Herz aus Eis

Anne Ursu: Herz aus Eis, Aus dem Englischen von Maja von Vogel, Aladin Verlag, Hamburg 2013, 310 Seiten, €14,90, 978-3-8489-2005-1

„Seit dem Sommer gab es Tage, an denen sich Jacks ganzes Wesen zu verändern schien. Als wäre er plötzlich nicht mehr von Baseball, Burgen, Superhelden und anderen Jack-artigen Dingen erfüllt, sondern von etwas Kratzigem und Düsterem.“

Hazel und Jack, beide 11 Jahre alt, kennen sich schon ewig und nun gehen sie auch gemeinsam auf eine Schule, nachdem sich Hazels Eltern getrennt haben. Einst wurde Hazel in Indien von ihren amerikanischen Eltern adoptiert. Das Mädchen fühlt sich wie so oft auch in der neuen Klasse als Außenseiterin. Ihr fester Halt, auch in der Schule, ist der sympathische Jack. Er gibt ihr nie das Gefühl, dass er sie nicht ernst nimmt. In ihren Fantasiespielen ergänzen sich die beiden ganz wunderbar. Jack zeichnet und Hazel denkt sich gern Märchen oder Geschichten aus. Aber Jack will auch mit seinen Freunden Tyler und Bobby zusammen sein. Hazel eckt immer wieder in der Schule an, nur Jack versteht sie. Der Junge hat es nicht leicht zu Hause, denn die Mutter scheint schon seit längerer Zeit in Depressionen zu versinken. Es ist Winter, der Schnee fällt in Massen und die Kinder rodeln.

Aber dann geschieht etwas Seltsames. Plötzlich wendet sich die Erzählhaltung und eine neue Figur wird eingeführt. Wer ist er? Ein Kobold, ein Troll, ein Elf, ein Wesen mit einem unaussprechlichen Namen, der aus 47 Silben besteht? Jedenfalls führt er nichts Gutes im Schilde und zerstört mit seinem magischen Spiegel Jacks Leben. Ein winzig kleiner Splitter gerät durch Hazels Schneeballkugel in sein Auge und sein Wesen ändert sich durch die negativen Kräfte des Spiegels. Das klingt bekannt und erinnert an Hans Christian Andersens Kunstmärchen „Die Schneekönigin“. Das Wesen eines Kindes wandelt sich vom Gutartigen zum Garstigen. Auch Jack demütigt Hazel und bezeichnet sie als kindisch. Er folgt einer weißen Frau und wurde von Stunde an nicht mehr gesehen. Allerdings wollte Jack dieser Frau folgen, denn zu Hause bei seiner Mutter fühlt er sich wie nicht anwesend.
„Er war der unsichtbare Junge auf der Suche nach einem Ort, an dem ihn niemand finden konnte und an dem er sich nicht mehr unsichtbar fühlen musste.“

Viele Anspielungen, die bekannte Kinderbücher, wie z.B. „Die Zeitfalle“, „Alice im Wunderland“, „Coraline“, „Narnia“, weitere Märchen von Andersen oder „Harry Potter“ zitieren, durchziehen die Handlung und lassen die Fantasie spielen.

Hazel begibt sich im Zauberwald auf die Suche nach ihrem Freund und begegnet seltsam freundlichen, aber auch bösartigen Wesen. Der Wald verändert die Menschen, die ihn betreten und vielleicht ist es auch einfacher, sich seinem Schicksal zu fügen und wie Jack sich dem Eis hinzugeben.

Natürlich wird das nicht geschehen, denn Hazel kämpft um ihren Freund.

Anne Ursu geht in ihrem Kinderbuch vielen Fragen auf dem Weg in die Adoleszenz nach und verbindet die magischen Geschichten mit den Lebensumständen der Kinder. Irgendwann entwickeln sich Mädchen und Jungen in verschiedene Richtungen, da können sie noch so befreundet sein. Die Zeit der Gemeinsamkeiten, der Spiele endet und sie finden sich vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt wieder. Aber noch sind sie sich nahe und doch verändert sich so einiges in ihrer Freundschaft.

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