene hat Coppe im Krankenhaus besucht und nun ist er nach gut 79 Tagen wieder zu Hause.
Aber Coppe ist nicht mehr der alte Freund, den Nene kannte. Nichts interessiert ihn mehr. Nene spürt, dass die Erwachsenen von ihr erwarten, das sie mit Coppe spielt. Aber sie hat gar keine Lust dazu, denn Coppe hat einen neuen Spielgefährten, einen jungen Hund. Und wenn Nene eins nicht mag, dann sind das Hunde. Coppe hat nur noch Augen für seinen Vierbeiner, den er Wolf nennt und der atemberaubend schnell wächst. Auf den Baum steigen kann Coppe auch nicht mehr, denn Wolf kann nicht klettern. Coppes Interesse für das Baumhaus ist auch eingeschlafen. Nene fühlt sich, auch von Coppes ewig überbesorgter Mutter, unter Druck gesetzt.

„Sie fragte es mit ihrem freundlichsten Lächeln, aber sie sah Nene mit scharfen Augen an. Trau dich nur nicht, Nein zu sagen, so schaute sie.“

Zu gern würde das Mädchen einfach sagen, dass sie nicht mit Coppe spielt. Aber sie traut sich nicht, sie will niemanden enttäuschen. Als Nene dann mit der Auflage auf Coppe aufzupassen, dabei ist er genauso alt wie sie, mit ihm und seinem Hund spazieren geht, platzt ihr der Kragen. Sie sagt einfach, was sie fühlt. Sie mag den Hund nicht, sie findet Coppe langweilig und sie würde am liebsten nach Hause gehen.
Und dann ermuntert sie ihren extrem verunsicherten Freund, der glaubt, er könne nach dem Unfall nicht mehr schwimmen, auch noch im Fluss baden zu gehen.
Natürlich kann Coppe noch schwimmen. Als Nene kurz untertaucht, greift Coppe zu einem Stock und wirft ihn für Wolf. Hunde können, das hat Nene vorausgesagt, ohne Übung einfach so schwimmen. Woran Coppe nicht gedacht hat, ist die Strömung, die Wolf bei seiner Jagd nach dem Stock, ergreift und fortschwemmt.

Nene und Coppe werden splitternackt von der Pferdefrau aus dem Wasser gezogen und zu Hause erwartet sie ein Donnerwetter. Nene gibt sich an allem die Schuld.

Einfühlsam und gut nachvollziehbar erzählt die bekannte niederländische Autorin Martha Heesen aus Nenes Sicht von einer Freundschaft, die einfach nicht mehr funktionieren will. Nene erkennt nicht, wie lang ihr Freund braucht, um wieder gesund zu werden. Sie möchte gern, das alles so schnell wie möglich so wird wie vor dem Unfall. Aber immer wieder mischen sich die Erwachsenen ein und versuchen, Nene zu beeinflussen. Ihre eigenen Gefühle kann sie eine Zeit lang unterdrücken und muss dann doch loswerden, was sie denkt. Sie mag diesen Hund einfach nicht und doch wird sie sich auf den Weg machen, um ihn zu suchen, um Coppes Willen.

Post a Comment

You must be logged in to post a comment.