Sündengräber

Kristina Ohlsson: Sündengräber, Aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann, Limes Verlag, München 2019, 477 Seiten, €20,00, 978-3-8090-2697-6



„Fredrika spürte, wie das Adrenalin durch ihre Adern rauschte. Ihr erster Gedanke: Ein Rächer. Sie hatten es mit einem Rächer zu tun. Der seine Opfer auf ein und dieselbe Weise sterben ließ wie andere Menschen, mit denen sie eine Schuld verband. Ein Täter, der Bücher und Briefe hinterließ, um den Ermittlern eine Botschaft zu hinterlassen.“

Alle Beteiligten in dieser fiktiven Geschichte von Kristina Ohlsson, ob Ermittler, aus der Bahn geworfene ehemalige und aktive Polizisten oder Mordopfer tragen schwere Schuld mit sich oder mussten innerhalb der Familie große Verluste beklagen. Kriminalkommissar Alex Recht erinnert sich immer wieder an den Tod seiner ersten Frau und Kriminalkommissarin Fredrika Bergman wird ihren geliebten und unheilbar kranken Mann Spencer Lagergren, der seinem Leben in der Schweiz ein Ende setzen wird, verlieren. Aber auch Spencer hat sich schuldig gemacht, als er vor Jahren eine junge Frau angefahren und sich seiner Verantwortung entzogen hatte. Ein Brief, den er hinterlassen wollte, erklärt Fredrika alles. Allerdings wird sie diesen durch die Ermittlungen früher zu Gesicht bekommen und ihren Mann, wenn auch nur kurzzeitig, verdächtigen.

Kristina Ohlsson erzählt den letzten Fall der beiden schwedischen Ermittler aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Nur langsam kann der Leser die unterschiedlichen Puzzleteile zusammensetzen, denn parallel nehmen unterschiedliche Verbrechen, wie Entführung und symbolisch aufgeladene Morde ihren Lauf.

Fredrika hat Alex nichts von ihrem privaten Drama erzählt, aber er spürt, dass sie sehr bedrückt ist.
Beider Unzufriedenheit über diesen Zustand wird noch durch die Umstrukturierung der Abteilung verschlechtert, denn nun müssen sie sich mit ihrer neuen wie verhassten Chefin Margareta Berlin auseinandersetzen. Außerdem gehört auch Kriminalkommissar Torbjörn Ross zum Team und diesen nicht gerade feinfülligen Kollegen mag niemand.

Der erste Tote ist Malcolm Benke, er wird in einem Sessel vor dem Kamin erschossen aufgefunden. Am Finger trägt er den Ehering seiner ebenfalls auf die gleiche Weise in London erschossenen Tochter. Ein Foto liegt in unmittelbarer Nähe und bringt die Polizei auf die Londoner Spur. Doch warum hat der Mörder diesen Ring und offensichtlich auch das Foto für die Polizei platziert? Außerdem erhält Alex einen anonym zugesandten Brief, in dem steht, dass der Mörder alles wieder gut machen will. Der Roman von Morgan Sander, einst als Buch im Selbstverlag und in geringer Auflage erschienen, mit dem Titel „Ich mache alles wieder gut“ wird in der Nähe der nächsten Opfer von der Polizei gefunden. Wer will Alex auf die Sprünge helfen, ihn aber auch demütigen? Jemand scheint sich zu rächen, jemand, der Einblick in die Polizeiarbeit hat und selbst etwas unglaublich Schreckliches erlebt haben muss.

Und dann ist da noch der Bestatter Noah Johansson. Er vermisst seinen Bruder Dan und dessen Familie, die angeblich nach Australien ausgereist ist. Allerdings hat sie das Haus in völliger Unordnung verlassen und die E-Mails, die Noah erhält, passen in der Wortwahl nicht zu Dan, der als Psychologe tätig war. Die Polizei nimmt Noahs Ängste nicht ernst.
Weitere Verbrechen geschehen und schnell wird klar, auch diese Morde spiegeln einstige Taten, die mit den Opfern in Verbindung stehen. Jemand will Vergeltung und der Polizei zeigen, dass er die Schuldigen richtet, da diese nicht in der Lage dazu ist.

Keine einfache Lektüre mutet Kristina Ohlsson in ihrem absolut spannend erzählten Thriller dem Leser zu, denn die durchgängig traurigen Lebensgeschichten, ob es nun ermordete Kinder, Gewalt in der Ehe, ungeklärte Unfälle mit Todesfolgen oder gar um die Auslöschung einer ganzen Familie geht, bedrücken doch im Laufe der Handlung. Kann es sein, dass Spencer hinter den Morden steht? Er, der sich doch als Literaturwissenschaftler bestens auskennt? Oder hat vielleicht Ross, der von den anderen eventuell unterschätzt wird, diese Morde begangen?

Keine der Hauptfiguren hat ein unbeschwertes Privatleben und diese Traurigkeit zieht sich durch den Roman wie ein Abschied von den Kriminalkommissaren Alex Recht und Fredrika Bergman. Im Nachwort bestätigt Kristina Ohlsson diesen Eindruck.

Fast schon bühnenreif

Lisa Rosinsky: Fast schon bühnenreif, Aus dem Englischen von Sandra Knuffinke und Jessika Komina, Magellan Verlag, Bamberg 2019, 316 Seiten, €17,00, 978-3-7348-5036-3

„Es war einfacher gewesen, ihr dafür böse zu sein, dass sie mir mein Zimmer, meinen Dad, mein ganzes Leben streitig machte, als sie noch die kleine katholische Miss Makellos gewesen war.
Jetzt jedoch war ich mir nicht mehr sicher, ob Miss „Nach der Messe erst mal eine qualmen“ nicht vielleicht eher ihrer Persönlichkeit entsprach. Oder irgendeine verrückte Mischung aus beidem, die ich absolut nicht zu fassen bekam.“

Acadia Rose Greenfields Welt verändert sich schlagartig, als ihr geliebter Vater Ross der Familie beichten muss, dass er noch eine Tochter hat. Elizabeth ist einige Monate älter als Cadie. Gezeugt wurde sie vor fünfzehn Jahren und erst jetzt hat Sunshine, Elizabeths Mutter, die im Sterben liegt, Ross informiert. Nach dem Tod von Sunshine, die in Ohio lebt, holt Ross seine zweite Tochter nach Baltimore. Cadies Eltern gehören der Hippie-Generation an, die einst in einem gemeinsamen Haus mit vielen anderen gewohnt haben. Doch im Laufe der Zeit hat sich viel verändert. Cadies Mutter ist eine gerechte aber auch strenge Schuldirektorin, Ross hat seinen eigenen Buchladen und beiden haben auch noch Josh, einen ganz ungewöhnlichen, ziemlich introvertierten Jungen, der Schostakowitsch hört, wenn er sauer ist und ausgezeichnet Cello spielt. Bisher war es so, dass eher der begabte Josh und seine ehrgeizige Mutter ein Team waren und Cadie und ihr Vater sich durch ihre Liebe zum Theater miteinander wohl gefühlt haben. Nun gehört Elizabeth dazu und die Familie muss sich neu finden, denn zwischen den Eltern von Cadie hängt verständlicherweise der Haussegen absolut schief. Auch wenn Ross so tut, als sei es ganz normal noch eine Halbschwester zu bekommen, kann Cadie ihm nicht verzeihen. Als sich auch noch herausstellt, dass Elizabeth ganz verrückt nach Büchern ist, fühlt sich Cadie immer mehr ausgeschlossen. Sie muss ein Zimmer mit der für sie fremden Person teilen und sie wird erleben, dass der Junge, den sie anschwärmt, sich für Elizabeth interessiert, die auch noch traumhaft gut aussieht und sehr weiß ist und somit nach dem Vater kommt.
Anfänglich gibt sich Cadie Mühe, denn die wie aus dem Ei gepellte und nicht unsympathische Elizabeth ist freundlich und irgendwie sehr fromm und katholisch. Cadie geht sogar zu Messe am Sonntag mit, da die Mutter nicht möchte, dass die neue Tochter allein geht.
Cadie hat fantastische Freundinnen und sie hat Talent zum Schauspielern. Jedoch im Augenblick ihres größten Triumphs, sie wird die Beatrice im Shakespeare-Stück “Viel Lärm um nichts“ spielen, platzt Elizabeth in die Familie und absorbiert alle Aufmerksamkeit.

In den kursiven Textteilen kommentiert Cadie ziemlich witzig, alles was um sie herum geschieht und macht auch nicht halt vor den Jungen, die sie anschwärmt.

Die Anspannungen in der Familie sind nicht zum Aushalten, denn die gekränkte Mutter legt all ihre Energie in die Talente ihres Sohnes, ohne nachzufragen, was er eigentlich möchte.
Cadie scheint viel zu gut erzogen, als dass sie wirklich offen sagt, was sie denkt. Sie zerbricht nicht an der neuen Halbschwester, die ihr auch nicht die Luft zum Atmen nimmt, denn sie erkennt ja, dass auch diese mit einem schweren Schicksalsschlag innerlich kämpfen muss. Für sie ist alles ungewöhnlich neu und sie hat den wichtigsten Menschen in ihrem Leben verloren.

Sehr ordentlich und ohne existenzielle Dramen erzählt die amerikanische Autorin Lisa Rosinsky aus Cadies Blickwinkel von dem Geschehen rund um die Teenager, die sich zum ersten Mal verlieben, ihre Leidenschaft fürs Theater entdecken, sich zum ersten Mal küssen oder mit Jungen verabreden.
Nicht mehr Kind sein und doch nicht erwachsen, die Zeitspanne ist heikel. Wenn dann noch persönliche Verunsicherungen dazukommen, ist es um so schwerer vieles einzuordnen und nicht ungerecht zu sein. Cadie ist nicht ungerecht, aber der Leser kann auch ihre Position verstehen.

Solides Jugendbuch – sicher ein Lieblingsbuch für alle, die vielleicht auch mal Theater spielen wollen oder für die Bühne schwärmen!

Hendrik zieht nicht um

Marian De Smet: Hendrik zieht nicht um, Aus dem Niederländischen von Andrea Kluitmann, Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2019, 123 Seiten, €12,95, 978-3-8369-5624-6

„Aber was sollen wir jetzt machen?“

Kinder hassen jegliche Veränderungen und wehren sich vehement dagegen. Der Ich – Erzähler Hendrik ist acht Jahre alt und hat einen allerbesten Freund, Berkan. Beide wohnen fast Tür an Tür und gehen in die gleiche Klasse. Alles ist wunderbar, wären da nicht die Umzugspläne von Hendriks Eltern. Neben Hendrik ist da noch sein kleiner Bruder und ein neues Baby. Für die Familie wird ihr Haus zu klein und Hendriks Eltern haben auch schon ein geräumiges Haus gekauft, allerdings am anderen Ende der Stadt. Hendrik weiß, dass der große Bruder von Berkan ihn vielleicht einmal oder zweimal zu Hendrik bringen würde, aber dann würden sie sich nicht mehr sehen, denn Hendrik muss auch noch die Schule wechseln.
Hendrik packt seinen Koffer und sagt seinem Vater, dass er nun bei Berkan wohnen wird. Aber die türkische Familie hat selbst nicht genug Platz und Berkan soll nach einigen Umbauten für die vielen Geschwister demnächst sogar bei der Urgroßmutter im Bett schlafen.

Die Jungen sind verzweifelt und beschließen gemeinsam abzuhauen.

Ihre Odyssee beginnt völlig ungeplant. Mit dem riesigen Koffer, der einfach zu schwer ist, plagen sie sich nur kurz ab. Sie haben kein Geld und schleichen sich einfach in ein Schülerkonzert, wo es Häppchen gibt. Sie lernen in einer Kirche Pia kennen, ein iranisches Mädchen, dessen Vater in den Hungerstreik getreten ist, damit er offizielle Papiere bekommt und in Belgien bleiben darf.
Und dann retten die drei auch noch einen kleinen Hund aus dem Fluss.
Riesig groß ist dieses Abenteuer, in dessen Verlauf zum Glück auf hilfsbereite Menschen helfen. Hendrik verspricht in seiner kindlichen Einfalt dann auch noch Pia das neue Haus seiner Eltern. Die Idee steckt dahinter, wenn Pias Familie darin wohnt, dann kann seine Familie ja nicht umziehen, so Hendriks Hoffnung.

Marian De Smet hat diese Geschichte im Präsens geschrieben, der Leser ist sozusagen live dabei. Glaubwürdig und ohne falsche Sentimentalität versetzt sich die belgische Autorin in die Psyche und Gedankengänge ihrer jungen Protagonisten. Wir wissen, Hendrik hat es gut, er wird ein eigenes Zimmer haben und es nicht mit den Geschwistern teilen müssen, und er hat Eltern, die sich um sein Wohlergehen kümmern.
Berkan und Pia haben auch Eltern, die sich um sie sorgen, aber sie können ihnen nicht das bieten, was Hendrik haben kann. Aber das interessiert den Jungen gar nicht, er will seinen Freund nicht verlieren und glaubt, durch die Weglaufaktion etwas in seinem Sinne zu verändern. Im naiven Glauben, Pia etwas Gutes zu tun, verschenkt er einfach das neue Haus. Als der Vater ihm erklärt, das das so nicht funktioniert, versteht er dies auch. Und doch, die kindlichen Gedankengänge und die wahre Verzweiflung der Kinder, die am Ende gar nicht mehr wissen, wohin sie eigentlich wollen, liest sich überzeugend.
Und dann findet sich doch eine Lösung: Hendriks Eltern versprechen dem Jungen, dass er weiterhin mit Berkan in eine Klasse gehen kann.
Pias Schicksal bleibt offen. Fast zum Trost kann sie den Hund behalten. Ob Berkan sein Zimmer künftig wirklich mit der Uroma teilen muss, wird nicht gesagt.
Die belgische Autorin Marian De Smet bleibt in ihrer wirklichkeitsnahen Handlung im Rahmen des real Möglichen und das heißt, ein positives Ende, in dem alle Wünsche der Kinder erfüllt werden, wäre auch ein falsches.

Elly

Maike Wetzel: Elly, Verlag Schöffling&Co., Frankfurt a.M. 2018, 148 Seiten, €20,00, 978-3-89561-286-2



„Heimlich bin ich wütend auf meine Schwester. Sie nimmt mir alles weg. Ich habe kein Recht fröhlich zu sein, wenn meine Schwester leidet, wenn sie vielleicht tot ist, wenn sie allein in einen Keller eingesperrt, vergewaltigt, ohne Sonne, ohne vernünftige Nahrung vegetiert. Elly ist weg. Es gibt nichts anderes, was zählt. Ich wünsche mir, ich könnte fortlaufen.“

Plötzlich ist sie fort, die elfjährige Elly. Ihr Weg zum Judo-Training endet im Nirgendwo. Die Polizei beschuldigt erst den Vater, dann die Mutter. Alle sind empört, aufgeregt, enttäuscht, hilflos.
Aus den Perspektiven von Ellys Familie, der Mutter Judith, des Vaters Hamid und der älteren Schwester Ines, erzählt Maike Wetzel in ihrem Debüt vom Entschwinden eines Kindes und den Qualen der Zurückgebliebenen. Was ist mit ihr geschehen? Welche Horrorszenarien spielen sich in den Köpfen der Eltern ab? Kann ein Detektiv, vom Vater engagiert, die Tochter aufspüren?
Zwischen den Eltern macht sich ein bedrückendes Schweigen breit, sie entzweien sich durch den Schmerz, ohne Absicht. Sie arbeiten freiberuflich und vergraben sich in Plänen, um die innere Leere zu füllen. Niemand kann die Familie trösten, nicht mal eine Lösegeldforderung schafft Gewissheit.
Geht ein elfjähriges Kind einfach so fort? Passiert das nicht eher in der Fantasie, aber nicht im realen Leben.
Es ist der Albtraum, den man auch als Leser kaum aushalten kann. Maike Wetzel findet eine leise Sprache, die man ertragen kann, die nicht aufbauscht, sondern dezent und sensibel die Geschichte dieser Familie mit ihren Ängsten, ihrer Wut und ihrer Verzweiflung erzählt.
Vier Jahre später, ganz unerwartet, taucht eine Verschollene auf, ein Mädchen, eigentlich schon eine junge Frau, die nun die neue Elly spielt. Kann sie wirklich die wiedergekehrte Elly sein? Sie muss es sein, nur die Großeltern wenden sich ab, erkennen die Täuschung, wollen sich nicht betrügen lassen, im Gegensatz zu Judith, Hamid und Ines.
Die Flucht in die Lüge, in den Wunsch, endlich leben zu können, kann jeder verstehen.

Mein Weg mit Vanessa

Kerascoët: Mein Weg mit Vanessa, Aladin Verlag, Hamburg 2018, 32 Seiten, €14,95, 978-3-8489-0153-1

Auf dem Bilderbuchcover sieht man zwei Mädchen, die miteinander zur Schule laufen. Im Hintergrund ein gewöhnlicher Ort, der überall auf der Welt sein könnte. Eines der Mädchen ist neu in den Ort gezogen, sie wird von der Lehrerin der Klasse vorgestellt und sitzt ganz allein fast separat von ihren Klassenkameradinnen. Auch beim Sport fordert sie niemand auf mitzumachen.
Ohne Worte nur in grellen Farben, wenn die Emotionen hochkochen, begleiten wir das Mädchen auf ihrem ersten Schultag in der fremden Stadt. Auf dem Heimweg scheint ein arroganter Junge, das Mädchen verbal anzugreifen. Was er sagt oder warum er mit dem Finger auf sie zeigt, bleibt im Ungewissen. Nur ein Mädchen wird aufmerksam und sieht die Neue weinend davonlaufen. Das Mädchen versucht mit ihren Freunden zu sprechen, aber die sind nicht an der Neuen interessiert. Wie sehr das Mädchen, das der Neuen nicht geholfen hat, mit ihrem Gewissen ringen muss, zeigen die klaren Bilder, die den Alltag beschrieben und sich ohne großartig illustrierte Hintergründe auf die Figuren der Geschichte konzentrieren.
Am nächsten Morgen steht das Mädchen vor der Tür der Neuen und beide gehen Hand in Hand zur Schule. Aber auch die anderen Freunde des Mädchens haben sich Gedanken gemacht und schließen sich den beiden Mädchen an. Isoliert ist nun der blonde Junge, der die Gemeinschaft der Kinder mit Widerwillen registriert.
Was hat der Junge zu dem Mädchen gesagt? Warum sitzt sie so allein zu Beginn des Unterrichts?
Was ist da schief gelaufen? Warum geht sie nicht auf die anderen zu? Was würdest du machen, wenn du an ihrer Stelle wärst?
Dieses Bilderbuch ohne Worte eröffnet viele Anlässe für Gespräche, bei denen nicht unbedingt gleich das Wort Mobbing fallen muss.

Hinter dem Pseudonym Kerascoët verbergen sich die 1978 geborene Marie Pommepuy und der 1975 geborene Sébastien Cosset. Kerascoët – ein kleiner Ort in der Bretagne – steht für ausgezeichneten Comic und liebevolle Illustrationen. Das Künstlerehepaar lebt und arbeitet in Paris.

Gregs TAGEBUCH 13 – Eiskalt erwischt


Jeff Kinney: Gregs Tagebuch 13 – Eiskalt erwischt, Übersetzung von Dietmar Schmidt, Baumhaus Verlag, Köln 2018, 218 Seiten, €14,99, 978-3-8339-3659-3



„Wenn ich ein Tier wäre, wäre Winterschlaf GENAU mein Ding. Ich finde, am letzten Hersttag sollte jeder seinen Schlafanzug anziehen und sich zum Frühling eine Auszeit nehmen.“

Blöd nur, dass es mit dem Winterschlaf bei Menschen einfach nicht klappt. Auch Greg Heffley hat das, als er noch klein war, ausprobiert. Außerdem würde er dann ja auch Weihnachten verschlafen und das darf nicht sein. Wie immer rotiert in Gregs Kopf ein wunderbar komisches Gedankenkarussell, das sich mit allen möglichen Themen, passend zur Jahreszeit Winter im Tagebuuch wiederfindet. Seltsamerweise ist der Winter dieses Jahr zu Beginn der Aufzeichnungen ziemlich warm. Gleich sprudeln die Ideen zur Klimaerwärmung und etwas Panik entsteht bei dem Gedanken, welche Ungeheuer vielleicht in den Eismassen eingeschlossen sind, die durch das Schmelzen der Polkappen freigelassen werden könnten. Angeblich sollen ja eingefrorene Höhlenmenschen, Thema eines Filmes, den Greg gesehen hat, nach dem Auftauen wieder lebendig werden.

„Ich weiß nicht, ob so was wirklich passieren kann, aber FALLS heutzutage aufgetaute Höhlenmenschen rumlaufen, könnte der Hausmeister einer von ihnen sein.“

Greg bleibt sich treu, in dem er wiedermal die Hausaufgaben vergessen hat, seine Mutter an seinen und Bruder Rodricks „sozialen Fähigkeiten“ arbeitet und ihn auch wie immer von den elektronischen Geräten fernhalten möchte. Dabei steht Greg absolut auf Technik, er denkt, sie wird sein Leben ohne Frage auch in der Zukunft erleichtern.
Als die Wintertage dann mit Eis, Schnee und bitterer Kälte zuschlagen, darf Greg natürlich nicht vor dem Fernseher sitzen oder gar Computerspiele spielen. Er soll draußen sein und sich endlich wie ein richtiges Kind benehmen, was auch immer das sein soll.

Erstaunlich ist, dass Jeff Kinney auch zum 13. Mal treffsicher das Lebensgefühl seiner Hauptfiguren Greg, Rodrick oder Rupert beschreibt, ihre Alltagsabenteuer auf witzige Weise zeichnet und weiterhin die Jungen, die vielleicht nicht so gern lesen, in seine Comic-Geschichten mit viel Text hineinzieht.

Weißer Tod

Robert Galbraith: Weißer Tod, Ein Fall für Cormoran Strike, Aus dem Englischen von Wulf Bergner, Christoph Göhler und Kristof Kurz, Blanvalet in der Verlagsgruppe Random House, München 2018, 861 Seiten, €, 978-3-7645-0698-8

„Robin saß wie versteinert da. Sie versuchte, sich vorzustellen, wie es wäre, wenn er abdrückte. Er hatte behauptet, er würde sie durch ein Kissen hindurch erschießen, um das Geräusch zu dämpfen, aber vielleicht hatte er das mittlerweile vergessen, vielleicht würde er gleich vollends die Beherrschung verlieren.“

Wieder schwebt Robin während ihrer Arbeit beim Privatdetektiv Cormoran Strike zwischen Leben und Tod. Und alles nur weil sie in einem schwachen Moment, dem mutmaßlichen Mörder, ohne es zu ahnen, ein pikantes Detail aus ihrem Privatleben erzählt hatte. Sehr unprofessionell, wo doch Robin so enthusiastisch ihre Arbeit liebt und nichts spannender für sie ist, als in fremde Identitäten mit viel Schminke, neuer Augenfarbe, Perücke oder Brille zu schlüpfen, um Informationen abzuschöpfen.

Cormoran Strike, der einbeinige, groß gewachsene und übergewichtige Detektive ist zurück und mit ihm auch Robin, seine couragierte Mitarbeiterin, die er natürlich unbedingt wieder einstellen will, nachdem er sie nach dem letzten Fall gefeuert hatte. London feiert 2012 die Olympiade und Robin heiratet tatsächlich ihre Jugendliebe Matthew, um bereits während der Hochzeit zu erkennen, dass dies ein riesiger Fehler war. Längst ist das Vertrauen zwischen den beiden zerstört und als Robin begreift, dass Matthew ihre Anrufliste mit Telefonaten von Strike gelöscht hat, bricht erneuter Streit aus. Doch Robin geht auf Hochzeitsreise, mietet mit ihrem großspurigen, engstirnigen Mann und Bilanzbuchhalter ein Haus, der natürlich alle glauben lassen möchte, das Haus gehöre ihm.

Inzwischen jedoch erhält Strike in seiner Kanzlei einen seltsamen Besuch. Ein paranoider, junger Mann namens Billy Knight erzählt ihm, dass er vor Jahren als Kind gesehen haben will, wie ein Mädchen oder Junge vor seinen Augen getötet und in einer rosa Decke verscharrt wurde. Billy entzieht sich der Polizei, die Strike inzwischen hatte rufen lassen.
Ein weiterer Auftrag führt Strike allerdings dann doch zu Billy und zu seinem Bruder Jimmy Knight, einem radikalen Gegner des Establishments und der Olympiade. Der arrogante Kulturminister, Jasper Chiswell, behauptet, Jimmy und sein Widersacher, der Ehemann der Sportministerin, Geraint Winn, würden ihn erpressen. Worum es bei der Geschichte gehe, tue nichts zur Sache und sei angeblich vor sechs Jahren noch legal gewesen. Außerdem wolle Winn Chiswell aus dem Amt drängen. Robin wird kurzerhand mit Wissen der Assistentin Izzy, der Tochter von Chiswell, ins Unterhaus eingeschleust. Da Izzy den Job bald nicht mehr ausüben will, soll das schwarze Schaf der Familie, ihr Stiefbruder Raphael, die Arbeit übernehmen. Robin versucht eine Wanze, im Büro von Winn zu installieren und gelangt somit an wichtige Informationen. Doch bevor ihre geheime Identität aufgedeckt wird, wird Jasper Chiswell grausig ermordet.

Nun könnte ja Strikes Auftrag beendet sein, doch es kommt natürlich ganz anders. Die Tochter des Ermordeten glaubt, dass ihre Stiefmutter Kinvara, eine fanatische Pferdenärrin, den Ehemann ermordet habe. Allerdings hat sie nach Strikes Recherchen ein wasserdichtes Alibi, genauso wie ihr
Stiefsohn Raphael. Raff stammt aus einer außerehelichen Beziehung des feinen Kulturministers. Alkoholisiert hatte Raff eine junge Mutter totgefahren. Dank der guten Beziehungen seines Vaters musste er nur eine kurze Haftstrafe antreten. Natürlich hat der Vater den Sohn nie besucht. Allerdings hatte er ihm eine Stelle bei einem Galeristenfreund besorgt. Da Raff die blutjunge Assistentin verführt hat, musste er sich eine neue Arbeit suchen. Total geheim an der ganzen Geschichte ist jedoch, dass der amtierende Kulturminister pleite ist und seine Gemälde, u.a. mit besonderen Pferden aus dem Landhaus in der Galerie verkaufen wollte.
Wobei nun klar wird, dass Chiswell auch die Erpressersumme nie hätte zahlen können, denn seit 2008 hat sich sein Vermögen auch nach Transaktionen seines genialen Schwiegersohnes in Luft aufgelöst. Ohne lang raten zu müssen, der Tod des Familienoberhauptes Chiswell hat eindeutig mit Geld zu tun, gekränkter Eitelkeit und purem Hass.
Doch ehe Strike und Robin schnallen, was dies alles mit Billys Totengeschichte zu tun hat, vergehen hunderte Seiten und Strike hat alle Mühe, seine Observationsaufgaben zu erfüllen.

J.K.Rowling schafft es immer wieder, Figuren zu erschaffen, die zwar bestimmten Klischeevorstellungen vom einfachsten Arbeiter bis zum elitären Aristokraten entsprechen und trotzdem in Dialogen und Handlungsverläufen absolut glaubwürdig und lebendig erscheinen. Geschickt baut sie einen Spannungsbogen auf, der bis zum Ende der Geschichte durch alle Untiefen der englischen Gesellschaft führt und dem der Leser ohne Murren folgt. Zu hoffen wäre nur, dass Strike und Robin im nächsten Band endlich ein Paar werden und Strike endlich doch mal zu einer Frau sagen könnte: „Ich liebe dich!“.

Wir drei verzweigt

Robin Benway: Wir drei verzweigt, Aus dem Englischen von Jessika Komina und Sandra Knuffinke, Magellan Verlag, Bamberg 2018, 368 Seiten, €18,00, 978-3-7348-5032-5



„Da hatte sie Grace erst einmal gesehen, Joaquin noch nie, und schon gingen ihre Geschwister ihr auf den Keks. War ja klar.“

Weder die fünfzehnjährige Maya, noch Grace und Joaquin, beide sind siebzehn und achtzehn Jahre alt, haben gewusst, dass sie Geschwister sind. Dabei wohnen sie nicht mal weit auseinander. Grace und Maya wurden bereits als Kleinkinder in liebevollen Familien aufgenommen, nur Joaquin, dessen Vater offenbar Mexikaner ist, durchlebte achtzehn verschiedene Familien, in denen er als Pflegekind aufgenommen wurde. Jetzt wohnt er seit zwei Jahren bei Mark und Linda, die ihn unbedingt adoptieren möchten. Doch Joaquins Seele ist zu verletzt, er kann anderen Menschen nicht mehr hundertprozentig vertrauen. Für ihn sind Schläge nicht so schrecklich, wie das Verletzen mit Worten. Wenn ein Kind erlebt, dass Eltern, die ihn angeblich lieben, ihn adoptieren wollen und dann selbst ein eigenes Kind bekommen und ihn wieder fortgeben, dann gräbt sich diese Enttäuschung tief ein. Joaquin ist auch nicht erstaunt, dass seine beiden Schwestern weiß sind und in guten Familien erzogen wurden. Als Mayas Eltern nach der Adoption dann doch ihr leibliches Kind, Lauren, bekamen, blieb das Mädchen in der Familie. Doch klar ist, beim Anblick all der vielen Fotos im Haus, dass Maya völlig aus dem Rahmen fällt. Seit längerer Zeit funktioniert die Ehe von Mayas Eltern nicht mehr, die Mutter beginnt zu trinken, der Vater ist nicht oft zu Hause. Grace ist Einzelkind und mit siebzehn schwanger. Sie gibt ihr Kind zur Adoption frei und von diesem Moment an, bewegt sie der Gedanke, ihre Geschwister zu treffen und die leibliche Mutter, Melissa Taylor, zu finden.
Doch nur Grace, die gedanklich immer mit ihrem eigenen Kind verbunden ist, verspürt diese Sehnsucht, mit der Mutter zu sprechen. Sie hat, wie die anderen auch, einfach zu viele Fragen.

Aus der Perspektive von Maya, Grace und Joaquin wird diese gefühlvolle Geschichte erzählt. Alle drei werden sich zum Ende dann doch für einen Besuch bei der Mutter entscheiden und eine traurige Überraschung erleben.

Mittagsstunde

Dörte Hansen: Mittagsstunde, Penguin Verlag, München 2018, 320 Seiten, €22,00, 978-3-328-60003-9



„Wat schall dat warrn? Das fragte Ingwer sich auch manchmal selbst. Er wusste nicht genau, warum er das hier machte. Und für wen. De Letzte Ölung? Jeder Satz ein Treffer. Der Alte konnte es noch immer.“

Ingwer, der Enkelsohn von Sönke und Ella Feddersen, lässt seine Arbeit als Archäologe in Kiel für ein Jahr ruhen und fährt nach Nordfriesland, ins Dorf Brinkebüll. Hier führen seine Großeltern einen Gasthof, der jedoch schon bessere Zeiten gesehen hat. Ab und zu kommen noch Leute, aber die Zugezogenen aus Berlin oder Hamburg interessieren sich nicht für den Dorfklatsch, die können ja nicht mal ordentlich grüßen und Plattdeutsch sprechen schon gar nicht. Seit der Feldbereinigung, der Zusammenlegung der Felder, der Modernisierung, dem Ausverkauf der Tiere, der Unkrautvernichtung im großen Stil und dem Bildungsdrang der Kinder, gehen die kleinen Dörfer mit ihren Traditionen, zu denen auch die Ruhezeit von zwölf bis zwei in der Mittagsstunde gehörte, unter. Im Zentrum des Dorfes wird die Eiche gefällt, der kleine Einkaufsladen schließt die Tore und das bäuerliche arbeitsreiche Leben verschwindet. Die moderne Landwirtschaft diente nun vielleicht den Menschen, den Tieren nicht, nicht den Störchen, den Schwalben, den Hasen oder Stichlingen.
Wie Kassandra läuft Marret, die leicht „verdreihte“ Tochter der Feddersens, durch die Landschaft und verkündet den „Ünnergang“. Viel zu jung wurde sie von einem Landvermesser, der sich im Dorf aufhielt, schwanger. Für Ingwer war sie eher die Schwester als die Mutter.

Immer im Wechsel der Perspektiven erzählt Dörte Hansen vom Untergang eines fiktiven Dorfes in Nordfriesland, einer Landschaft, in der die Autorin auch aufgewachsen ist. In der Gegenwart pflegt der Enkel die gebrechlichen Großeltern, zumal Ella schon leicht geistig umnachtet ist. In der Vergangenheit wird von Lehrer Steensen erzählt, der sich noch vehement gegen das Sprechen von Platt einsetzte, die Kinder nach seinem Ermessen schlug und vorgab, für Gerechtigkeit zu sorgen.
Da werden Kinder und Frauen geschlagen, und niemand zieht den prügelnden Mann zur Rechenschaft. Man mischt sich im Dorf nicht ein, steckt jedoch den drangsalierten Kindern eine Süßigkeit zu. Brinkebüll ist ein Ort, in dem man Heimatdichter wird oder Trinker. Hier lebt ein Menschenschlag, der kaum redet und wenn dann bloß kein Wort zu viel.
Da sich Marret um ihr Kind nicht kümmert, springt Ella ein und gibt dem Jungen, alles was er braucht.
Ingwers aktuelles Leben ist nicht gerade berauschend aufregend, denn so einiges liegt im Argen. Die berufliche Karriere des Achtundvierzigjährigen stagniert, er hört die melancholischen Songs von Neil Young, streitet sich mit seiner emotionslosen Lebensgefährtin Ragnhild, die mit ihm in gehobener Wohngemeinschaft, in der einst geerbten Villa, mit einem weiteren Bekannten zusammenwohnt. Für Ingwer fühlt es sich an, als sei er nie aus seiner Heimat richtig fortgekommen. Als würde es den Archäologen nicht geben. Den Wechsel zum Gymnasium hatte ihm der Großvater übel genommen. Wer hatte ihn damals gefragt, ob er Gastwirt und nebenher Bauer werden will? Söhne übernehmen den Hof des Vaters, so war es immer und so wird es nie wieder sein. Nicht mal anderthalb Generationen haben diesen Wandel hinbekommen.

Berührend liest sich dieser zweite Roman von Dörte Hansen, der vom unvermeidlichen Untergang der bäuerlichen Welt erzählt. Keine Frage, es ist ein „Herkunftsroman“, denn auch Ingwer kann seine Herkunft vom Dorf nicht verleugnen, wie seine Freundin Ragnhild aus der großbürgerlichen Gesellschaft. Mit einer Prise trockenen Humors, viel Wärme für die erfundenen Figuren und Liebe zum friesischen Land geschrieben entführen die Geschichten in eine Region, die stellvertretend für viele steht. Nach ihrem Debüt „Altes Land“ wieder ein absolut lesenswerter tiefgründiger Roman mit literarisch gutem Anspruch.

Der achte Tag

Nicci French: Der achte Tag, Aus dem Englischen von Birgit Moosmüller, C. Bertelsmann Verlag, München 2018, 448 Seiten, €15,00, 978-3-570-10317-3

„Er blickte sie an, dünner, als sie ihn in Erinnerung hatte, mit sehr geschorenem Haar, aber demselben Lächeln. Ein Mann, der am Flussufer beim Angeln saß, nur wenige Meter von der Stelle entfernt, wo er seinen Zwillingsbruder umgebracht hatte. Ein Mann wie ein Schatten, ein Mann wie ein Geist.“

Acht Jahre nun spukt dieser Geist namens Dean Reeve durch die Handlungen der beiden Krimiautoren. Mit ihrem achten Band verabschieden sie sich von Frieda Klein, der unzugänglichen Psychotherapeutin, die mal der Polizei als inoffizielle Beraterin helfen darf und dann wieder von ihr geächtet wird. Diesmal muss der Leser ziemlich lang warten, ehe die Hauptfigur mit neuer Haarfarbe, Brille und Haarschnitt im Handlungsverlauf auftaucht, doch ab diesem Moment wird es wieder richtig spannend.

Clever eingefädelt stellen die beiden Autoren eine junge ziemlich redselige Studentin in den Mittelpunkt der Handlung. Lola Hayes sucht nach einem Thema für ihre Seminararbeit und der Gastdozent im Fach Kriminologie empfiehlt ihr die wechselvolle Arbeit von Frieda Klein. Parallel dazu erfährt der Leser, dass seltsame Morde in London geschehen, die die Polizei vor ein Rätsel stellen. Ein Auto rast von einem Hügel in einen Kinderbekleidungsladen. Dem Mann am Steuer, einem Vertreter für Sanitäranlagen, gehört das Auto nicht und er ist bereits beim Aufschlag tot. Ein anderer Mann wird bereits tot, aber vor Feuer geschützt in einem Scheiterhaufen verbrannt. Man soll ihn offensichtlich finden. Mehrere Mordfälle landen nun auf dem Tisch von Detektive Inspector Bill Dugdale, der über ein schlechtes Namensgedächtnis verfügt und ziemlich bullig aussieht.
Nur Frieda ahnt, dass diese spektakulären Mordfälle ihr zeigen sollen, dass Dean Reeve in London ist und Kontakt zu ihr aufnehmen will. Lola beginnt mit ihren Recherchen und kommt einfach nicht voran, denn auch Friedas Freunde wimmeln sie ab. Sie versucht die Methode der Psychogeografie, sie geht Friedas Wege ab. Per Zufall findet Lola, die ziemlich beharrlich sein kann, Frieda Klein auf dem Friedhof. Als diese jedoch mit Lola ins Gespräch kommt und die Fotos auf ihrem Handy sieht, erblickt sie plötzlich den harmlosen Angler, der eindeutig Dean Reeve ist.
Ab diesem Moment ahnt Frieda, dass sie Lola nicht mehr gehen lassen kann. Auch wenn sich die Studentin nicht erinnern kann, was sie zu Reeve gesagt hat, Lola ist in Gefahr.
Nachdem die junge Frau auch mit der Journalistin Liz Barron gesprochen hat und diese tot aufgefunden wird, ahnt sie, dass sie in ihr altes Leben nicht mehr zurückkehren kann. Allerdings versucht Frieda ihr klarzumachen, dass diese Morde, die einem für die Polizei unkontrollierbaren Muster folgen, so oder so ein Ende finden werden, denn Frieda versucht zu Reeve Kontakt aufzunehmen. Er legt die Leichen an den unterirdischen Flüssen Londons ab, ein Areal, dass die Polizei nie beobachten kann. Nur Frieda hat ein Gespür für seine Denkweise.

In der Konfrontation dieser beiden unterschiedlichen Frauen mit einem hochintelligenten Mörder liegt der Reiz des achten Bandes, der die Geschichte um Frieda Klein nun zu Ende bringen muss. Lola ist genervt von Friedas stoischer Haltung und Frida kann die ständig plallernde Lola kaum ertragen. Benimmt sich Lola zu Beginn der Begegnung noch ziemlich leutselig und naiv, so verwandelt sie sich im Laufe der Handlung in eine doch völlig verängstigte, depressive Person, die dder Leser anfänglich kaum ernst genommen hat und doch Mitleid verspürt. Frieda kann ihr wenig helfen, ahnt sie doch, dass Lola ein Geheimnis hat.

Mit diesem Band, dem fesselnden Finale, verabschieden sich die beiden Autoren von ihrer originellen Hauptfigur und der Leser atmet auf. Vielen Dank für den letzten Nervenkitzel!